540 Lyrische Dichtung
Frankfurter Liederbuch, Mitte 15. Jahrhundert. Jetzt verschollen. 1
In folgenden Liederbüchern sind sowohl die Texte als auch die dazu ge-hörigen Melodien (Weisen) aufgeschrieben:
Das Locheimer Liederbuch (oder Lochammers Liederb.) um 1455, ge-schrieben von Lochammer und ihm gehörig. 2
Das Münchener Liederbuch, zum größten Teil geschrieben von Dr.Hart-mann Schedel, dem Nürnberger Humanisten, 1440-1514 (s. unten), kam mitdessen Bibliothek in die kurfürstliche Bibliothek in München; es enthält Liedermit ihren Singweisen, jedoch auch mehrere ohne solche. Im ganzen 154 Lie-der, auch fremdsprachige, 70 deutsche Lieder mit Musik, 26 ohne Musik. 3
Die Berliner Bibliothek besitzt eine Liedersammlung oberdeutschenInhalts, Nr.459. 4
Das Rostocker Liederbuch, im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts ge-schrieben, 52 Lieder und 15 Reimpaarsprüche, niederdeutsch, auch hoch-deutsche Lieder, zum Teil mit Melodien. 5
Zu den Liedersammlungen kann man auch die Limburger Chronik(s. oben) rechnen, denn sie enthält Minnelieder, religiöse Lieder, Volkslieder,deren Verfasser allen Ständen und Berufen angehörten, Ritter und Geistliche,Bürger und Bauern waren. Oft wird von einem solchen Lied gesagt: in den-selbigen Zeiten sung man dies Lied, oder: in demselbigen Jar sung undpfiff man disz Lied u.dgl.—Verzeichnis von Hss., die „Lieder aus demXV. Jahrhundert" enthalten: Hoffmann, Fundgruben 1, 327-29.
Das persönliche Minnelied einzelner Dichter
Der Minnesang hatte in der realistischen Gesellschaft des 14. 15. Jahrhun-derts keinen Boden. Wohl hat er in Hugo von Montfort und Oswald vonWolkenstein eine Nachblüte erlebt, aber das Rittertum hat seine hohen Idealenicht mehr, und die „Minne" ist eine andere geworden, sie hat nichts mehrvon der schwärmerischen Verehrung der Frau, von der gemütserhebendenPhantasie; sie ist habhaft, hausbacken geworden. Außer von Montfort undWolkenstein ist der Minnesang nur vereinzelt von genannten Dichtern gepflegt
1 Altdeutsche Lieder u. Gedichte aus d. ersten 3 K. Frommann, Das Münchener Liederbuch,Hälfte des 15. Jh.s in J. K. v. Fichard, Frank- ZfdPh. 15,104-26, mit Lit. u. Veröffentlichungfurtisches Archiv f. ältere dt. Litt. u. Gesch. der noch nicht gedruckten Lieder, die keine3. Teil, 1815, 196-323. Singweisen haben; Rud. Eitner, D. deutsche
2 F. W. Arnold u. H. Bellermann, D. Loch- Lied des 15. u. 16. Jh.s, Beilage zu d. Monats-heimer Liederb., in Chrysanders Jahrb. f. mu- heften f. Musik-Gesch. Jahrg. 1880; Lieder mitsikal. Wissensch. II, 1867; Otto Ursprung, Musikbegleitung s. auch in der Mondsee-Wie-Wolflin v. Lochammer's Liederb., ein Denkmal ner Liederhs. des Mönchs von Salzburg (s. ob.),Nürnberger Musikkultur um 1450, Arch. f. 4 Siehe Kurzes Verzeichnis usw. von Herm.Musikwissensch. 5, 1923; K. Escher, Loch- Degering aaO. S. 88 f., mit Aufzählung dereimer Liederb., neudeutsche Fassg., Bearbeitg. Lieder. — Rud. Eitner, Beilage zu d. Monats-der Melodien v. W. Lott, 1926; K. Ameln, heften f.Musik-Gesch., 1876-78, VIII,-X.Jahr-D. Locheimer Liederb. (1455-60), hgb., T. I: gang.
Die mehrstimmigen Sätze, 1925; Rud. Steg- 6 Das Rostocker Liederb. nach den Fragmen-
lich, 22 Lieder des Lochamer Liederbuches ten der Hs. hgb. von Friedr. Ranke u. J. M.
hgb., 1928. — Meusebachs Abschrift, Kurzes Müller-Plattau, 1927, dazu Götze, Lbl.
Verzeichnis der german. Hss. d. Preuß. Staats- 1929, 407 f. (mit Lit.).bibl. von Herm. Degering, 1926, Nr.713 S.125.