Limburger Chronik. Deutsche Landeschroniken 535
geschichtlichen Lebens der Zeit (s. Volkslied). Sehr wertvoll sind die Strophenund Stellen, die er zitiert.
Deutsche Landeschroniken
Eine Reihe von deutschen Landeschroniken entstanden im 14. und besondersim 15. Jahrhundert, die unter schlichten Berichten auch fabelhafte Erfin-dungen und Sagen bringen. Untersuchungen und neuere Ausgaben fehlenhier meist noch. So hat Schwaben die württembergische Chronik des ThomasLirer von Rankweil (bis 1462, 1486 gedruckt), die mit der Arche Noah be-ginnt, dann Kaiser- und Papstgeschichte gibt, darauf mit vielen einzelnenwahren und sagenhaften Erzählungen die Landesgeschichte, besonders inden Taten des Adels. 1 Eine bayerische Chronik von der Stammesgeschichtean stellte Ulrich Füetrer, der Nachdichter höfischer Epen, für HerzogAlbrecht IV. von Bayern her in den Jahren 1478-81 (s. oben Füetrer). 2Der humanistisch gerichtete Sigmund Meisterlin (1425-90) schrieb eineAugsburger (1457) und eine Nürnberger (1488) Chronik. 3 Ludwig von Eybs„Denkwürdigkeiten" betreffen die Politik des Markgrafen Albrecht Achilles(s. oben Albrecht v. Eyb). Endlich gehören in die bayerische Geschichtedie Aufzeichnungen des Augsburgers Burchard Zink. 4
Österreich hat für diesen Zeitraum mehrere Chroniken aufzuweisen, einevon Gregorius Hagen (bis 1398) für Herzog Albrecht III. von Österreich,trotz der Unzuverlässigkeit beliebt und oft abgeschrieben, und zwei andere,namenlose, aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. 5 Literaturgeschichtlichwichtiger, weil von bekannten Dichtern der Zeit herrührend, sind die Unga-rische Chronik Heinrichs v. Mügeln und Michel Beheims Buchvon den Wienern. — Der Zips (Ungarn) gehört die GeorgenbergerChronik vom zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts an. 6
Zwei Geschichtswerke hat Thüringen im 14. 15. Jahrhundert hervor-gebracht. Das ältere und bedeutendere ist die Düringische Chronikdes Johannes Rothe, die schon oben besprochen ist, das andere dieErfurter Chronik des Konrad Stolle. 7 Sie beginnt mit dem Bau derArche Noah, geht rasch auf die Gründung Triers über und berichtet dann dieGeschichte Thüringens von dessen Frühzeit an, wobei die Ereignisse desReiches hereingezogen und allerlei örtliche Vorkommnisse von Erfurt mit-geteilt werden; auch sind historische Lieder eingestreut. Die Chronik reichtmit Zusätzen bis zum Jahr 1502.
1 Massmann, Kaiserchron. III, 254-56; Stä- Herrschaften, Mon. Germ. Script. VI, 1906-09.lin, Wirtemberg. Gesch. 3, 1856, S. 9. 6 B. v. Pukanszky, Stammlers Verfasserlex. 1,
2 S. Riezler, Baier. Gesch. Bd. 3, 1889, 383f. — Vier weitere österr. Chroniken des908ff. 15. Jh.s s. Castle, Merker-Stammlers Real-
3 Paul Joachimsohn, D. humanist. Ge- lex. 2, 586.
Schichtsschreibung in Deutschland I, 1895; 7 Hgb. Ludw. Fr. Hesse, Lit. Ver. 32, 1854
Ders., Zur städtischen u. klösterl. Geschieht- (Auszug). — Hesse, Aus K. Stolles Erf.
Schreibung im 15. Jh., Alem. 22, lff. 123ff. Chron., ZfdA. 8, 302^7. 466-76; v. Lilien-
4 Ausg. Deutsche Städtechroniken 5. cron, Histor. Volkslieder I Nr. 96, II Nr. 141.
5 Seemüller, Österr. Chronik von den 95