Hans Folz 495
geboren war und sich später als Barbier (Wundarzt) in Nürnberg niederließ(seit 1479 daselbst nachgewiesen, gest. vor 1515). Seine Sprüche sind teilslehrhaft und moralisch (Von einem Füller [Trunkenbold], Von einem Buhler,Von einem Spieler), teils haben sie geistlichen Inhalt (Beichtspiegel, Streitmit den Juden), andere geben praktische Ratschläge (Von allem Hausrat,was man Alles im Haushalt haben muß; Von den Wildbaden, für die, welcheBäder aufsuchen wollen); historisch nur: Ystori vom römischen Reich (Ge-schichte, Landstände) und etwa „Von der collation Maximilians in Nürnbergzugericht", von dem Festmahl, das die Stadt Nürnberg dem Kaiser 1491gab. — In den Schwänken versteht er es, Rosenplüt an Gemeinheit noch zuübertreffen. — Die Fastnachtspiele stehen auf der gleichen Stufe (s. unten).
Die Behandlung der Klopf'an ist charakteristisch für ihn: neben einigenwarmen Liebeserklärungen hat er satirisch derb anpackende Stücke. — Auchin Priameln hat er sich versucht. — Außer diesen Gattungen, die er mitRosenplüt gemein hat, pflegte er auch den Meistersang (Hans Folz alsMeistersänger s. unten), und dieser hat ihm auch die Form gegeben, in die erseine Dichtung kleidete: diese ist korrekt, regelmäßig, silbenzählend (ÜberVerse von drei Hebungen stumpf s. Martin, Anz. 5, 224). — Am Schlußseiner Sprüche nennt er sich meistens mit seinem Namen oder auch „Hansvon Wurms Barbierer" (Keller, Erzählungen aus ad. Hss. S. 231. 288. 289),einmal „Hanns Zapff zue Nurmberg Barbirer" (ebda S. 119).
Von Ulrich Höpp sind zwei Spruchgedichte vorhanden (Ich gieng durchlust und auch durch wunn und 0 hoechster vogt der himel sali 1480) und einhistorisches Gedicht (v. Liliencron II Nr. 126. — Archiv 37, 1865, 203-17;Goedeke, Grundr. I 2 , 280, eine größere Zahl Spruchgedichte s. daselbstS.295f.).
5. DIE MINNEALLEGORIE 1
Die Allegorie, von Anfang an eine der christlichen Denkweise eigene Form(s. Otfrid Lg. Bd. I 1. Aufl. S. 178, 2. Aufl. S. 185), war auch in der deutschengeistlichen Literatur ein wichtiges Hilfsmittel zur Darstellung christlicherAnschauung.
In der weltlichen Dichtung gewann sie im 14. 15. Jahrhundert um so eherBedeutung, als diese Zeit überhaupt mehr verstandesmäßig produzierte alsunmittelbar durch Phantasie. Und so fällt die Minne in starkem Maße der
Diss. 1920; Priameln: Euling, Kleinere mhd. Minne-Allegorie, Marbg. Diss. 1907; Leitz-
Erzählungen, Dt. Texte des MA.s 14, 1908, mann, Beitr. 44, 126-38; John Wilks, Be-
S. 109; Klopfan, Schade, Weimarer Jahrb. strafte Untreue, Diss. London 1923, 23-26;
2, 110; Meistergesang s. unten. Günth. Müller in Walzeis Handb. 28-30;
1 Gervinus 2 6 , 422-48; Goedeke, Grundr. Schneider, Merker-Stammler Reallex. 2, 351
l 2 , 265-68. 464 f. — J. Grimm, Kl. Sehr. 1, -53; Ranke, Zur Rolle der Minneallegorie in
104 f.; Kurt Matthaei, Mittelhochdeutsche d. deutschen Dichtung des ausgehenden MA.s,
Minnereden I, Die Heidelberger Hss. 344 usw., Festschr. Siebs 1933, 199-212; s. Sachsen-
Dt. Texte d. MA.s Bd. XXIV, 1913; Ders., heims Möhrin.Das „weltliche Klösterlein" u. die deutsche