Heinrich der Teichner. Peter Suchenwirt. Hans Rosenplüt 491
des Teichners; aber er hatte eine andere Lebensstellung; er zehrte als Fah-render von der Gunst der Fürsten und Herren, die er als „Knappe von denWappen" in seiner Heroldsdichtung, etwa seit 1353, besang (PrimissersAusg. Nr. VII, 11 u. S. XIII), und erwarb sich später ein Haus in Wien (ur-kundl. 1386), wo er bald nach 1395 starb.
Die Heroldsdichtung oder Wappendichtung hat ihren Ursprung inden Werken Konrads v. Würzburg, 1 der in verschiedenen seiner DichtungenBeschreibung von Wappen oder einzelner Teile von solchen gibt (Engel-hard, Partonopier, Schwanritter, Trojanerkrieg, bes. im Turney von Nant-heiz.). Die Herolde hatten das Amt, die Turnierfeste oder auch kriegerischeZüge einzurichten, die Heroldsdichtungen waren zugleich Ehren reden aufdie Großtaten der Gönner, besonders auf verstorbene (Totenklagen).
Suchenwirt hat 16 Reden auf verstorbene Fürsten und Adelige verfaßt,darunter eine auf Herzog Albrechts III. von Österreich Preußenfahrt, 1377, 2die er selbst mitgemacht hat. Auch in allegorischer Dichtung hat er sich ver-sucht (Krieg zwischen der Liebe und Schoene, der Minne Schlaf, die Minnevor Gericht, das schöne Abenteuer); dazu verfertigte er einige historischeZeitgedichte.
Im Versbau nähert er sich der Silbenzählung. Sein Stil ist oft geblümt. 3Seine Wirkung auf spätere Dichter zeigt sich besonders bei Hugo v. Montfort.
Zerfahrener als der Teichner und Suchenwirt sind in ihrer Geisteshaltungund in ihrer Vielseitigkeit die Spruchdichter des 15. Jahrhunderts: HansRosenplüt und Hans Folz.
Hans Rosenplüt
Hans Sneperer (Schnepperer), mit dem Dichternamen auch HansRosenplüt, 4 geboren am Anfang des 15. Jahrhunderts, war Bürger zu Nürn-
Graf Wernher v. Honberg, Lassberg LS. 2, Nr. 69 (Cod. pal. germ. 112) S. 31; auf Graf
321 f. u. MSH. 4, 92, s. Koberstein, Grundr. Werner v. Homberg, Lassberg LS. 2, 317
l 6 , 329 A. 5; Liliencron, Histor. Volkslieder 1 bis 326; s. Lupoid Hornburg.
Nr. 32 S. 113 Anm.; Vetter, Kürschners Dt. 2 Primisser Nr. III S. 5-8 u. 192-95, s. auch
Nat.-Litt. Bd. 12, 313-34; Jantzen bei Gö- Nr. IV S.8-15 u. 195-204, Nr. V S. 15-17 u.
sehen S. 71-78. — Stellen: Leitzmann, Su- 204-6; Ziesemer, Die Lit. d. Dt. Ordens in
chenwirtiana, Beitr. 44, 312-15. — Hss.: Preußen S. 117 f.
Franz Kratochwil, Üb. d. gegenwärtigen 3 Sprache, Stil: Koberstein, Üb. d. Sprache
Stand der Suchenwirt-Handschriften, Germ. d. Österreich. Dichters P. Suchenwirt, Progr.
34, 203^4. 303-45. 431-87; Niewöhner, Naumburg 1828, dazu J. Grimm, Kl. Sehr. 5,
ZfdA. 68, 273 f. 45-50; Ders., Quaestiones Suchenwirtianae,
1 A. Galle, Wappenwesen und Heraldik bei Progr. Naumburg 1842; Ders., Betonung mehr-
K. v. Würzburg, ZfdA. 53, 209-59. — Das silbiger Wörter in Suchenwirts Versen, Progr.
älteste heraldische Gedicht ist des Konrad v. Naumburg 1843; Ewald Frey, Die Jem-
Mure Clipearius, lat. zwischen 1240 u. 1250, poralconjunctionender dt. Sprache in d. Über-
Singer, D. malterl. Lit. in d. dt. Schweiz gangszeit vom mhd. zum nhd. besprochen im
S. 84. 120. — Totenklagen: Auf e. Herzogin Anschluß an P. Suchenwirt u. Hugo v. Mont-
von Kärnthen (1315 od. 1331), Lassberg LS. fort, 1893; Ehrismann, Beitr. 22, 322 f.;
2, 265-87 (s. unten); auf Herz. Johann v. A. Bernt, Ausg. Heinrichs v. Freiberg, 1906,
Brabant, v. d. Hagens Germ. 3, 116-30; auf S. 205; A. M. Sturtevant, Zur Sprache des
Graf Wilhelm v. Holland (gest. 1337), ebda Peter von (!) Suchenwirt, Mod.Langu.Nor.es25,
S. 251-66, s. auch ZfdA. 13, 361, Liliencron, 1910, 47-51; Zwierzina, Anz. 26 Reg. S.355.
Histor. Volkslieder S. XXXVI, Bartsch, Ka- 4 Es gibt noch keine Gesamtausgabe seiner
tal. d. Hss. d. Univers.-Bibl. in Heidelbg. Gedichte. — Lit. Roethe, ADB. 29, 222-32;