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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Meister Egen von Bamberg. Das Kloster der Minne 505

schreibt sie das wonnigliche Leben im Kloster, in das sich höchste undhohe Herrschaften, Herren und Damen, zurückgezogen haben, den Ordenund des Klosters Regel: es ist ein vornehm höfisches Leben in Spielen,Waffenübungen und Musik. Die Frau weist ihm den Weg zum Kloster(V. 355) und nimmt Abschied (V. 423); er kommt zum Kloster (V.458); in derNähe begegnet er Frauen und Rittern, die tanzen und lustwandeln. Da triffter eine minnigliche Frau, die er vormals kannte (662); sie führt ihn im Klosterherum, erklärt ihm die Ordensregeln (856), die jeder einhalten muß, oder ermuß Strafe leiden; darob walten ein Abt und eine Äbtissin, priol und priolin(875). Es entwickelt sich nun ein fröhliches, höfisches Leben (1068); ein Tur-nier bekommt er zu sehen, das vom Abt angeführt wird. Die Begleiterin be-lehrt ihn über den Zweck des Turnierens und Stechens (1386); sie gehenweiter (1452), und sie zeigt ihm die Minne (1510), das heißt den ganzen Kon-vent der Ritter und Frauen des Ordens (1531). Minne ist nicht diePerson"Minne, sondern das gemeinsame Band, das die Minnenden vereint, und dieFreude, die sie genießen: sie hatten sich durch lustliches leben in den Ordenbegeben; dies erklärt ihm das Wesen der Minne. Der Dichter möchte gern indem Orden bleiben (1716); seine Begleiterin sagt, er solle es sich überlegenund am zwölften Tag wiederkommen. Er nimmt Abschied (1796) und gehtmit großem Jammer fort (1835); 1890 V. Das allegorische Moment tritt zu-rück, weil die Minne nicht selbst auftritt und die Minnetugenden bzw.-laster nicht personifiziert sind. Die Ethik ist die des ritterlichen Huma-nismus: Wer dise regel halten könnte, Der möcht in froden alten Vnd doch daby dienen got; 1487.

Der Verfasser, ein Schwabe, nennt sich nicht. Ansprechend ist die Erklä-rung, 1 daß die Einrichtung des von Ludwig dem Bayern, wohl in Anlehnungan die Templeisen, gestifteten Klosters Ettal (bei Oberammergau) im Jahr 1330Veranlassung und Vorbild für den Dichter gewesen sei, wenn auch die Sat-zungen des Ordens in dem Gedichte nicht ganz mit den von Ludwig gegebenenübereinstimmen. Immerhin läßt sich als Zeit der Abfassung etwa das Jahr1350 bestimmen. Die Darstellung bewegt sich zum größten Teil imZwiegespräch: Frage und Antwort zwischen dem Dichter und den zwei ihnführenden Jungfrauen. Die Ausdrucksweise ist nicht gewandt, und oft wieder-holen sich Wendungen und Motive. Der Versbau ist fließend.

Von demselben Verfasser stammt das in LLS. folgende Gedicht, Klage umeine edle Herzogin, 2 was durch verschiedene wörtliche Anklänge erwiesenwird. Der Dichter reitet eines Morgens in ein wildes Gebirge durch auentür;da trifft er zwei klagende Frauen in Trauerkleidern, die eine ist die Ritter-schaft, die andere die Freude; sie erzählen ihm von dem Grund ihres Leides,nämlich von dem Begräbnis der Herzogin. Die Ritterschaft schildert ein vor

1 Schaus aaO.; H. Holland, Kais. Ludwig 2 Hgb. Lassberg Lieder Saal II, 265-87.d. Bayer u. sein Stift zu Ettal, 1860, dazu Schaus, ZfdA. 38, 365-67; Georg RichterZingerle, Germ. 6, 246 f. aaO. S. 18 ff.