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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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510 Erzählende Literatur

Minnereden

Von den Minneallegorien unterscheiden sichdieMinnereden 1 dadurch, daßdiese die Minnethemata episch-didaktisch behandeln, ohne dabei Allgemein-begriffe zu personifizieren, also ohne zu allegorisieren. Minnereden sind natürlichzahlreich bei den schon angeführten Spruchdichtern, Reimsprechern, Meister-sängern. Hierher gehört auch ein Dichter, der sich Elblin von Eselberg 2nennt. Er hat zwei lehrhafte Minnereden verfaßt. I. Die erste trägt keineÜberschrift (597 V., der Name 547). Der Dichter reitet mit einem Gesellenauf die Jagd. Als ein schüchterner Liebhaber klagt er dem Freunde, daß erschon lange einer Frau diene, aber nicht den Mut habe, ihr seine Liebe zuerklären. Sie kommen zu einer Frau in einer Schar von werden freuelin; sieist die Geliebte. Der Freund bittet für den Liebenden, sie erhört ihn, abernur unter der Bedingung, daß er durchaus tugendhaft bleibe. Eine Tugend-lehre der Liebe in minnesingerischem Ideal. Die Erzählung ist verworren.IL Das nackte Bild, 3 Das nackendpilde (548 V., Name 548). Der Dichter gehtim Frühling spazieren und trifft eine Schar schöner Frauen, darunter eine, dieauf dem Uberkleid ein nacktes Frauenbild trägt; Gespräch zwischen demDichter und der schönen Frau. Sie belehrt ihn auf seine Fragen über dasWesen der Liebe: was ist Lieb, woher entspringt sie, ob sie schade odernütze, drei Stufen der Liebe: die anhebende, die zunehmende, die ganze Lieb.Dies ist ebenfalls eine Lehre der Liebe, die in minnesängerischem Sinne auf-gefaßt wird.

Über den Dichter ist nichts bekannt. Urkundlich ist im 12.13.14. Jahrhun-dert ein Adelsgeschlecht von Eselsberg in Württemberg (auch eines v. Esels-purg) belegt. Vielleicht ist aber auch der Name von dem Dichter scherzhaftangenommen. Zeit?

Eine Minenrede ist auch das ostfränkische Gedicht vom Roten Munde, um1300. 4

6. PROSAROMANE 5

Elisabeth von Nassau-Saarbrücken

Durch das zeitbedingte Vordringen der Prosa wurde auch das Gebiet derepischen Dichtung ergriffen; höfische Epen wurden in Prosa aufgelöst, odersolche Stoffe wurden von Anfang an ungereimt dargestellt. Die Anregung

1 Kurt Matthaei, Mittelhochdeutsche Min- rothen Munde, Progr. Tübingen 1874 (Dokto-nereden. I. Die Heidelberger Hss. 344 usw., renverzeichnis 1873-74); Schröder, ZfdA. 68,hgb. Dt. Texte d. MA.s Bd. XXIV, 1913 (ent- 195.

hält auch Minneallegorien). 5 J. G. Büsching u. Fr. H. v. d. Hagen:

2 Ausg.: Adelbert v. Keller, Elbl. v. Esel- Buch der Liebe, 1909, dazu J. Grimm, Kl.berg, Progr. Tübingen 1856. Graff, Diut. Sehr. 6, 84-100; Felix Bobertag, Geschichte2, 77 (Hs.). H. Fr. Rosenfeld, Stammlers des Romans und der ihm verwandten Dich-Verfasserlex. 1, 541-43. tungsgattungen in Deutschland, I.Abteilung,

3 Ausg.: Keller aaO.; Graff, Diut. 2, 91 bis z. Anfange d. XVIII. Jh.s I. Bd., 1876;-107;HätzlerinNr. 68 S. 264-70. Geuther, Scherer, Die Anfänge des dt. ProsaromansStudien zum Liederbuch d. Klara Hätzlerin u. Jörg Wickram von Colmar, eine Kritik, QF.S. 152. 21, 1877; R. Benz, Die dt. Volksbücher, hgb.

4 Adelb. v. Keller, Die Erzählung vom 1911 ff.; S. Singer, Mittelalter u. Renaiss. Die