506 Erzählende Literatur
der Herzogin stattgefundenes Turnier (V. 216-313, Turnier im Kloster derMinne 1076-1451). Von Schmerz erschöpft sinken schließlich beide Frauenin Ohnmacht; der Dichter ruft sie wieder zum Leben. Sie wollen sich ewigin die Wüstenei begraben. Der Name der edeln Herzogin wird gegen Schlußgenannt, V. 563; es ist Beatrix, eine geborene Gräfin von Savoyen, dritteGemahlin des Herzogs Heinrich von Kärnten, Grafen von Tirol, die 1331starb; 638 V. Diese Hofdichtung erweist den Verfasser als wandernden Berufs-dichter; da er Aussicht hat, in das adelige Kloster der Minne einzutreten, sowird er dem (niedern) Adel angehört haben; er läßt sich Junckher nennen;Kloster 911.939, Klage 546.
Ein Fürstenpreis ist auch das Gedicht auf Kaiser Ludwig den Bayern, 1ebenfalls in allegorischer Einkleidung. Der Dichter (er nennt sich einen Schrei-ber [Kaiser Ludwigs]) kommt in den Palast der Venus, wo auch Frau Ehreund andere Frauen (Tugenden), Mäze, Scham, Kiusche usw. versammelt sind;überschwengliches Lob des Kaisers von seiten des Dichters und der Tugen-den. Zum Schluß verkündet der Dichter die Tugenden eines rechten Fürsten,die Frau Ehre gelehrt hat; auf die politische Lage übergehend klagt er, daßzwei Schwerter, das geistliche und das weltliche, sich einander gegenüber-stehen und mahnt den Kaiser, den Frieden wieder herzustellen. Ein Preisdes Friedens beendet das Gedicht, das nur in Bruchstücken (etwa 900 V.) vor-handen ist. — Die allegorische Erzählung von den Tugenden bildet die Ein-kleidung, beabsichtigt ist ein Preis des Kaisers, um dessen Ohr für die poli-tischen Mahnungen des Dichters, seines Schreibers (Kanzleibeamten), zugewinnen.
Das weltliche Klösterlein 2
hat viele Berührungen mit dem Kloster der Minne.
Es unterscheidet sich aber von jenem wesentlich durch seinen niedrigensittlichen Gehalt, indem es zum Zweck des Lebens den bloßen Genuß macht.Der Dichter ist unbekannt; Verfassungszeit 1472, südrheinfränk., 434 V.—Inhalt: Aventiureneingang, Spaziergang des Dichters in den Wald; aufeinem schönen Wiesenplan ist ein Kloster erbaut (V. 45) mit der Inschriftüber der Pforte „Dis weltlich dosier ist gemacht.. . nach Christi geburt" 1472(V. 61). Der Dichter spricht mit dem portner über die Ordensregel. Da trittein stolzer jüngling wolgetän heraus. Der Pförtner erklärt: dies ist einer der18Konventualen des Klosters. Da klopft eine Jungfrau an die Pforte (V. 146),eine der 18 weiblichen Konventualen. Je ein Mann und eine Frau bilden zu-sammen ein ehelich Paar. Die geistlichen Übungen nehmen keine Zeit in
1 Hgb. Franz Pfeiffer, Forsch, u. Kritik I, 2 Ausg. u. Abhandl.: Kurt Matthaei, Das1863, 45-85 (aus Wien. SB. 41, 328-67), dazu „weltliche Klösterlein" u. die deutsche Minne-neue Bruchstücke: Englert, ZfdA. 30, 71-75; Allegorie, Marbg. Diss. 1907. — ÜberlieferungHerb. Thoma, ebda 58, 87-92. — Abhandl.: (Matthaei S. 62-68): 1. Ein Druck (Flug-Emil Schaus, Das Ged. auf Kaiser Ludw. d. schrift, Anf. 16. Jh.s); 2. abgedruckt in derB., ZfdA. 42, 97-105. Zimmerschen Chronik (1564-66).