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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Chroniken aus der Zeit des Konstanzer Konzils. Niederdeutsche Chroniken 537

schreiber in Breslau, gest. 1481) gab eine Geschichte der Stadt Breslauheraus 1440-79.*

Niederdeutsche Prosa- und Reimchroniken

Niederdeutschland 2 brachte im 14. 15. Jahrhundert eine Fülle von ge-schichtlicher Literatur in Prosa hervor, für einzelne Städte (Stadtchroniken:Magdeburg, Braunschweig, Dortmund, Soest, Münster, Lüneburg, Lübeck)oder für ganze Landschaften, Territorien (Ost-und Westfalen, Nordalbingien).Wenig Werke freilich können höhere, literarische oder historisch-wissenschaft-liche Bedeutung beanspruchen. Ein großartiges Unternehmen ist die Magde-burger Schöppenchronik, 3 die sowohl die Geschichte der Stadt als die desganzen Sachsenlandes in einer Reihe von zusammenhängenden Fortsetzungenentwickelt, beginnend mit der Abstammung der Sachsen von den Mazedoniern,zu den sächsischen Kaisern fortschreitend und dann mehr auf lokale Interesseneingehend, um schließlich in dürftige zusammenhanglose Notizen auszulaufen.Begonnen wurde die Chronik um 1380 und in der gleichen pünktlichen Be-obachtungsweise jeweils von Zeitgenossen fortgesetzt bis 1421, wo dann bis1516 die Einträge immer dürftiger werden. Unter den zahlreichen nd. Chroni-ken des 15. Jahrhunderts 4 ragt durch gewandte Sprache, anschauliche Schil-derung und Mannigfaltigkeit des Inhalts die Weltchronik des Lübecker Fran-ziskaners Hermann Korner (beendet 1430-40) hervor. Geringer an Wert,versucht es die an das Ende, des 15. Jahrhunderts gehörigeSassenchronik"des Bürgers Konrad Bote aus Braunschweig die sächsische Stammes-geschichte darzustellen. In engere Verhältnisse führt die Stiftschronik vonS. Simon und Judas in Goslar, 5 ebenfalls lateinisch und deutsch neben-einander, die Ereignisse an Hand der zu dem Stifte in Beziehung stehendendeutschen Kaiser bis 1294 aufzählend.

Das Lippiflorium verherrlicht das Leben Bernhards II. zur Lippe innd. Reimen, 1487. 6 Ein Bruder Nigels übersetzte die dänische Reim-chronik über die Geschichte der dänischen Könige bald nach 1478. 7

Die nd. Reimchroniken erheben sich selten zu wirklicher Kunstübung. Eineholsteinische Reimchronik, verfaßt zwischen 1381 und 1433, ist nur in Bruch-stücken erhalten, die bis 1261 reichen. 8 Die Reimchronik Eberhards von

1 Wilh. Dersch, Stammlers Verfasserlex. 1, 4, 275; Stammler, Mnd. Leseb. Nr. 12 S. 24f.588-90. u. Anm. S. 135; Ders., Nd. LG. S.27; Ders.,

2 Nd. Geschichtschreibung: Jellinghaus, Von der Mystik zum Barock S. 248. 490.Gesch. d. mnd. Lit. 3 , Pauls Grundr. 1925 6 H. Althoff, Über das Verhältnis der mnd.S. 21 f.; Stammler, Gesch. d. nd. Lit., 1920, Übersetzung des Lippifloriums zu den ver-24-33. 49-52. schiedenen Lesarten der Originaldichtung,

3 Chronikend.dt.Städte VII, 1869. Stamm- ZfdPh. 34, 1-13.

ler, Mnd. Leseb. S. 25-27 u. Anm. S. 135 7 Reimer Hansen, Bruder Nigels dänische

(mit Lit.); s. unten Brun v. Schonebeck. Reimchronik niederdeutsch, Nd. Jahrb. 25,

4 Jellinghaus, Gesch. d. mnd. Lit. 3 S. 63ff.; 1899, 132-51 u. 27, 1901, 63-138.

Stammler, Nd. LG. S. 24ff. Einedeutsche 8 Hgb. Weiland, Mon. Germ. hist. Dt. Chro-

Chronik" hat Dietrich Engelhus geschrieben, niken Bd. II, 1877, dazu Roediger, Anz.4,

Hs. 1420, Jos. Deutsch in Stammlers Ver- 275f. (s. oben Repgauische Chron.). Emil

fasserlex. 1, 577-79. Henrici, Die Nachahmer von Hartmanns

6 Hgb. Weiland aaO., dazu Roediger, Anz. Iwein S. 9.