546 Lyrische Dichtung
gebraucht, nur selten wurde der Ton eines späteren Meistersängers wieder-holt, oder ein neuer eingeführt. Die Tradition, die ja im Mittelalter überhaupthistorisches Gesetz war, herrschte also. Es hat auch andere Töne gegeben alsdie der 12 alten Meister, aber diese hatten das höhere Ansehen.
Das Wort „Meister" (lat. Magister, Lehrer, Gelehrter) ist zunächst einWertbegriff; es heißt soviel wie ein in seinem Fach und unter seinen Fach-genossen hervorragender Mann, damit auch Vorbild, Muster. 1 So sagt Ulrichv. Singenberg in seinem Nachruf auf Walther (Lachmann, Walther 108, 6):Uns ist unsers sanges meister an die vart, den man e von der Vogelweide nande.
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die gelehrten unter denSpruchdichtern durch den Namen „Meister" ausgezeichnet, 2 aber dies warkeine feststehende, sondern eine ziemlich willkürliche Titulierung. Meister-sanc hat im 13. Jahrhundert zunächst den gleichen Sinn, also Sang gelehrterSpruchdichter, so auch j. Tit. 885: nach meistersanges orden; ebenso Meister-singer, z.B. bei Meister Rümzlant, MSH. 3, 65a, Rümzlant von Schwaben,ebda 69b. 3 Nachfolger dieser Meistersinger sind im 14.15. Jahrhundert Mus-katblüt und Suchensinn.
Muskatblüt
Muskatblüt 4 war ein Fahrender, ein wandernder Sänger in Hofdienstenin der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Er hatte sein Lebensauskommen,war verheiratet und hatte Kinder. 5 Seine Heimat war, seiner Sprache nach, 6das bayerische Oberfranken. Seine Lebenszeit können wir erschließen aus denAbfassungsjahren, die er in einigen Liedern angibt: 1415.1422.1427; er bringtKönig Albrecht (1437-39) in dem letzten Lied, Nr. 100 (Groote, S. 257-60),eine Huldigung dar. Zur Zeit des Konzils befand er sich, wohl vorübergehend,
1 Mhd. Wb. II, 1, 114-18; J. Grimm, Üb. d. Diss. 1902; Theodore Meyer, Muskatbluts
ad. Meistergesang S. 98-106 (beide Male viele Marienlieder, Marbg. Diss., Auszug im Marbg.
Belegstellen). Jahrb. 1922/23 S.33f.; Brinkmann, Wesen
2 In derManess. Hs. haben die Nichtadeligen u. Form, Reg. S. 193; W. Rehm, ZfdPh. 52,Gotfrid v. Straßburg u. Konrad v. Würzburg 289-330 pass.; Ders., Der Todesgedanke aaO.diesen Titel. S.85; Günth. Müller, Aufriß S.45; Edwin
3 Die in Regenbogens blauem Ton abgefaßte G. Gudde, M. and King Sigismund, The Ger-Strophe Ich lob ein meistersinger schon (MSH. manic Review 7, 1932, 1. — Stellen: Keinz,3, 350; Bartsch, Katal. d. Heidelbg. Hss. ZfdA. 38, 158; Jellinek, Beitr. 44, 188f.;S. 146) ist nicht von Regenbogen selbst, son- Leitzmann, ebda S. 301-7. — Hss.: Pulsdem erst ein Erzeugnis des 15. Jh.s. S. VIII-XVII.
4 Ausg.: E. v. Groote, Lieder Muskatbluts, 5 Groote Nr. 32 Str. 2 S. 90. — Aus du adels1852; einzelne Lieder abgedr.: Hätzlerin bei knecht, na adelichen seden, na adels mut LiedHaltaus S. 76-111; v. d. Hagens Germ. 3, Nr. 44 V. 35. 53. 63. 74, Groote S. 110-12,1832, 136 (s. Leitzmann, Beitr. 44, 302); kann man nicht schließen, der Dichter seiBech, Ein Fragm. ausM., ZfdPh.8, 348; Sin- Edelknecht gewesen, adel bedeutet hier „Tu-ger, Eine Strophe aus M., Anz. 23, 115 f.- — . gendadel", edel durch Tugend (nicht von Ge-Abhandl.: Bartsch, ADB. 23, 99-101; Uh- burt), s. Vogt, D. Bedeutungswandel desland, Schriften 2, 363 f.; Gust. Schenk zu Wortes edel, 1909.
Schweinsberg, ZfdA. 31, 287 (urkundl. ein 6 Alfr. Puls, Untersuchung üb. d. LautlehreKonrad M. 1453-58); Uhl, ebda 39, 152 f. der Lieder M.s, Kieler Diss. 1881, dazu Be-(urkundl. ein Konrad M. 1437-38, Büchsen- haghel, Lbl. 1882, 97; Siegfried Junge,macher); v. Liliencron, Üb. d. Inhalt der Studien zu Leben u. Mundart des Meister-allgemeinen Bildg. aaO. S. 34 f.; A. Velt- singers M., Greifsw. Diss. 1932.mann, Die polit. Gedichte Muskatbluts, Bonn.