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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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504 Erzählende Literatur

derum Erzählung und zum Schluß Betrachtungen über die Minne und überGott, ihren Urheber.

Meister Egen von Bamberg

Im Zusammenhang mit der Minneburg ist zu nennen Meister Egen vonBamberg, 1 denn er wird von dem Verfasser jenes Gedichtes an vier Stellenals sein unerreichtes Vorbild gepriesen, und in der Tat ist bei Egen die Ver-künstelung im schwülstigen Stil dergeblümten Rede" noch ärger als inder Minneburg; 2 auch hat der Dichter der Minneburg eine Reihe von Stellenaus Egen entlehnt, der zur selben Zeit lebte, also etwa zwischen 1320 und 1340tätig war. Von Egen sind zwei Minnereden vorhanden (er nennt sie amSchluß selbst Reden): 1. Klage der Minne, 219 Verse (er nennt sich amSchluß: also redt meister Egen de amore), beginnt mit einem Preis der Drei-einigkeit und dem Gebot Gottes, daß wir ihn und uns alle miteinander min-nen sollen, darum hat der Dichter sich der Minne eines zarten Weibes unter-wunden,nach der mins sinnes schibe inniclichen zabelt und snelliclichenkrabelt"; er preist ihre Schönheit, ermahnt sie zur Treue. 2. Das Herz,138 Verse (am Schluß: Die rede hat meister Egen gemäht) ; Zwiesprache desAutors mit seinem Herzen; Grund für dessen Pein ist: sust brinn ich uf derminne rost... sust ist in mich gehamert ir bild, in mir verkamert. Der Dichterbesaß Belesenheit und verstand lateinisch.

Das Kloster der Minne 8

stellt das Leben und die Verfassung eines Minneordens dar; hierunter wird eineGenossenschaft von minnenden Herren und Damen,ein weltliches Ritter-stift mit klösterlichen Formen", verstanden (Schaus aaO. S. 362). Der Dich-ter ergeht sich eines Tages in einem wonniglichen Wald, da reitet ihm eineschöne Frau entgegen (V. 42). Er hält sie an, und sie eröffnet ihm auf seineBitte die Absicht ihrer Reise: sie reitet im Dienst ihrer Frau; ez ist du werdiminnen (V. 109), die sie ausgesandt hat nach guten Frauen und Rittern(V. 136); sie wohnt in einem Kloster (V. 153). Auf seine weitere Frage be-

1 Seine Gedichte hgb. mit Untersuchung: rekonstruktion d. mhd. GedichtesKlosterOtto Mordhorst, Egen von Bamberg u. die der Minne", Berl. Diss. 1895; E. Schaus,geblümte Rede, 1911. Abhandl.: Bartsch, ZfdA. 38, 361-68; s. auch Alwin Schultz,ADB. 2, 36; Ehrismann, Beitr. 22, 329-31 Höfisches Leben I 2 , 56. 540 f. Die Benen-(Lit. S. 331); Ders., Stammlers Verfasserlex. nung Kl. d. M. hat Lassberg gegeben.1, 506 f.; H. Schneider, Merker-Stammler 2 Hss., Donaueschingen (Lassberg) u. Heidel-Reallex. 1, 413 f. Eine Hs., München Cgm. berg Cod. pal. germ. 313. Das Klostermotiv714: Keller, Fastnachtspiele3,1377 f. Nr.22. ist geistlichen Ursprungs. Manche Berührun-23; Schröder, Kleinere Dichtungen Konrads gen hat die Darstellung des Minneklosters mitv. Würzbg. I S. XVII; Mordhorst S. 33-35. der Abhandlung De claustro animae des Hugo

2 Mordhorst S. 49-56. 63-144 (Sprache S.36 de Folieto (Migne 176, 1017 ff.); näher steht-40, Metrik S. 45-8); Ehrismann, Beitr. 22, die oberrheinische Predigt von manigerhand313-29 (Stil), 285, 331 (Versmaß); Brink- Tugend geistlichen Lebens,reht alz daz dosiermann, Wesen u. Form S. 100. 146 f. (Stil). geordnet ist, als sol öch diu minne geordnet sin",

3 Ausg.: Lassberg LS. II Nr. CXXIV; Wackernagel, Ad. Predigten (s. ob.); Cruel,Stellen abgedr.: Vetter, Kürschners D. Nat.- Gesch. d. dt. Predigt im MA. S. 356 f.; Linsen-Litt. Bd. 12, I S. 180-92. Abhandl.: Georg mayer S. 366.

Richter, Beiträge z. Interpretation u. Text-