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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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536 Die geschichtliche Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts

Chronik von Reichenau

Auf engeren Raum beschränkt ist die Chronik von Reichenau des dor-tigen Kaplans Gallus Oheim (Oehem), 1 worin die Geschichte des Klostersin der Reihenfolge der Stifter (Pirminus usw.), der Äbte und dann der imLehensverhältnis dazu stehenden Fürsten und Herren dargelegt wird, einDenkmal der Macht und des Reichtums des Gotteshauses zu Reichenau;Abfassungszeit 1491-1508.

Chroniken aus der Zeit des Konstanzer Konzils

In eng umgrenztem Gebiete halten sich auch zwei Chroniken aus der Zeitder kirchenreformatorischen Bewegungen des 15. Jahrhunderts: UlrichRichental 2 (auchUlr. v. R.,gest. 1437), ein angesehener, reicher Bürger undHausbesitzer in Konstanz, weitgereist, schrieb die Geschichte des KonstanzerKonzils (1414-18). Aus den Mitteilungen, die ihm geistliche und weltlicheHerren machten, die er (ein mittelalterlicher explorator,Interviewer") be-fragte, stellte er ein Tagebuch zusammen, das er zuerst lateinisch redigierte(verloren), dann deutsch bearbeitete. In dieser Tagebuchchronik liegt einbedeutendes Werk vor, denn Richental besaß ein gutes Urteil für die histo-rischen Züge und zugleich ein offenes Auge auch für die Alltäglichkeiten.Er läßt seine Person in vielen Einzelheiten stark hervortreten, aber geradediese Einblicke in das damalige Leben geben dem Gesamtbild eine anschau-liche Fülle. Er besaß jedenfalls geistliche Bildung, war aber wohl nicht Kle-riker. Umarbeitung Ulrichs von Richental durch Gebhard Dacher um1464; derselbe schrieb auch eine Konstanzer Chronik. 3 Eberhart Wind-ecke hat in seinem Buch von Kaiser Sigismund 4 ein ziemlich planloses undungeschicktes Sammelwerk zustande gebracht über die Ereignisse im Reich,besonders mit Hinblick auf den Kaiser, aus Abschriften von Urkunden,Briefen, sonstigen Quellen und aus eigenen oft verblaßten Erinnerungen zu-sammengestellt. Windecke kam, wie er in einer Vorrede berichtet, als Knabevon 15 Jahren aus Mainz nach Böhmen, stand dort vierzig Jahre in Dienstender Krone bis zum Tode Kaiser Sigismunds und stellte seine Chronik (zweiRedaktionen, 1437 und 1442) zusammen, nachdem er wieder nach Mainz,wo er eine Stelle beim Zoll erhielt, zurückgekehrt war.

Konrad Dinkmuth gab 1486 eine Chronik der deutschen Kaiser heraus,die von der Mitte des 14. Jh.s an auch näher auf württembergische Ge-schichte eingeht. 5 Eine Geschichte der Grafen von Cleve verfaßte Gertvan der Schüren 1471. 6 Peter Eschenloher (geb. um 1420, Stadt-

1 Hgb. K. A. Barack, Lit. Ver. 84, 1866; s.' JB., 1894, S. 74 Nr. 107. 1898, S. 106P. Albert, Zur Lebens- u. Familiengesch. d. Nr. 164; v. Hagen, D. Leben Kg. SigismundsGall. Oheim, Alem. 25, 1898, 258-62. v. Eberh. v. Windecke übers., Gesch. d. dt.

2 Hgb. M. R. Bück, Lit. Ver. 158, 1882. Vorz., 1899; A. Wyss, Centralbl. f. Biblio-Ed. Heyck, ADB. 28,433-35; Beyerle, Z. f. theksw. 1895; Stammler aaO. S. 246. 489.Gesch. d. Oberrh. 53, 13-27; Stammler aaO. 5 Erich Hofmann, Stammlers Verfasserlex.S. 246. 489. 1,435 f.

3 Baier, Stammlers Verfasserlex. 1, 395-97. 6 Stammler, Von der Mystik zum Barock

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Hgb. W. Altmann 1893 (mit Lit.), dazu S. 247. 490 (Lit.).