Das weltliche Klösterlein. Der Bergfrit der Minne. Das Minneturnier 507
Anspruch. Ihr Tagewerk besteht in Speisen und Trinken aus kostbarenGefäßen, danzen, springen und hofleren (V.260), Jagd (V.285). Wenn siealt werden, ist für sie ein Spital gebaut (V.315). Der Pförtner zeigt ihmdie ganze Anlage des Klosters; dabei trifft er auch den Koch, der von demEssen einen so dicken Bauch hat, als ob er mit einem Kinde ginge (V.335).Der Dichter nimmt am Abendtanz teil und wird die Nacht beherbergt, wozuer ebenfalls eine Jungfrau als euch erhält; Wirt ist der Abt. Das „weltlicheKlösterlein" ist also ein vornehmes Stift für Konventuale beiderlei Geschlechts;in dem Gedichte ist es wie ein Schlaraffenland geschildert. 1
Der Bergfrit der Minne 2
Der Dichter liegt zur Maienzeit an einer Halde und denkt an seine Geliebte;er wollte, wenn sie ihm ihre Gunst schenken würde, ein Haus bauen aufvier Säulen, Hute, Wahrheit, Treue, Staete; dann folgen Ratschläge für alleFrauen und Männer, die rechte Minne treiben wollen. Es ist eine Minnelehre(Str. 68); Mittelfränk. (?); 69 vierzeilige Strophen mit gekreuzten Reimenstumpf klingend.
Das Minneturnier. Der Minne Gericht
Das vom Herausgeber „Das Minneturnier" 3 überschriebene Gedicht,ist ein dürftiges, oft überhaupt unverständliches Machwerk nach der üblichenArt der Minneallegorien: Der Dichter hat einen Traum; Frau Aventür hältin einem Gebirgstal im Maien eine große Versammlung ab; ein Greis, dannein Zwerg geben dem Dichter Auskunft; Frau Aventür wil haben kempffund stryt turnnyren, rennen, stechen usw. Auch Frau Minne hat hier ihr Lager.Zu dieser wird der Dichter geführt. Unter den Rittern fällt ihm einer auf, esist der Günstling der Venus. Schließlich läuft die Rederei in eine allgemeineTugendlehre aus. Von einem Turnier wird nicht gehandelt, 1310 V. Die Versesind meist dreihebig, stumpf und klingend.
Ein beliebtes Erzählungsmotiv war die Gerichts- oder Prozeßform (s.oben Hermann v. Sachsenheim). So gibt es auch mehrere Allegorien „DerMinne Gericht". 4 Der Verfasser einer derselben nennt sich der eilendeKnabe (V. 31. 624. 1837), wegen seines Liebeselends; Abfassungsjahr 1449(V. 1840). Er geht in den Wald, hört eine jammernde Frauenstimme: dieklagende Frau hat ihren treuen Liebhaber abgewiesen; er lädt sie vor dasGericht der Frau Fenus; Frau Liebe, Ehre, Treue, Staete usw. sind Richte-rinnen. Die Schuldige wird in den Wald gejagt; sie scheiden. Der Dichterkommt in eine schöne Aue; schöne Frauen reiten auf einer Falkenjagd daher;
1 Karl Müller-Fraureuth, Die deutschen heim (s. oben).
Lügenmärchen bis auf Münchhausen, 1881, 97. 4 Drei sind abgedruckt bei Matthaei, Mhd.
2 v. d. Hagens Germania 7, 1846, 328-37. — Minnereden Nr. 1. 12.15; eine vierte HätzlerinPfeiffer, Ad. Übungsbuch, 1866, 165-68. S. 226-30; Strothmann, Die Gerichtsverhand-
3 Hgb. Matthaei, Minnereden Nr. 10 S. 96 lung als literarisches Motiv, 1930,25-27; Fr. v.-113. — Schröder, Gott. Nachr. 1931, 209: d. Leyen u. Ad. Spamer, Die ad. Wand-von einem Nachahmer Hermanns v. Sachsen- teppiche aaO. S. 11.