Die Königsberger Jagdallegorie. Die Jagd der Minne. Die Minneburg 501Die Königsberger Jagdallegorie. Die Jagd der Minne
Die Königsberger Jagdallegorie ist in gewissem Sinne ein Gegenstückzu Hadamars Jagd, indem an Stelle der optimistischen Denkart über dieFrauen die ungünstige herrscht. — Ein Jäger jagt einer Hindin nach mitseinen Hunden Trost, Harre, Stcete und Triuwe, aber ohne Erfolg, worüber erheftig klagt. Die Klage hört ein wiser man (V. 73), der rät dem Jäger, er solleseine Hunde fortschicken und Zivifei, Wenken und Falsch auf das Wild los-lassen. Der Dichter, der das Wechselgespräch belauscht hat, befolgt nun selbstdiesen Rat (V. 157) und fängt mit den drei Hunden (Falsch usw.) das Wild.Da kommt die Minne mit ihrem Gesinde geritten (V. 204); der Dichter bittetsie um ihr Gericht, ihr Sohn fällt das Urteil: man soll die Falsche (das Wild)niederwerfen und ihr (ihm) die Zähne ausbrechen. —Alemannisch, 316 Verse.Hs. Universitätsbibliothek zu Königsberg, 14. Jahrhundert, ist Abschrift,nicht Original. — Stejskal hält für wahrscheinlich, Hadamar habe dieKönigsberger Allegorie gekannt, doch dürfte das Verhältnis umgekehrt seinund die Königsberger Jagdallegorie erst auf Hadamar folgen. 1
Die Jagd der Minne ist eine Nachahmung von Hadamars Gedicht,hat aber zugleich Gemeinschaft mit der Königsberger Jagdallegorie. EinJäger jagt auf eine Hindin mit seinen zwölf Hunden, die zum größten Teildieselben Namen haben wie die bei Hadamar. Er begegnet einem „Hecken-jäger", der unedel auf Gewinn ausgeht, mit Netzen und Stricken das Wildfängt und seinerseits zwölf Hunde mit sich führt, die lauter Namen von Un-tugenden tragen: Fälschen, Triegen, Lügen, Unstät, Treulos, Wankel usw.Dieser kann das edle Wild nicht fangen, der edle Weidmann aber hat Hoff-nung darauf. Es ist der Gegensatz zwischen einem tugendhaften und einemgemeinen Minner. 478 Verse. — Abdruck: Laßberg LS. Nr.CXXVI, Bd. II,289-307.
Ein Gedicht, Vergleichung der Liebe mit der Jagd, von 1486, schon unterhumanistischem Einfluß, befindet sich in einem alten Druck der GießenerBibliothek (Wackernagel, LG. I 2 , 373 Anm. 76; Martin, Anz. 5, 224).
Die Minneburg
Die vielseitigste und stoffreichste Minneallegorie ist die Minneburg, 2 diein der Mitte des 14. Jahrhunderts (um 1340) in Ostfranken, Bistum Würz-burg, entstand. Der ziemlich verworrene Inhalt ist in fünf Kapitel geteilt
1 Ausg.: Stejskal, ZfdA. 24, 254-68. — F. auch ZfdPh. 45, 307 f.; Karl Raab, Üb. vierSchulz, Festschr. Schade, 1896, 233-38; See- allegor. Motive, Progr. Leoben 1885, 35-38;Müller, Seifried Helbling (s. ob.) S. XXXV f. Georg Richter, Beitr. zur Interpretation ...
2 Noch ungedruckt, Ausgabe in Vorbereitung; des „Kloster der Minne" (s. ob.) S. 8 f. 17;im Liederbuch der Hätzlerin ist das Stück Matthaei, Das weltliche Klösterlein (s. ob.)V. 2399-2664 aufgenommen, Haltaus S. 180 S. 16 f. 36; Julius Petersen, Die Minneburg-82; einige Verse sind gedruckt im Literar. in Schillers Maria Stuart, Festschr. Köster,Grundriß von v. d. Hagen u. Büsching, 1812, 1912; Burdach, Vorspiel 1, 1 S. 17. — 6 Hss.,441-43; Anz. f. Kunde d. dt. Vorz. 1833 dazu der Auszug bei der Hätzlerin; eine Um-Sp. 299 f.; MSH. IV, 619 Anm. 6; Vetter, arbeitung in Prosa, Beitr. 22,257-81.335 (zuw.Kürschners Dt. Nat.-Litt. Bd. 12 Teil 2,72 f.— [S. 264] füge: Museum f. ad. Lit. u. Kunst vonAbhandl. Ehrismann, Beitr. 22, 257-341, s. v. d. Hagen, Docen, Büsching 1, 1809, 585).