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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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V. LYRISCHE DICHTUNG

DAS WELTLICHE LIED IM 14. UND 15. JAHRHUNDERT

Während in der höfischen Blütezeit der von hohen Idealen getragene Minne-sang der Lyrik den markanten Ausdruck verlieh, neben dem die sog. höfischeDorfpoesie und die realistischen Herbst- und Schmauslieder nur eine ver-gnügliche Abwechslung bildeten, ist die Liederdichtung in den beiden letztenJahrhunderten des Mittelalters in ihrem dichterischen Gehalt und in derForm tiefer stehend, im Stoffgebiet mannigfaltiger. Es sind drei Gruppen zuscheiden: 1. Das persönliche Minnelied einzelner Dichter, 2. Das Meisterlied.3. Das Volkslied. Der Inhalt ist in dieser realistischen Zeit dem vielseitigenLeben entnommen: am meisten im Schwang ist natürlich das Liebeslied, zuder größten Bedeutung erheben sich das Sittenlied und das historische Volks-lied, dem Behagen gewidmet ist das Trink- und Martinslied, die Standes-lieder singen vom Soldaten, Studenten, vom Jäger, Bergmann, Handwerker.(Über Montfort und Wolkenstein s.oben.)

I. DAS MINNELIEDLiedersammlungen

Das Liederbuch der Klara Hätzlerin. 1 Diese war Abschreiberin von Beruf(es sind noch 5 Abschriften anderer Werke von ihrer Hand erhalten). Sie isturkundlich bezeugt in Augsburger Steuerregistern und hat das Schreiber-gewerbe bis 1476 gehandhabt. Ihr sog.Liederbuch" ist 1471 geschrieben,laut Unterschrift: Anno domini Augspurg 1471 Clara Hätzlerin (HaltausS. 112). Haltaus hat durch ein Versehen die beiden Abteilungen: I. Spruch-gedichte, erzählende oder didaktische Gedichte, in Reimpaaren, S. 113-308,und II. Lieder, in Strophen S. 1-112, in umgekehrter Folge gedruckt (!). Hätz-lerin hat das Buch für Jörg Roggenburg (vermutlich Augsburger Patrizier)geschrieben (laut Unterschrift auf dem letzten Blatt). Die Handschrift be-findet sich jetzt im Böhmischen Museum zu Prag. Nr. 1-27 (S. 1-36) sindTagweisen", dann folgen Minnelieder (der größte Teil), Frühlings- und Win-terlieder, moralische und religiöse, Wein- und Freßlieder. Von bekanntenDichtern sind darin vertreten: der Teichner, Suchenwirt, Muscatblüt, Suchen-sinn, Rosenblüt, der Mönch v. Salzburg, Sachsenheim, Wolkenstein, JörgSchilher, Kaltenpach.

Ein zweites Augsburger Liederbuch, zeitlich früher, 1454, enthält 97Lieder und 26 Spruchgedichte. 2

1 Ausg.: Carl Haltaus, Liederbuch d.Cl.H., Das dt. Tagelied, Leipz. Diss. 1887, 45 ff.

1840. Karl Geuther, Liederb. d. Klara 57 ff.; Hellmuth Langenbucher, D. Ge-

Hätzl., 1899, dazu Schröder, Gott. Nachr. sieht d. dt. Minnesangs, 1930, 87 f.

1931,208, Michels, Anz. 28, 342-57, Panzer, 2 BolTE, Ein Augsburger Liederbuch vom

ZfdPh. 34, 97-100, v. d. Leyen, Arch. 110, Jahre 1454, Alem. 18, 1890, 97-127. 203-35,

428 f., Drescher, DLz. 1901,1692, Helm, Lbl. die 97 Lieder abgedruckt, für einige schon ge-

1900, 322. Bartsch, ADB. 1880; Ders., druckte sind die Druckstellen nachgewiesen.

Quellenkunde S. 177; Walter de Gruyter, Hs. München Cgm. 379.