Meister Altswert. Hadamars von Laber Jagd- 499
Minnenden. Insofern in den beiden umfangreichsten Stücken Nr. 2 und 3 dieTugenden als Königinnen auftreten, gehören sie in den Auffassungskreis derAllegorien. —Nr. 1. Überschrift: Das alte Schwert (Diez ist daz alteswert).Zwiegespräch zwischen dem Dichter und Venus, er dient einer frouwen; Venuserteilt ihm Minnelehren. Der Dichter nennt sich am Schluß meister Altswert.286 Verse. — 2. Der Kittel; Überschrift: Diz heizet der Kittel (Schlußvers:Diz buch daz heizet der kittel). Der Dichter hat eine Vision: ein Bote aus FrauVenus Land will ihn dahin abholen, als er wach geworden, ist dieser ver-schwunden. Wieder erscheint ihm im Traum der Bote. Er kommt dann in einherrliches Land; da trifft er eine wunderschöne Frau, die hat einen seidenenKittel an. Die Kaiserin Venus und ihre fünf Königinnen haben sie hergesandt.Die Schöne führt ihn zu Venus und den fünf Königinnen, welche fünf Minne-tugenden sind; Tugendlehre. Venus fragt ihn nach der „neuen" Minne imElsaß, er gibt eine abschreckende Schilderung derselben; Minnelehre derVenus. Sie gibt ihm einen Smaragd, der die Kraft hat, die Liebe seines „G indem Kittel" (s. unten) zu erwerben, etwa 1900 Verse. — 3. Der TugendenSchatz (Überschrift und Schlußvers). Preis der Frau, der er dient {min G[das ist der mittlere Buchstabe ihres Namens]). Er geht in den Wald; einZwerg, demgegenüber er sich „Niemand" nennt (S. 78, 30. 95, 21), führtihn in einen Felsen (Venusberg), darin 200 Zimmer sind, die zwei Kaise-rinnen gehören, der Frau Venus und der Frau Ehre mit ihren zehn Frauen,das sind zehn Tugenden. Der Zwerg bringt ihn wieder aus dem Berg — dasieht er viele Mädchen tanzen und spielen —, dann zu einem kostbaren Zelt aneinen Brunnen, wo die Frauen sich jetzt aufhalten. Sie fragen ihn, ob imElsaß jemand ohne Schande sei; er nennt seine G. Venus gibt ihm einen Schatzfür seine Geliebte, eine Krone, die er ihr bringt; etwa 1500 Verse. — 4. DerSpiegel (Überschrift und Schlußvers). Der Dichter träumt: er kommt aufeine Kaufmannsmesse; ein Kaufmann gibt ihm einen stählernen Spiegel, indem man sieht, wer bieder und wer böse ist. Darin sieht er eine schöne Frau,die keinen Makel hat. Er will ihr den Spiegel geben, sie soll ihm ihre Gunst ver-leihen. Da wacht er auf. Preis der geliebten Frau. 340 Verse. — Der Dichterkramt gern seine Kenntnisse über Geographie und Edelsteine aus, dichterischgeht er ohne eigene Gedanken im hergebrachten Geleise der Minneliteratur.
Hadamars von Laber Jagd
Die älteste Minneallegorie im 14. Jahrhundert ist Hadamars von LaberJagd.*
Hadamar, aus dem berühmten oberpfälzischen (Bayern) Geschlechte derHerren von Laber (urkundl. oft bezeugt), ist um 1300 geboren, gehörte zu den
Altswert, eine literar. Untersuchung, Gott. Keller gehören nur die 4 ersten Gedichte
Diss. 1889; Henrik Becker, M. Altswert als S. 1-128 dem Altswert an, die beiden andern
Plagiator, ZfdPh. 53, 161-66. — Goedeke, S. 129-255 Herrn, v. Sachsenheim (s. daselbst).
Grundr. I 2 , 294 f.; Niewöhner, Verfasserlex. 1 Ausg. J. A. Schmeller, Hadamars v. Laber
1, 69-71. — In der Ausg. von Holland- Jagd u. drei andere Minnegedichte seiner Zeit