Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
496
Einzelbild herunterladen
 

496 Erzählende Literatur

Reflexion anheim und wird zur Allegorie; es entstand eine eigene Gattung,die Minneallegorie.

In der Minneallegorie ist die Minne personifiziert und in eine epischeSituation verarbeitet. Diese Gedichte sind also dem Inhalt nach mit derMinnelyrik verwandt, gehören aber als literarische Gattung zur Epik oder zurDidaktik. Allgemein üblich ist die allegorische Anschauungsform bei derDarstellung der Tugenden und Laster und begegnet darum in vielen lehr-haften Dichtungen. Meistens haben diese Allegorien eine bestimmte Form derEinleitung oder Einkleidung: Der Dichter geht des Morgens in den Waldspazieren, da trifft er . . - 1 (Aventüreneingang, Spaziergangsdichtungen).

Das erste Werk dieser Gattung, die früher dem Heinzelein von Kon-stanz zugeschriebeneMinnelehre" (s. oben), 2 fällt noch in das Ende des13. Jahrhunderts.

Eine vollständige Aufzählung der Minneallegorien gibt Matthaei, Das welt-liche Klösterlein S. 10-12. Daraus mögen hier zunächst Suchenwirts Minne-allegorien angeführt werden: Eine Rede von der Minne, die Minne vor Ge-richt, Das (Di!) schöne Abenteuer, Daz geiaid, Von der Minne Schlaf, VomKrieg der Liebe und der Schöne (Primisser Nr. XXIII-XXVI. XXX. XLVI;dazu Von dem Phenning Nr. XXIX; s. v. d. Leyen u. Spamer, Die ad.Wandteppiche im Regensburger Rathause S. 13). Hätzlerin: Von demSchloss ymmer S. 152-59; Von zwain swestern, wie aine die andern straffetS. 163-65; Ain mynn red von hertzen vnd von leib S. 211-14; Von ainem wurtz-garten S.243-48. In Lassbergs Lieder Saal (LLS.): Die Minne vor GerichtI S. 195-208 Nr. XXIX (ein anderes Gedicht als das gleichnamige bei Suchen-wirt); State und Unstäte II S. 431-39 Nr.CXXXIX; Der Wiedertail IIIS.55-67Nr.CLXXX; Die alte und die neue Minne III S.81-95 Nr.CLXXXII;Die Minne und die Ere III S. 241-47 Nr. CCV; Die Schule der MinneIII S. 575-92 Nr.CCLI (heißt besserDie sechs Farben"). 3 Keller, Fast-nachtspiele: Ein Spil von Narren I Nr. 32 S. 258-63; Frau Minne Lehen,von dem Härder III S. 1378 Nr. 25; Die verfolgte Hindin III S. 1392-99(s. oben); Der Frau Venus und der Frau State Brief von der alten undneuen Minne III S. 1407-14. Keller, Erzählungen aus ad. Hss.: Von densechs Kronen S. 604-14; Von der Liebe und Schöne S. 624-27; Der FrauenTreue S. 634-42. Martin, ZfdA. 13,348-77 (mittelrheinische Gedichte):Die sechs Farben S.359 Nr. 2 (s.oben); Von dem neuen Leben S.360 Nr. 7;Lob der Minne (drei Arten von Minne) S.361 f. Nr. 12; Der Minne LebenS.362 Nr. 13 (s. Richter, Beitr. zur Interpretation desKloster d. Minne",aaO. S.24ff.); Kampf gegen die Minne S. 363 Nr. 14; Der Minne Born

1 Siehe Phyllis u. Flora, Singer, Beitr. 44, Matthaei, Das weltl. Klösterlein S. 59 f.;

470-72 (s. LitGesch. Bd. II, 2, 152); Konrads Stammler, Dt. Vjschr. 1, 1922, 533.

v. Würzburg Klage der Kunst. Roethe, 2 Die älteste deutsche Minneallegorie ist die

Reinmar S. 198 f.; Erich Bachmann, Stud. Minnegrotte in Gotfrids Tristan (s. LitGesch.

üb. Everhard v. Cersne, Berl. Diss. 1891, 52; II, 2, 314).

G Richter, Beiträge zur Interpretation des 3 Niewöhner, Stamml. Verfasserlex. 1, 602

GedichtesKloster der Minne" aaO. S. 6 ff.; -606.