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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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548 Lyrische Dichtung

und Herren gesungen, und beneidet ihn um sein Glück (Gedicht abgedr. beiGroote S. Vf.).

Suchensinn

Suchensinn 1 war ein wandernder Meistersänger, der für ein höfischesPublikum dichtete; urkundlich ist er nachgewiesen 1390 und 1392 am Hofedes Herzogs Albrecht II. von Bayern (1389-97). Seine Heimat war Bayern,nach seiner Sprache zu schließen. Seine Kunst ist einförmig, sie hat nur einThema und einen Ton (22 Lieder, in denen er seinen Namen angibt,meist amSchluß). Seine Lieder gelten der Verherrlichung des reinen Weibes und zwarder Ehefrau. Er redet nie vonMinne" im höfischen Sinne, sondern nur vonLiebe; nur selten kommt das WortMinne" vor. Als Lob der Frau ist seinThema im Sinne der Minnesinger, aber indem es ein Preis der Ehefrau ist,klingt es meistersingerisch, bürgerlich ehrbar. Bei den späteren Meisternstand er in gutem Ansehen. Stil, Vers- und Reimkunst sind mäßig. 2

Michael Beheim. Hans Folz u. a.

Als Meistersinger sind hier noch folgende Poeten anzuführen, die schonfrüher als Dichter auf anderen Gebieten behandelt wurden: Heinrich vonMügeln (s. oben), Michael Beheim, Hans Folz.

Michael Beheim 3 ist in der Auffassung und Art seiner Kunst den Meister-singern zuzurechnen, obgleich er den Stoffkreis weit über das Lied hinausausgedehnt hat. Sein Großvater war aus Böhmen nach Württemberg eingewan-dert, woher sein NameBeheim". Geboren war er zu Sulzbach bei Weinsbergim Jahr 1416, war ursprünglich Weber von Beruf und kam mit etwa 23 Jahrenin Hofdienste bei verschiedenen Herren, zuletzt zum Pfalzgrafen Friedrich I.Im Jahr 1472 in sein Heimatdorf zurückgekehrt, übernahm er daselbst dasSchultheißenamt, wurde aber bald nachher erschlagen. Er war ein sehr frucht-barer Schriftsteller, den größten Raum in seinem Werke nehmen seine

1 Ausg.: Emil Pflug, Suchensinn und seine Gesch. d. Stadt Wien III. Bd. I. Hälfte, 1907,Dichtungen (mit Lit. S. 1), 1908, dazu Euling, 72 ff.; J. Bleyer, M. Beheims Leben u. WerkeDLz. 1910, 1944-46, Ehrismann, ZfdPh. 45, vom Standpunkte der ungarischen Geschichte,307-9. Abhandl.: Roethe, ADB. 37, 103 f.; Budapest (ungarisch, Abdruck aus Szäzadok),Ders., Reinm. S. 164; v. Liliencron, Histor. 1902, dazu A. Schullerus, Siebenbürg. Korr-Volkslieder 1 S. 291 Nr. 59 V. 455; Euling, bl. 25, 145-51; G. C. Conduratu, M. BeheimsStud. üb. Heinr. Kaufringer, 1900, 101-103. Ged. üb.d.Woiwoden Wlad. II. Drakul, Leipz.122; Günth. Müller, Aufriß S. 44 f. Hss.: Diss., Bukarest 1903; O. B. L. Vangensten,Pflug S. 5 f. 13-17; die echten Gedichte Su- M. Beheims Reise til Danmark og Norge i 1450,chensinns, Pflug S. 6-15. Videnskabs-selskabets skrifter 1908, Christia-

2 Sprache: Pflug S. 18-24; Stil S. 33-38; nia; G. Münzer, Das Singebuch des AdamVerskunst S. 25-32. Puschmann nebst den Originalmelodien des

3 Lit. üb. M. Beheim: Uhland, Schriften 2, M. Beheim u. H. Sachs, 1906; Hans Gille,330^0. 368-71; Gervinus 2 5 , 411 ff., Th. G. Die historischen u. politischen Gedichte M. Be-v. Karajan, M. Beheim's Buch von den Wie- heims, Pal. 96, 1910; H. Oertel, M. Behamnern, 1887; Ders., Zehn Ged. M. Beheims z. von der statt Triest, I, Progr. Schweinfurt,Gesch. Österreichs u. Ungarns, Quellen u. 1916; Rich. Göth, D. Vokalismus von M.Forsch, z. vaterländ. Gesch., Litt. u. Kunst, Beheims Buch v. d. Wienern, Wien. Diss. 1929;1849; J. Caspart, M. Beheims Lebensende, Horst Oppenheim, Stammlers Verfasserlex.Germ. 22, 114-20; Bobertag, Kürschners Dt. 1, 185-89, 2, 159 ff. Hss. des Buches v. d.Nat.-Litt. Bd. 11, 276-386; Seemüller in Wienern: Karajan S. LXXVI-LXXXVI.