490 Erzählende Literatur
Wien ist er begraben (Pfeiffer, Germ. 1, 380). Am Anfang des 13. Jahrhun-derts geboren, fällt er mit seiner Wirkungszeit besonders in die Jahre von etwa1350-1377; um 1377 war er gestorben. Suchen wirt 1 hat ihm einen warmen Nach-ruf gewidmet, der ihn, so wie er sich auch selbst in seinen Gedichten darstellt,als einen ehrenhaften, gottesfürchtigen Charakter (Karajan S.43 ff. 91) zeigt:er hat mit keusche seinen leib untz an sein end behalten; im liebet in dem hertzengotfür alle weltleich er; gotleich er und weltleich schäm liebt im in dem hertzen,er war ein schlichter Laie, sein Leben war rein und gut. Diese Charakteristikbleibt bestehen, auch wenn man berücksichtigt, daß sie in einem offiziellenPreislied gegeben ist. Mit der Bezeichnung „ein schlichter Laie" hat Suchen-wirt seinen Gesichtskreis richtig getroffen: der Teichner ist Moralist, dieMehrzahl seiner Gedichte sind durchaus unpersönliche Sittenreden, die be-lehren über das Leben der Geistlichen, Ritter, Bauern, Handwerker, auchpraktische Winke geben, oder religiöse Sprüche, die Gott, Himmel und Hölle,die Sünden, Leib und Seele betreffen. Er ist ausgesprochen bürgerlicher Laie,der keinen Sinn für die höfische Kultur hat und gegen das Fechten unddie Turniere eifert. So liegt ihm alle Romantik fern; er ist hausbacken undnüchtern. Er besaß gediegene Kenntnisse und allgemeine Bildung (KarajanS. 21 ff.).
Der Teichner war ein außerordentlich fruchtbarer Dichter, er hat über 700Reimreden (etwa 70000 Verse) zusammengebracht. Er nennt sich jeweils,meist am Schluß (Karajan S.5ff.). Die metrische Formung erstrebt regel-mäßigen Wechsel, doch ohne Zwang. 2
Dem Teichner steht Peter Suchenwirt 3 in einem Teil seiner Gedichtenahe. Auch er hat moralische und religiöse Sprüche verfaßt, ganz in der Art
Narrenschiff S. LXI-LXIII (1 Spruch abge- Brinkmann, Zu Wesen u. Form mittelalterl.
dr.); K. Pickel, Zwei dt. Cisio-Jani, ZfdA. 24, Dichtg., 1828, Reg. S. 194.
132-35; Pfeiffer, Ad. Übungsb. S. 158-64 3 Ausg. Alois Primisser, Peter Suchenwirts
(3 Ged. abgedr.); Bolte, Zehn Gedichte auf Werke aus d. vierzehnten Jahrhundert, Wien
d. Pfennig, ZfdA. 48, 18-56 (davon drei vom 1827. — Abhandl. Uhl, ADB. 37, 774-80;
Teichner); Steph. Teubert, Crescentia-Stu- v. Liliencron, Üb. d. Inhalt d. allgem. Bil-
dien, Hall. Diss. 1916 (darin H. Teichners düng, aaO. S. 34; Franz Kratochwil, D.
Crescentia S. 43-58); Brietzmann, Die böse österr. Didaktiker P. Such., sein Leben und
Frau S. 136. 186 (Der Ritter mit der Roßhaut); seine Werke, Progr. Krems 1871; Jos, See-
Herm. Jantzen bei Göschen S. 66-70 (2 Sprü- Müller in Gesch. d. Stadt Wien III. Bd.
che abgedr.); C. v. Kraus, Mhd. Übungsb. 2 , I. Hälfte S. 52 ff.; Ders., Chronologie der Ge-
1926, 239-72 (22 Sprüche abgedr., dazu Hss. dichte S.s, ZfdA. 41, 193-233; Ludw. Schön-
u.Lit. S. 293); H. Niewöhner, Des Teichners ach, Anz. 36, 199 (Urkunde von 1354);
Gedichte I ZfdA. 68, 137-51, II, ebda 69, Roethe, Reinmar, Anm. 285 S. 227 f.; Eu-
146-208; Irmgard Funk, Heinr. d. Teichner ling, Heinr. Kaufringer S. 31.96.101; Castle,
u. die Geistlichkeit, Wien. Diss. 1930. — Hss.: Reallex. 2, 583 f.; Schneider, ebda 3, 290;
v. Kraus aaO.; Priebsch, Dt. Hss. in Engl. 2 Rehm, ZfdPh. 52,309. 311. 316. 323 ff.; Ders.,
S. 215-23; Wegener, Miniaturen-Hss. d. D. Todesgedanke S. 84. 85 f. — Einzelne Ge-
Preuß. Staatsbibl., 1928, S. 103; Niewöhner, dichte abgedruckt od. besprochen: Bobertag,
ZfdA. 68, 137-51. Kürschners Dt.' Nat.-Litt. Bd. 11, 93-184;
1 km leichtesten zugänglich bei Jantzen, Haltaus, Hätzlerin S. XXIII; Geuther,Göschen S. 71-74. Stud. z. Liederb. d. Kl. Hätzlerin S. 127;
2 Sprache, Mundart: Karajan S. 17 ff.; Scriptores rer. Pruss. 2, 155 f. (Gedichte, dieHeinzel, Kl. Sehr. S. 292; Zwierzina, Anz. sich auf d. dt. Orden beziehen); G. E. Friess,26 Reg. S. 355.27 Reg. S. 350. — StiLEuLiNG, 5 unedierte Ehrenreden Suchenwirts, Wien.Stud. üb. Heinr. Kaufringen, 1900, S.22-32; SB. 88, 1878, 99 ff. u. SA.; Ehrenrede auf