498 Erzählende Literatur
Sydrus auf dem Throne sitzen. Nach weiterem Sieg über einen Ritter ergreifter den Habicht, dabei einen Brief, in dem die Regeln der Minne geschrie-ben waren, die der Minnen König Sydrus geboten. Zur Königin zurückge-kehrt, übergibt er ihr beides. Darauf werden die 31 Regeln in Prosa aufgeführt,V. 4736-99. — Dann folgt der Schluß, die oben erwähnte Namensnennungusw. Somit bilden Teil I bis kurz vor Schluß desselben und Teil III die Rah-menerzählung für den Kern und Zweck des Ganzen, das ist die Minnelehremit den Minneregeln.
Der Dichter hat den größten Teil des Werkes frei nach einer Quelle bear-beitet, nämlich dem Tractatus amoris des Andreas Capellanus, 1einer „amoris doctrina". Der Unterschied besteht zutiefst in der inneren Form:der Tractatus des Kaplans ist eine didaktische Abhandlung, in Cersnes Minne-lehre überwölbt die romanhaft erzählende Tendenz die lehrhafte. Im Teil I trittnur in V. 774-82 die Benutzung des Capellans hervor; die Minnefragen und-lehren des Capellans liegen dem didaktischen Gehalt des II. Teiles zugrunde;Teil III ist Übertragung der Geschichte des Brito beim Kaplan (Ausg. TrojelS.295 ff.), nur daß der König nicht Artus (Arturus), sondern Sydrus heißt.
Eberhard war bewandert in der klassischen und früheren deutschen Lite-ratur, er spielt auf die Nibelungensage und auf Wolfram, Berthold v. Holle,Neidhart (V. 550ff.) an. In der Ausdrucksweise ist er sehr frei und willkürlich;die Sprache ist ein Gemisch von Niederdeutsch und Hochdeutsch, ein regel-loses Durcheinander; allerdings ist der ursprüngliche Text durch die Launendes Schreibers sehr verderbt. Die Metrik ist bemerkenswert: gekreuzte,meist stumpfe, Reime von vier Hebungen, seltener dreihebig klingende; ver-einzelte leoninische Hexameter. Gelegentlich des Vogelgesangs zählt er eineReihe musikalischer Kunstausdrücke auf (V. 391^186). 2
Auch in der Lyrik hat sich Eberhard von Cersne versucht: 20 Liedersind erhalten (abgedruckt bei Wöber S. 187-211), die in die Zeit nach derMinne Regel fallen, aber er hat noch viel mehr hervorgebracht. Sie sind alleauf Minne gestimmt und schließen sich somit an sein größeres Werk an.Kunstreich ist der Strophenbau; von Empfindung ist nicht viel zu spüren,man merkt, es ist alles Verstandesmache.
Meister Altswert
Meister Altswert, 3 ein elsässischer Dichter wohl vom Ende des 14. Jahr-hunderts, gibt in den vier ihm zuzuschreibenden Gedichten Tugendlehren für die
1 Siehe oben Cersne u. die Quelle: Bachmann ff. u. 366. — Über die Musik bei Cersne: Am-aaO. S. 16-32 u. 33-55. — Der Traktat des bros im' Musikalischen Anhang bei WöberAndreas Capellanus wurde später, ohne Kennt- S. 238-65 mit 4 Tafeln; Curt Sachs, Dienis Cersnes, von Dr. Johann Hartlieb für den Musikinstrumente der Minneregel, Sammel-Herzog Albrecht VI. von Österreich übersetzt, band d. international. Musik-Gesellsch. 14,1440. 1913, 484-86; Burdach, Reinmar S. 178.
2 Sprache: Bech, Germ. 7, 481 ff.; Behag- 3 Hgb. W.Holland u. A.Keller, Meist.hel, Schriftsprache u. Mundart, 1896, 36 f.; Altsw., Lit. Ver. Nr. 21, 1850. — Uhland,Bachmann S. 56-90. — Metrik: Bech S. 482 Schriften 2, 235-39; Karl Meyer, Meister