Hans Rosenplüt 493
Die „meisterliche Predigt" geißelt lasterhafte Menschen, Weinschläuche,Ehebrecher, Winkelwirte u.a. (Keller S. 1158-61. 1341. 1432); ein andererSpruch geht auf die Verlumptheit von Ehemännern (Euling aaO.); ein an-derer gegen die Müßiggänger (Keller S. 1152-57. 1327); in der dag vomWolf am hage (an einem morgen das geschach) beklagt sich der Wolf über dieschlechte Behandlung, die er bei den Menschen findet. 1
Dem Handwerkerstand wird ein Lobspruch dargebracht „De hantwerger"(Keller S. 1135-38; Bartsch, Germ.8,41 ff.); religiös gewendet ist „Die beycht",eine Anweisung zum beichten (Keller S. 1098-1103. 1327), besonders aberein in schwülstig florierter Rede aufgespreizter Marienpreis, vom Schreiberüberschrieben Vnnser frawen wappenrede, beginnend: Gelobet seistu himelischerveyol (Keller S. 1329f.; Wendeler S. 104); ein anderes Lob der Maria „Vonvnnser frawen schon" in ähnlichem Stil (Keller S. 1330). Religiös moralischeAbsicht hat die Geschichte der Crescentia, wie besonders die Lehre am Schlußbeweist und die Überschrift: Ein liepleich history von grosser schone geduld vndkuscheit einer edeln keyseryn. Gerade diese history mit ihrem romantischenStoff zeigt so recht den nüchternen, praktischen Sinn dieses Dichters des14. Jahrhunderts, der keine Empfänglichkeit für die Romantik hat, die inder Tragik dieser Dulderin liegt (Keller S. 1139-49). — In den Schwänkengeht es nur selten ohne Zoten ab. Eine köstliche Satire, nur zu langwierig, istdie Disputatz eins Freiheits (Landstreicher, Vagabund) mit einemJuden: in einem Religionsstreit zwischen Christen und Juden finden jenekeinen „Meister" (Gelehrten), der ihre Partei vertreten könnte, da kommt ein„Freiheit" und führt den Prozeß siegreich gegen den Juden durch (KellerS. 1115-24; Köhler, Germ. 6,106-9).
Wie viel Fastnachtspiele (s. unten) Rosenplüt geschrieben hat, ist nichtmit Sicherheit zu bestimmen, da sie nicht durch seinen Namen beglaubigt sind(Keller S. 1081 f.; Euling, Gott. Beitr. S.21). Mehrere sind abgedruckt, s.unten bei „Fastnachtspiele". _
Rosenplüt war auch der „Klassiker des Priamels" (Euling, Das Priamelbis H. R. S.490); er hat viele selbständige Priameln gemacht, wendet dieseForm aber auch in den Fastnachtspielen an, bes. am Schluß (s. oben Lit.;dazu Keller S. 1161-67). Der fingerfertige, viel beschäftigte Bürger hatte auchMuße ein „Büchlein" Weingrüße und Weinsegen zu dichten, zu Ehrender „vollen Brüder". Sie beginnen entweder: Got grüess dich bzw.: Nugrüess dich Got (du edeles getrank u.dgl.) oder: Got gesegen dich bzw.:Nu gesegen dich Got (du edle leibsalb u. ähnl.); Haupt, Ad. Bl. 1, 401-16;Wackernagel, Leseb. 5 Sp. 1371-74. — Auch ein „Klopfan", Neujahrsgruß,
1 Wendeler S. 388 ff. Dieselbe Klage ist herr) ist verlesen aus Smiher. — Der Schmier
auch bearbeitet von Christian Awer (Goe- hat seinen Namen jedenfalls von seiner Hei-
deke, Grundr. I 2 , 303) und von dem Schmier mat, dem Dorfe „Schmie" bei Maülbronn
(Wendeler S. 404 ff.) (Nu sweigt und hortt (Stalin, Wirtemberg. Gesch. 1, 1841, 315. 3,
ein große clage). Das gleiche Gedicht Nu sweigt 1856, 154); ein Spruch von ihm bei Keller,
bei Keller, Fastnachtspiele S. 1331 (Anfang Erzählungen aus ad. Hss. S. 306-9.u. Schluß), die Unterschrift „Sunherr" (? sin-