558 Das Drama bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts
155-57. — Carl Lange, Die lat. Osterfeiem, Untersuch, üb. d. Ursprung u. d. Entwicklung derIiturg.-dramat. Auferstehungsfeier, 1887, dazu Schröder, Anz. 14, 85-88; s. auch Lange, Dielat. Osterfeiem, Progr. Halberstadt 1881; Ders., Ungedruckte lat. Osterfeiem, ZfdA. 28, 119-29;Neil C. Brooks, Osterfeiem aus Bamberger u. Wolfenbüttler Hss., ZfdA. 55, 52-61; Jos.Klapper, D. Ursprung der lat. Osterfeiem, ZfdPh. 50, 46-58; K. Young, The home of theEaster play, Speculum 1926/27, 71-87; Kummer, Eine lat. Osterfeier, ZfdA. 25, 251 f.
Aus dem Gottesdienst ist das mittelalterliche Drama hervorgegangen, eswar ein geistliches Schauspiel; das weltliche Spiel ist erst in der Folgeaufgekommen. Die Liturgie des Charfreitagmorgens besaß schon die Grund-forderungen eines „Dramas": bewegte Handlung und auftretende Personen.Das Kreuz wurde in feierlicher Prozession neben dem Altar aufgestellt undnach dem Gottesdienst in Leinen gehüllt an einem Ort neben dem Altarniedergelegt, der symbolisch das Heilige Grab bezeichnete. Dort blieb dasKreuz bis nach der Matutin. Während des Gottesdienstes läßt sich ein Geist-licher, weiß gekleidet und einen Palmzweig in Händen haltend, neben derGrabstelle nieder, er bedeutet den Engel, der an der rechten Seite von ChristiGrab saß; drei andere Geistliche in Kapuzen gehüllt kommen langsam heran,als ob sie etwas suchten: sie stellen die drei galiläischen Frauen dar (Ev.Marci 16, 1), die visitatio sepulcri. Im Kloster St. Gallen wurde am Anfangdes 10. Jahrhunderts der wahrscheinlich von Tuotilo, einem Schüler desNotker Balbulus, verfaßte Tropus (d. i. ein aus biblischen Worten zumWechselgesang, Antiphon, zusammengesetzter Text) gesungen: „Quemquaeritis in sepulchro, o Christicolae ? Jesum Nazarenum crucifixum, oCoelicolae. Non est hie, surrexit, sicut praedixerat; Ite, nuntiate, quia surrexitde sepulchro." In dieser gottesdienstlichen Zeremonie ist die biblische Er-zählung der Evangelien in eine dramatische Handlung aufgelöst. 1 Dies istder Kern des lateinischen Osterspiels. 2 Dieser erfuhr dann fortschreitend Er-weiterungen, zuerst durch die Einfügung der in der ersten Hälfte des 11. Jahr-hunderts vom Kaplan Wipo gedichteten Oster-Sequenz „Victimae paschali",das Auftreten der Maria Magdalena, die den Jüngern Petrus und Johannesmeldet, daß Christus auferstanden sei (tulerunt dominum de monumento etneseimus, ubi posuerunt eum) und den darauf folgenden Wettlauf der beidenJünger zum Grabe (Ev. Joh.Kap. 20, 1 ff.). Dazu kam weiterhin die Szene,wie Christus der weinend vor dem leeren Grabe sitzenden Maria Magdalenaerscheint, die ihn für den Gärtner hält, die Erscheinungsszene. Der Wettlaufder Jünger, besonders aber der realistische Auftritt mit dem Salbenkrämer(Mercator) und dem Knecht Rubin und noch mehr die zur Höllenfahrt ge-hörenden Teufel bekamen später leicht einen Zug ins Komische.
Mysterien wurden zunächst solche geistlichen Spiele genannt, in welchenKreuzigung, Begräbnis und Auferstehung des Heilands dargestellt wurden,
1 Creizenach S. 43 ff.; Wilh. Meyer, Frag- 2 Froning, 6 lat. Osterfeiem S. 13-20; H.
menta Burana S. 34 ff.; Baumgartner IV, Pfeiffer, Über Klostemeuburger Osterfeier
423 ff.; Schwietering, Walzeis Handb. (13. Jh.) und Osterspiel, Jahrb. des Stiftes
S. 36 f.; Ders., ZfdA. 62, 1-20; Rosenhagen, Klosterneuburg I, 1908.Geist d. dt. MA.s 188 ff.