Das persönliche Minnelied einzelner Dichter 541
worden, und was noch Ausdruck wirklich poetischer Empfindung war, ist indem Volkslied aufgegangen.
Von Heinrich Grafen von Wirtenberg (1448-1519) sind vier Liebes-lieder erhalten mit dem Motivenvorrat des höfischen Minneliedes. 1
Von Heinrich von Beringen, dem Verfasser des Schachgedichts (s.oben), sind ebenfalls drei Liebeslieder überliefert. Ein viertes Gedicht knüpftan die Minne an: ein Weib fertigt einen Verleumder spottend ab, der ihr denGeliebten hatte verleiden wollen. 2
Die Zimmerische Chronik, verfaßt 1564-66 von Graf Froben Christoph vonZimmern (bei Rottweil, Württemberg), erwähnt einen Heinrich Offenbachvon Isny (Württemberg), um 1350 Domherr in Konstanz, „der ist gleich-falls mit den deutschen Lieder und geruempten Gedichten umbgangen". 3
Einige Liebeslieder sind in der Sterzinger Hs. (J. V. Zingerle, Wien. SB.54, 293ff.) erhalten von einem Magister Johannes Bopfingen, in höfi-schem Ton, offenbar zur Unterhaltung einer Hofgesellschaft, gehalten. Jo-hann von Bopfingen, einem württembergischen Städtchen, war seit 1369Pfarrer in Villanders bei Klausen in Tirol (urkundl. 1369. 1372. 1373. 1390). 4— Über die Lieder Eberhards v. Cersne s. unten.
Die Limburger Chronik (s. oben) erzählt von einem Grafen Reinhardvon Westerburg (in Nassau): Derselbe was gar ein kluger ritter von libe,von sinne unde von gestalt, unde reit keiser Ludewigen (von Baiern) sernach unde sang unde machte he dit lit „Ob ich durch si den hals zubreche usw.,Uf ir genade achte ich kleine, sich, daz lasse ich si vurstan". Da der vurgenantKeiser Ludewig daz lit gehorte, darumb so strafte he den herren von Wester-burg unde saide, he wolde ez der frouwen gebessert haben. Da nam derherre von W. eine kurze zit.. . unde sang daz lit: „In Jammers noden ich garvurdreven bin durch einwif sominnecliche." Da sprach keiser Ludewig: „Wester-burg, du hast es uns nu wol gebessert." 5
1 Hgb. W.Holland u. A. Keller, Lieder des MA.s Bd. V, 1905. — Adelb. Keller, Ad.Heinrichs Grafen v. Wirtenberg, 1849. Gedichte, 1846, 243 f.; Bethmann, ZfdA. 5,
2 Die drei Lieder hgb. von Pfeiffer in H. 418 f. u. Martin, Straßbg. Stud. I, 1882, 100,Schreiber, Taschenbuch f. Gesch. u. Alter- vgl. Schröder, ZfdA. 42, 161; Keinz, ebdathum in Süddeutschland 1844, 311 ff. Das 38,154-56; W. Lippert, Zwei höf. Minneliedervierte Gedicht von Haupt, ZfdA. 10, 270-72 d. 14. Jh.s, ebda 40, 206-11; Schröder, Ein(52 V.), von ihm „Abfertigung" genannt. — höf. Minnelied d. 14. Jh.s, ebda 42, 161; Klap-Zimmermann, Das Schachgedicht Heinrichs per, Minnelied (15. Jh.), ebda 50, 198 f.;v. Berngen, Heidelbg. Diss. 1875 S. 44-47; Bartsch, Liebeslied des 15. Jh.s, Germ. 29,Schröder, ZfdA. 42, 162. 406; Ders., Der Müttinger, ebda 32, 246-53
3 MSH. 4, 237. 883; Grimme, Die rheinisch- (Spruchreden von Minne, s. Lassberg, LS. 1schwäbischen Minnesinger, 1897, 219-21. Nr. I-XXIII); J. Bolte, Zu den Amores
4 Oswald v. Zingerle, Joh. v. Bopf., ein Söflingenses, Alem. 28, 72-75, Zwei weltl.unbekannter Dichter des 14. Jh.s, Euphorion Lieder des 15. Jh.s; O. Clemen, Ein mittel-17,1910,469-73. alterl. Liebeslied (15./16. Jh.), Euphor. 11,
5 Goebel aaO. S. 9-11; Martin, ZfdA. 13, 1904, 141 f.; Johannes Wolf, Zwei Tage-
372 f.; Roethe, Deutsche Reden, 1927, 114; lieder des 14. Jh.s, Festg. Degering, 1926, 325
Leo Sternberg, ZfDtschkde 36, 1922, 14 ff. -27 (mit Musikbeilage).
Liebeslieder des 14. u. 15. Jh.s ohne Ver- Lieder des 14. 15. Jh.s andern Inhalts:
fassernamen: Arthur Kopp, Volks- u. Gesell- Hoffmann, Fundgruben 1, 1830, 327-39;
schaftslieder des XV. u. XVI. Jh.s, Dt. Texte Schade, Weimarisches Jahrb. 4, 1856, 320 f.