534 Die geschichtliche Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts
und erweitert in drei Fassungen, deren jüngste bis 1415 geht. Wie Closenerbenutzte er ältere historische Quellen, auch die sächsische Weltchronik. Umder Laien willen, wie er in der Vorrede (A) erklärt, will er in Deutsch schreiben,denn die klugen Laien lesen ebenso gern von solchen Dingen wie gelehrtePfaffen. Diesem Publikum entspricht er auch, wenn er so gerne unterhaltendeoder belehrende Geschichten einflicht. — Den gleichen Ausgang von derWeltgeschichte nimmt die Koelhoffsche Chronik „Van der hilliger stat vanCollen", gedruckt 1499, stellenweise nur eine prosaische Wiedergabe derReimchronik Gottfried Hagens (s. oben). 1
Limburger Chronik
Die literarisch wertvollste Städtechronik ist die Limburger Chronik 2des dortigen Stadtschreibers Tilemann Elhen (Ehlen) von Wolfhagen vomJahr 1336 bis 1398. Den Verlauf seiner Arbeit gibt er selbst an (Kap. 13):Alles, was nach 1347 geschehen ist, ist zu meinen Lebzeiten geschehen, undich habe es gesehen und gehört von meinen Kindheitstagen an bis jetzt, undvon der Zeit an, da ich dreißig Jahre alt war, habe ich alles, „was notabile ist"aufgezeichnet. Es geht aus diesen persönlichen Mitteilungen weiter hervor,daß er das Werk in derselben Weise fortzusetzen beabsichtigte. Dieser Arbeits-weise entsprechend bestehen die Einträge für jedes Jahr aus trockenen Auf-zeichnungen, Notizen von den Vorkommnissen in Limburg und in der Nach-barschaft, auch in der allgemeinen Geschichte, die immer mit „item" einsetzen.Aber der Stadtschreiber war ein guter Beobachter, er schildert z. B. einenHerrn Cone v. Falkenstein ganz leibhaft von Kopf bis Fuß samt seinen Ge-bärden (Kap.57 S.51) 3 unter Berufung auf Aristoteles. Ja, er hatte Freudean Dichtung und Musik, und dank dieser persönlichen Eigenschaft hat seinBuch auch hervorragende Bedeutung für die Geschichte des Volksliedesgewonnen. Der Liedersang war ihm eine Kundgebung des gesellschaftlich-
1 Hgb. Cardauns, Chroniken d. dt. Städte 335f.; E. Schaus, Neues Arch. f. alt. dt. Ge-Bd. 13, 211 ff. u. 14. — Schröder, Kaiser- schichtskde 32, 722ff.; F. Otto, Zur Fragechron. S. 77. nach d. Entsthg d. Limburg. Chron., ebda
2 Ausg. frühere: Vogel 1828; Rössel 1860 43; Schröder, Zur Überlieferung u. Text-(dazu Bartsch, Germ. 6, 255); jetzt: Arthur kritik dt. Chroniken II, ebda 45, 126-31; LeoWyss, Mon. Germ. hist. Dt. Chroniken IV. Sternberg, Limb, im dt. Schrifttum, ZfDtsch-Abt. 1, 1883, dazu Martin, DLZ. 1884, 738 kde 36, 1922, 14-23. Otto H. Brandt, D.-41; Otto H. Brandt, Die Limburg. Chronik, Limburg. Chron. eingeleitet, 1922; Gottfr.Neuausg. 1924; Gottfr. Zedler, Die Lim- Zedler, Die Quellen der Limbg. Chron., Hist.bürg. Chronik mite.Einleitg.,einerÜbertragg. Vjschr. 23, 289-324; Ders., Zur Erklärung u.ins Neuhochdeutsche usw. hgb., 1930. — Textkritik der Limburg. Chron., Münch. Mus.Wyss, D. Limburg. Chron. untersucht, 1875; 5, 1930, 210-50; W. Rehm, Der TodesgedankeJul. Goebel, Poetry in the Limb. Chron., S. 75ff. — Stammler, Mnd. Leseb., 1921,135bAmeric. Journ. of Philol.8 u. SA., 1888; Rud. Anm. (Geißlerfahrten); Ders., Von der MystikHildebrand, Materialien z. Gesch. d. dt. zum Barock S. 246f.; Uhlhorn, StammlersVolkslieds, 1900, 54 ff.; Karl Knetsch, Die Verfasserlex. 1, 547-51; Singer, Die religiöseLimburg. Chron. d. Joh. Mechtel, 1909, dazu Lyrik d. MA.s, 1933, 94ff. — Auszüge aus d.H. Reimer, DLz. 1910, 1577f.; A. Götze, Limburg. Chron., meist in lat. Übersetzung,Germ. Rom. Monatsschr. 4, 1912, 83ff.; Ders., gibt der Frankfurter Dominikaner PetrusHerpD. dt. Volkslied, 1929, 316; Schröder, D. in seinen Collectanea 1509 (Wyss, Ausg.S.öf.)-Abfassungszeit d. Limburg. Chron., ZfdA. 53, 3 Goebel aaO. SA. S. 7f.; Lamprecht, Ein-207f.; Ders., Zur Limburg. Chron., ebda 53, führung in d. histor. Denken, 1913, S. 142.