Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
533
Einzelbild herunterladen
 

Schweizer Prosachroniken. Strassburger Prosachroniken 533

zu beschreiben. Johann Fründ, gest. 1469, gab aus eigener Erfahrung einanschauliches Bild von dem Zürichkrieg. 1 Während die genannten Schwei-zer Prosachroniken die wirklichen Tatsachen des geschichtlichen Lebens zumGegenstand hatten, führt Eulogius Kiburger (Mitte des 15. Jh.s) in diesagenhaften Ursprünge zurück durch seine Abhandlung über dasHerkom-men der Schwyzer" (sie stammen aus Schweden, zu welcher Annahme dieEtymologie Suicia=Suecia beitrug) .InderStretlingerChronik 2 (d. Minne-singer H. v. Stretlinger s. Minnesang) werden nordische und andere Sagenund Mythen auf die älteste Schweizer Geschichte übertragen. Die Teilsage 3von der Befreiung der Eidgenossen durch den Apfelschuß Teils, die in dernordischen Sage von Egil (bzw. Toko-Sage) eine Parallele hat, taucht indem sog. weissen Buch 4 zwischen 1467 und 1476 auf, auch in der LuzernerChronik des Melchior Ruß (1482 ff.). 5 Der Schweiz, und zwar dem nördlichenTeile, gehört wohl auch die prosaische Weltchronik an, die man darum mitRecht die Oberrheinische Chronik 6 nennt und die im Jahre 1337 mit Fort-setzungen bis 1349 abgefaßt wurde: Nach der Schöpfung und den sechs Welt-altern werden die Päpste aufgezählt, dann mit Augustus und Jesu Leben undLeiden die Reihe der Kaiser, ausführlicher seit Rudolf v. Habsburg bis ein-schließlich Ludwig d. Bayer. Zwischenhinein sind unterhaltende Stücke ge-streut, Einzelbegebenheiten, Lokalnotizen, Anekdoten und Sagen.

Straßburger Prosachroniken

Und dieser Grundplan 7 ist auch, natürlich mit Abweichungen im einzelnen,eingehalten in den beiden Straßburger Chroniken. Fritsche Closener, einPriester, 8 führte seine 1362 abgeschlossene Chronik bis auf Karl IV., eingehen-der von Rudolf v. Habsburg an, wo dann auch die elsässischen und Straß-burger Verhältnisse mehr in den Vordergrund treten. Hierunter ist von be-sonderem, kultur- und literaturgeschichtlichem Werte die Schilderung derGeißelfahrten (1348) mit eingelegten Bitt- und Bußgesängen, Leisen. Einmindestens 25 Jahre jüngerer Landsmann Closeners, Jakob Twinger vonKönigshofen, 9 Kanonikus, gest. 1420, hat dessen Chronik stark benutzt

1 Wackernagel, LG. I 2 , 446. Prosaleseb. S. 126-30.

2 Ausg. Jak. Baechtold, 1877; Baechtold, 7 Die Weihenstephaner Chronik als Kaiser-Gesch. d. dt. Lit. in d. Schweiz S. 222 u. u. Papstgeschichte s. unter Strickers KarlAnm. S. 52. u. Jans Enikel.

3 Baechtold S. 198. 326-28; s. auch Li- 8 Hgb. Albert Schott u. A. W. Strobel,liencron II Nr. 147. Tokosage: unter Lit. Ver. 1, 1842; Hegel, Chroniken d. dt.vielen Darstellungen sei genannt: Fr. v. d. Städte Bd. 8, 1870. Scherer u. Lorenz,Leyen, Dt. Sagenbuch II, D. dt. Helden- Gesch. d. Elsasses S. 82ff.; Aloys Schulte,sagen 2 , 1923, 170f.; Mogk, Pauls Grundr. 2 , Closener u. Königshofen, Straßbg. Stud. 1,1904, S. 822.826. 1883, 277-99; Naumann, Ad. Prosaleseb.

4 Siehe auch: Vetter, Schweizerische Rund- S. 140-46.

schau 1891; Singer, Schweizerdeutsch, 1928, 9 Hgb. Hegel, Chroniken d. dt. Städte Bd. 8

S. 113f. 145. u. 9, 1869. 1871. Schulte aaO.; Ders., Die

5 Hgb. J. Schneller 1834. Originalhs. Königshofens, Mitt. d. Inst. f.

6 Hgb. Franz Karl Grieshaber 1850. österr. Gesch.-Forsch. 4, 1883, 462f.; FranzHelm, D. oberrhein. Chron.,Festschr. Braune, Jostes, Zs. f. Gesch. d. Oberrheins NF. 10,1920, S. 237-54 (mit Lit.); Naumann, Ad. 1895, 424-43; Stammler aaO. S. 246. 489.