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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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488 Erzählende Literatur

oder der künig vom Otenwalde, öfter auch sowohl im Text als im Schluß, vier-mal nennt ihn die Überschrift (VIII. IX. XI. XII). 1

Der Widerstreit zweier Zeiten spiegelt sich in diesenReden". Den Idealendes Rittertums setzt dieser Spielmann des 14. Jahrhunderts mit einem ge-wissen Wohlbehagen die nackte Materie gegenüber. So in Nr. I : Er beginntManiger lobt sins hertzen trut und hebt dann seine Rede vom Nutzen der Kuhan. Nr. II fängt minnesingerisch an: Der lichte sumer nahet, Der winter hinnangahet, der Dichter jubelt in Frühlingsfreude: Oheim unde vetern, Basen undemiimen, Frauwet üch der blümen, und nach dieser lieblichen (!) Einleitungheißt es: Nu wil ich ällez abetün. Ein ahper vogel ist ein hün\ Von dem hmkumt daz ey, dann folgt eine lange Aufzählung (die stilistische Form der mei-sten Gedichte des Königs), was man alles aus dem Ei zubereiten kann. Nr. IIIist überschriebenDer gense lob" und preistwie nutzber vogel ein gans ist",den Gänsebraten, die vielfache Verwendbarkeit der Federn. In den gleichenmateriellen Niederungen bewegen sich die Reden vom Nutzen des Badens,des Strohes, des Schafes, des Schweins. Diese völlig jeder Poesie barenAuslassungen haben doch für uns kulturhistorischen Wert (ich lichte iviezin der werlde stat XI, 3, Schröder S. 75), so wie auch die Rede von denlangen Barten (Nr. VII), die für unsere heutige Mode von zeitgemäßemInteresse ist.

Der Gehalt der meisten dieser zwölfReden" geht nach zwei Richtungen,Parodie des höfischen Geistes und rein praktische Auseinandersetzung ge-wöhnlicher und alltäglicher Nutzmittel. Oft kann man im Zweifel sein, ob esauf die praktische Belehrung oder auf die Parodie abgesehen ist. Mit demZug zum Materiellen wird der Ton fortgesetzt, der schon von den spätenMinnesängern Hadlaub und Steinmar angeschlagen worden war.

Mehr Gehalt haben die zwei Tierfabeln, der Plan der Mäuse (Nr. VIII) unddie Beichte der Tiere (Nr. X). Die Fabel von den beichtenden Tieren, hierWolf, Hund und Esel, mit der Moral Also get gewalt nu vür daz recht, V. 115,ist weit verbreitet 2 und in der mhd. Literatur wohl am bekanntesten durchRenner V. 3455 ff. (Wolf, Fuchs und Esel).

Otto Baldemann von Karlstadt. Lupoid Hornburg von Rotenburg

Mit dem König vom Odenwald sind landschaftlich und durch die litera-rische Überlieferung verbunden zwei weniger hervortretende Spruchdichter:

Otto Baldemann von Karlstadt (am Main, Bistum Würzburg), Pfarrerin Ostheim (bei Aschaffenburg), der im Jahr 1341 Von dem Romschen Richeeyn clage (V. 2) verfaßte (492 [506] Verse im geblümten Stil), eine freie Über-setzung eines lateinischen Gedichtes des Lupoid von Bebenburg, Bischofsvon Bamberg (gest. 1363); steht in dem Manuale des Michael de Leone(s. oben Renner). Am Schluß gibt er seinen Namen an und als Zeit das

1 Schröder S. 12. Fabeln seines Renners, Münch. Arch. H. 6,

2 Erich Seemann, Hugo v. Trimberg u. die 1923,139-172.