Der Minne Regel von Eberhard von Cersne 497
S.363 f. Nr. 16; Klage der Mannheit S.364 Nr. 17 (s. unten); Neun Zeichender Liebe S.364 Nr. 18; Streit für und gegen die Minne S. 364-66 Nr. 19;Die Schule der Ehre S. 366-73 Nr. 20.
Die Gattung der Minneallegorien war auch in andern mittelalterlichenLiteraturen beliebt und kam in Frankreich auf. Die am größten ausgeführteund berühmteste ist der französische Roman de la Rose (von zwei Ver-fassern etwa zwischen 1230-75).
Für die bildlichen Darstellungen aus dem Gebiete der Minneallegorie seibesonders verwiesen auf: Friedrich von der Leyen und Adolf Spamer, Diealtdeutschen Wandteppiche im Regensburger Rathause, 1910.
Das umfassendste deutsche Beispiel einer Minneallegorie bietet:
Der Minne Regel von Eberhard von Cersne 1
Während „Der Minne Lehre" nur eine Beschreibung des Amor und derFrau Minne gibt und die eigentliche „Lehre" der Minne darin besteht, sichder Geminnten durch einen Brief zu nähern, ist Cersnes „Minne Regel"ein vollständiges Regelbuch (regulae amatorum, Capl. Andreas S.309ff.).—Eberhard von Cersne war Kanonikus in Minden (urkundlich 1408), er nenntsich am Schluß (V. 4800 ff.) Everhardus, Zuname Cersne, zu Minden; Titelseines Werkes: Der mynnen regel (vnde sal); nach 1404; s. auch Schluß desRegisters, Wöber S. 8. — 4830 Verse.
Das Buch zerfällt in drei Teile, die im Register (Wöber S.3) angegebenund im Text durchgeführt sind. I V. 1-810 ist eine Erzählung: Der Dichtergeht minnesiech hinaus ins Gefilde, kommt an eine wunderschöne, mit Tür-men besetzte Mauer; die zehn Türme sind bewacht von zehn Frauen,Zucht, Triuwe, Milde usw. Der von der Mauer umgebene herrliche Gartenmit dem wunderbaren Vogelgesang wird geschildert; darin ein Saal mitHerren und Damen, in deren Mitte die Herrin thront, die Königin derLiebe. Sie tröstet ihn und vertreibt seinen Quäler, Hern Trurenfelt. Danngibt sie ihm die 10 Gebote der Minne; es sind die obigen: Zucht, Triuwe,Milde usw.; dann noch 13 weitere. — Teil II V. 811-3910 enthält 38 Minne-fragen, die ihm die Königin beantwortet, Auskünfte für irgendwelche Fälleim Minneleben. — Teil III V. 3911^4735 hat wieder epischen Bestand underzählt von König Sydrus Hof (d. i. Artus). Die Königin trägt dem Dich-ter auf, ihr den Habicht zu holen; wohlausgerüstet zieht er auf das Abenteueraus. In einem Wald begegnet ihm eine Jungfrau, die ihm seine Aufgabe ge-nauer auseinandersetzt: er muß zuerst den Handschuh haben, auf dem manden Habicht trägt. Nach Besiegung mehrerer riesiger Kämpfer gelingt es ihm,den Handschuh zu erringen. In einem goldenen Palast sieht er den König
*Ausg.: Franz Xaver Wöber, Der Minne Nachweise); Ders., Stellen, ebda 22, 42 f.;
Regel von Eberhardus Cersne von Minden, Erich Bachmann, Stud. üb. Eb. v. Cersne,
1404, mit einem Anhange von Liedern, 1861, Berl. Diss. 1891. — Mitzka, Verfasserlex. 1,
dazu Bech, Germ. 7, 481-96; Bobertag, 468 f. —1 Hs., Wien, 15. Jh., Wöber S. XXV
Kürschners Dt. Nat.-Litt. 11, 185-216 (nur d. -XXVIII, Bachmann S.2-5.erste Teil). — Bech, Germ. 8,268-70 (urkundl.
32 Deutsche Literaturgeschichte IV