508 Erzählende Literatur
es ist Frau Venus mit den obigen Gefährtinnen. Venus erklärt ihm ihre Gebote,zwölf und noch ein letztes, die anderen Frauen geben noch 32 Regeln; 1840 V.Von dem eilenden Knaben rührt auch die Allegorie Die Liebe und derPfenning her (ich eilender knab, 190): die beiden streiten miteinander, derPfenning stößt die Liebe in den Bach; der Dichter zieht sie heraus und trägtsie in ihr Zelt. Alles wird von des Pfennings Gewalt bezwungen; 688 V.
Die Minne im Garten u. a. 1
Der Dichter geht im Maien aus und trifft in einem Garten einen vor-nehmen Herrn, der sein Minneleid klagt. Venus kommt mit reichem Gefolge;sie stärkt ihn in edler Minne, wobei sie ihm den Falken gegenüber dem Rabenals Muster vorhält; 388 V., ostfränk.
Eine Lehre von dem Aussehen der Minne und demgemäß ihren Eigen-schaften ist: Wer nicht weiss was rechte Lieb sei (75 V.); das wirddurch eine bildliche Darstellung der Minne veranschaulicht: sie erscheint alsblinde, nackte weibliche Figur, deren Arme und Hände in Flügel auslaufen. 2
Die sechs Farben. 3 Die Minne sendet der Reihe nach 6 Frauen zu demDichter, deren jede in eine andere Farbe gekleidet ist, jede sagt ihm ihrenNamen und gibt ihm die diesem entsprechende Lehre, z. B.: die erste ist inBraun gekleidet und nennt sich verswigen yemer mer, danach sie ihn belehrt;die zweite ist grün, heißt der froeden ain beginnen und lehrt ihn, Freude undhohen Mut stets in sein Herz zu nehmen usw. — Erstes Drittel des 14. Jahr-hunderts, etwa 580 V.
Der neuen Liebe Buch
(Der nüwen liebe buch) , 4 schwäbisch, a. 1486,1791 V., enthält eine Beschrei-bung der Stadt der Liebe, des Reiches der neuen Buhlschaft, das einem ge-waltigen Gebieter (Amor) Untertan ist; die Bewohner, alle Arten von Lebe-wesen, sind der Liebe unterworfen; nur die eheliche Liebe wird geduldet.Einleitung: Jagdgang zweier Gefährten; ein durch die Luft herbeigeflogenernackter Reiter bringt sie zur „Freudenburg", der Liebesstadt.
Die (verfolgte) Hindin 5 ist eine nur dürftig verhüllte Allegorie; dieHindin ist einfach eine schöne Jungfrau, in die der Dichter sich sterblich
1 Hgb. Matthaei, Das weltliche Klösterlein S. 14 f.; Niewöhner, Die6 Farben, StammlersS. 82-86 u. S.36; Ders., Mhd. Minnereden Verfasserlex. 1,602-6.
S. 59-65 (Der Minner im Garten!). 4 Ausg. Hans Hofmann, Ein Nachahmer
2 Hgb. Ehrismann, Germ. 36, 319 f. Hermanns v. Sachsenheim (s. ob.); Inkunabel-
3 Hgb. J. C. v. Fichard, Frankfurter Archiv druck (Exemplare in Gießen u. Zwickau);III, 1815, 297-316 (fehlt 1 Blatt); Lassb. LS. Matthaei, D. weltl. Klösterl. S. 20. — DerIII, 575-92 Nr. CCLI (Die Schule der Minne), Nachahmer ist in Metrik (Vers zu 3 Hebungenfehlen 2 Bl. — W. Gloth, Das Spiel von männlich) und Ausdruck abhängig von Herrn,den sieben Farben, Teuthonia I, 1902, dazu v. Sachsenheim. Überhaupt hat der DichterZfdPh. 36, 408-10; Martin, ZfdA. 13, 359 große Belesenheit, das Motiv von der GeburtNr. 2; Matthaei, D. weltl. Klösterlein S. 11; der Liebe aus Willen und Vernunft V. 480 ff.Pflug, Suchensinn (s. ob.) S. 44-6; vgl. Wal- hat er der Minneburg entnommen (Ehrismann,ther v. Wickede, Die geistl. Gedichte des Beitr. 22, 331 f.).
Cgm. 714 S. 31-76 (die heiligen Farben); v. d. 5 Abgedr. Keller, Fastnachtspiele III, 1392Leyen u. Spamer, Die ad. Wandteppiche aaO. -99.