532 Die geschichtliche Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts
(sog.) Dalimil. 1 Von dieser wurde eine gereimte deutsche Übersetzung ge-macht von einem in der Behandlung der Sprache und der Metrik ganz un-geübten deutschen Geistlichen in Böhmen, um 1343-46, der später, um 1360-62, einen kurzen gereimten Auszug folgen ließ. Daneben gibt es auchprosaische Übersetzungen.
Von der Welt zu Gott, von der Ritterromantik zur Frömmigkeit, führt dasin Reimpaaren (575 V.) abgefaßte Gedicht Von der Gründung des Klo-sters Waldsassen, Übersetzung einer lateinischen Prosa, wahrscheinlichvon dem Abt des Klosters, Johann IV Grübel (1329-39), einem Thüringer. 2 —Eine „Rede" vom concili zu Costniz in 100 Reimpaaren schrieb 1417 JohannesEngeimer. 3
Schweizer Prosachroniken
Völlig die Verbindung mit der epischen Dichtung abgestreift hat dieprosaische Geschichtschreibung. Auch hier hat von allen deutschsprechen-den Landschaften die Schweiz die reichste Tätigkeit entfaltet. 4
Die Geschichte des Klosters St. Gallen wurde seit Ratpert und Ekke-hard IV. (s. LG. I Reg.) von den lateinisch schreibenden Mönchen aufgezeich-net; im Jahr 1335 setzte sie ein Bürger von St. Gallen, Christian Kuchi-meister, für das Jahrhundert 1228-1329 fort mit seinen „Nüwe Casusmonasterii Sti Galli, 5 anschließend an die Casus monasterii des Conradusde Fabaria (Pfaefers) und jeweils Bezug nehmend auf die Reichsgeschichte, ineinfach gefälliger Sprache und mit selbständigem Urteil.
Die Geschichte Berns von der Gründung an schrieb Konrad Justinger1420, eine Fortsetzung Diebold Schilling 1484, worin die burgundischenKriege 6 die wichtigste Stelle einnehmen. Einen Spezialfall, den Zwist zwischenAdel und Volk in Bern 1470, den Twingherrenstreit, wußte ThüringFrikart mit humanistischer Bildung nach klassischen Mustern lebensvoll
1 Der gereimte Dal. hgb. von Hanka, Lit. Keinz 1885. — Ein Bruchstück einer Kloster-Ver. 43, 1859; der pros. Dal. hgb. von Jos. Chronik (Ebrach u. Heilsbronn), 14. Jh., hatJirecek, Fontes rerum Bohemicarum III, G. Leidinger veröffentlicht in d. Festschrift1878 (tschech.), dazu W. Toischer, Anz. 5, für Kehr 1926 S. 591-94.
348-58; Loserth, Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. 3 Herm. Menhardt, Stammlers Verfasser-Deutschen in Böhmen, Lit. Beil. 16, 49ff. — lex. 1, 579.
Abh.: Loserth, Beitr. z. Kritik d. gereimten 4 Lit. der folgenden „Histor. Prosa" in der
dt. Dalimil, ebda 14, 1876, Nr. 4; Martin, Schweiz: Baechtold S. 220-23 u. Anm. S.52,
Anz. 3, Ulf.; Jos. Teige, Z. Zeitbestimmung später Erschienenes ist im folgenden unten
d. gereimten Übersetzung d. sog. Dalimil, nachgetragen. — Basler Chroniken, hgb. von
Germ. 29,418; W. Toischer, D. sog. „deutsche d. hist. u. antiqu. Gesellsch. in Basel, bes. Bd.7,
Dalimil", Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deut- 1916, von A. Bernoulli; E. Dürr, Die
sehen in Böhmen 23, 1885, 277f.; A. Tomsa, Chronik des Felix Hemmerli, Basler Zs. f.
D. dt. Übersetzg. der sog. Dalimilschen Reim- Gesch. 8, 180-213. Zwei Züricher Chroniken
Chronik, Casopis pro mod. filologii 4, 1913, s. Wackernagel LG. I 2 , 446.
229-38; B. Hoch, Einiges üb. d.Verhältn. d. 6 Siehe auch Naumann, Ad. Prosaleseb.
mhd. Dalimil zum Original I, Progr. Zwickau S. 120-26.
1916; Gierach, Stammlers Verfasserlex. 1, e Siehe auch Liliencron II S. 3. 33; A.
398-400 (Lit.!); Castle, Merker-Stammlers Büchi, Peter v. Molsheim, Freiburger Chron.
Reallex. II, 581. d. Burgunderkriege, hgb. 1914; Ders., Anz. f.
2 Hgb. J. A. Schmeller, Verhandl. d. hist. Schweiz. Gesch. NF. 13, 112ff.Ver. d. Oberpfalz Bd. X, 1846, u. SA.; Friedr.