Des Entkrist Vasnacht 557
ben zurück. - Im ersten Akt ist der Kaiser der Mittelpunkt, im zweiten derAntichrist, dort die Demut, hier die Hoffart; die Haupttugend und das Haupt-laster stehen einander gegenüber. Bei der Person des Kaisers hat dem DichterFriedrich I. vorgeschwebt, ihm gilt seine Verehrung. Um 1160 wird das Dramaverfaßt worden sein.
Großes Gewicht hat der Dichter den rhythmischen Formen beigelegt. 1 Siesind verschiedenartig. Strophen von 13 Silbern herrschen vor, doch findensich auch solche von kürzeren Zeilen. Dadurch besteht eine gewisse Mannig-faltigkeit im rhythmischen Stil bzw. der Musik. Viel Sorgfalt ist auf dieReime verwendet. So trägt auch die Form dazu bei, das Gedicht zu einer derhervorragendsten dramatischen Schöpfungen des Mittelalters zu machen.
Des Entkrist Vasnacht
Angereiht sei hier ein späteres Antichristspiel, ein Fastnachtspiel: DesEntkrist Vasnacht 2 aus dem 15. Jahrhundert. Es ist eine politische Satire,deren Anspielungen die Vorlage in die Zeit Kaiser Karls IV. weisen und zwarin das Jahr 1350 (1349). Den Kern des Vorgangs bildet die Auferweckungvon Karls IV. Vater, dem König von Böhmen, durch die Beschwörung desAntichrist. Als Lohn verspricht dieser dem Kaiser, wenn er sich ihm ergibt,Jerusalem und das Ungerlant und das kunikreich von Salem, und was seinHerz begehrt (S.599, 1 ff.). Verfaßt wurde dieses Fastnachtspiel wohl inder Schweiz (S. 602, 34. 603, 27). Es ist anzunehmen, daß es zur Vorlage einernstes Antichristspiel aus der Zeit Karls IV. hatte.
2. DIE PASSIONS- UND OSTERSPIELE
Lit. Gustav Milchsack, Die Oster-u. Passionsspiele, literar.-historische Untersuchungen üb.d. Ursprung u. d. Entwicklung derselben bis z. 17. Jh. nebst Abdruck des Künzelsauer Fron-leichnamsspieles I. Die lat. Osterfeiern, 1880, dazu Schönbach, Anz. 6, 301-13, Lehfeld, ZfdPh.13,487-91 (Milchsack auch Leipz. Diss. 1879); J. E. Wackernell, Üb. d. ältesten Passions-spiele in Tirol, 1887, dazu Bolte, DLz. 1887, 181 f.; Ausfeld, Cbl. 1887, 821; Wackernell,Ad Passionsspiele aus Tirol (Ausgabe derselben), 1897; Ders., Die ad. Passionsspiele in Tirol,Vortrag 1894; Ders., Eine Hs. der ad. Passionsspiele in Tirol, Arch. 112, 130-32; L. Wirth, DieOster- u. Passionsspiele bis z. 16. Jh., 1889; M. Wilmotte, Les Passions allemandes du Rhindans leur rapport avec l'ancien theatre francais, Paris 1898, dazu Vogt, GgA. 1900 Nr. 1; Fro-ning, 6 lat. Osterfeiern S. 13-20, die Osterspiele S. 21^5, die Passionsspiele S. 245-77; Klimke,D. volkstüml. Paradiesspiel, 1902, pass.; E. L. Stahl, Das ad. Osterspiel, Bühne u. Welt 15, 2,1913, S. 19-27; Wilh. Meyer, Fragmenta Burana aaO. S. 49-144; Burdach, Vorspiel I, 1, 188-205; Stammler, Das religiöse Drama aaO. S. 14-19.-27-37; Ders., Merker-Stammler Reallex. 1,230-35; Schwietering, Walzeis Handbuch der Lit.-Wissensch. S. 36 ff.; Phil. Huppert, Mittel-alter!. Osterfeiern u. Osterspiele in Deutschi., 1929; Otto Schüttpelz, Der Wettlauf der Apostelu. die Erscheinungen des Peregrinispiels im geistl. Spiel d. MA.s, Germ. Abh. 63, 1930, dazuSchröder, Theol. Lit.-Zeit. 56, Juni 1931; Helmut Niedner, Die deutschen u. franz. Osterspielebis z. 15. Jh. mit e. Vorwort von H. H. Borcherdt, 1932, dazu Piquet, Rev. germ. 24, 1933,
1 Wilh. Meyer, Ges. Abh. 1, 170-338, für deutschen Fastnachtspiele, QF. 77, 1896, 79den Ludus de Ant. S. 334-38. -83; Creizenach S. 123 f.; Singer, Die mittel-
2 Hgb. Keller, Fastnachtspiele Nr. 68 II, alterl. Lit. der dt. Schweiz S. 53 f.573-608. — Victor Michels, Üb. die ältesten