500 Erzählende Literatur
Anhängern Kaiser Ludwigs des Bayern und starb um 1355-60. Sein Gedicht,Die Jagd, verfaßte er um 1335-40. Er war bewandert in der Literatur derBlütezeit und wurde zu dem Stoff seines Gedichtes angeregt durch die JagdSchionatulanders nach dem Brackenseil in Wolframs Titurel und dem JüngernTiturel, deren Strophe (Titurelstrophe) er entlehnt und von deren Wort-schatz und Syntax er beeinflußt ist; auch Wolframs Parzival kannte er,sowie Seifrid Helbling und die Königsberger Jagdallegorie (s. unten). Es istein Kennzeichen für die verstandesmäßig reflektierende Zeit, daß die frostigeAllegorie von Hadamars Jagd bei den Zeitgenossen und in dem folgendenJahrhundert in so hohem Ansehen stand. Hadamar wurde oft genannt,seine „Jagd" fand zahlreiche Nachahmungen, ebenso sein Stil und seineStrophe. 1
Inhalt: An einem Morgen reitet der Dichter aus zum Weidgang. FrauMinne lehrt ihn die Fahrt (Str. 6). Er nimmt sein Herze zur Weisung derFahrt und zwölf Hunde zusamt den Knechten mit; die Hunde sind Fröude,Wille, Wunne, Trost, Stcete, Triuwe, Gelücke, Lust, Liebe, Leu, Genäde, Harre(Str. 10 ff.); Begegnung mit einem Forstmann, den er um Rat fragt (Str. 30).Herze findet die Spur des edeln Wildes (Str. 57), wird aber von diesem ver-wundet (Str. 121). Er trifft einen alten grise (Str. 181); Gespräch (Str. 181-312), er beklagt sein Mißgeschick, aber die Hoffnung (St;r.265), das Wildmit Hilfe der Hunde Harre, Stcete und Triuwe doch noch einmal zu erreichen,tröstet ihn. — 565 siebenzeilige Strophen bei Stejskal, dazu 18 Strophen, dienur in einzelnen Hss. überliefert sind. — Der Stil ist stark geblümt, der Vers-bau streng alternierend; die Reime wiederholen sich oft; die Reimkunst istnicht gewandt; es finden sich dialektische Reimfreiheiten; e wird oft ange-fügt oder weggelassen. 2
u. Weise: Des Minners Klage, Der Minnenden senfeld, ZfdA. 67, 44-46; Niewöhner,
Zwist u. Versöhnung, Der Minne-Falkner, Lit. Stammler, Verfasserlex. 2, 133-40. — Die
Ver. Nr. XX, 1850; jetzt maßgebend: Karl Deutung des Jagdmotivs auf Minne schon äl-
Stejskal, Hadamars v. Laber Jagd, 1880, ter, s. Matthaei aaO.
dazu Bartsch, GgA. 1881 Nr. 41, Seemüller, 1 Stejskal, ZfdA. 22, 264-69; Nachahmun-
Anz. 7, 36-55, Tomanetz, ZfdPh. 12, 243-49, gen: Daz geiaid, von Suchenwirt, Primisser
Wilmanns, Lbl. 1881, 6-9. — Abhandl.: (s. oben) Nr. XXVI, 66 V.; Der Minne
Stejskal, ADB. 17, 465; Ders., Zu H. v. L., Falkner, hgb. Schmeller, Hadamar's Jagd
ZfdA. 22, 263-96; J. Mayerhofer, Beitrag z. S. 171-208, 185 Titurelstrophen. — Nachbil-
Familiengesch. H.s v. L., Zs. d. hist. Ver. f. düngen von Hadamars Stil u. Strophe: Des
Schwaben u. Neuburg 11, 1885, 28-31; Raith, Minners Klage, hgb. Schmeller aaO. S. 147
Verhandl. d. hist. Ver. von Oberpfalz u. Re- -62, dazu Bech, Germ. 6, 223 f.; Der Min-
gensbg. 41, 1887, 237-42; F. W. E. Roth, Ur- nenden Zwist und Versöhnung, hgb.
kundl. üb. H. v. L., Germ. 37, 62 f., dazu Schmeller aaO. S. 163-70, 36 Titurelstro-
Behaghel, ebda S. 296; urkundl. Belegs, auch phen; Ein Minnegedicht Im Titurelsdone (Eim
Schröder, Anz. 32, 235-83 (üb. d. Leben H.s engel sich gelichet ein schcenez wip begarwe),
s. auch Stejskal, ZfdA. 22, 269-80); v. Un- MSH. 3, 432b-437a, 55 Titurelstr., darunter
werth, Beitr. 38, 302 f. (über Jagd); Kurt 29 aus des Minners Klage; s. unten. Die Jagd
Matthaei, Das weltliche,, Klösterlein" u. die der Minne.
dt. Minne-Allegorie, Marbg. Diss. 1907, 47; 2 Sprache und Stil: Stejskal S. XXXVI
Günth. Müller, Aufriß S. 46. — Stellen: -XLIV; Ernst Bethge, Üb. d. Stil H.s v. L.
Leitzmann, Beitr. 44, 126ff. — 15 Hss.: in seiner „Jagd", 1892; Brinkmann, Wesen
Schmeller S. XII ff.; Stejskal S. XIV u. Form S. 90. 145. 147; Metrik: Stejskal
-XXIV; Schröder, Anz. 41, 94; H.-Fr. Ro- S. XXVI-XXXVI.