Hans Heselloher. Der König vom Odenwald 487
15. Jahrhundert, Ei paivrlein, wolst nicht vppig werden: S. M. Prem, ZfdA. 41,177-79.
Die Schwanke Eulenspiegel, Schildbürger, Laienbuch s. unter„Volksbücher".
4. REIMREDEN. SPRUCHDICHTUNG
Die Reimrede ist eine für die Bildung des späteren Mittelalters charak-teristische Literaturgattung; auch sie zeigt den Rückgang des künstlerischenGeschmackes. Während die Spruchdichter des 13. Jahrhunderts, auch desspäteren, den geschulten Formwillen der Blütezeit aufrechterhielten, hattendie Reimsprecher des 14. 15. Jahrhunderts keinen Sinn für die Form; dieReimreden sind mit wenigen Ausnahmen in Reimpaaren abgefaßt, nicht inkünstlichen Strophen verschiedenen Baues, sie wurden „geredet" und nichtmusikalisch vorgetragen. Der Inhalt ist äußerst mannigfaltig: Religion, Moral,Sitten der Zeit, Politik, persönliche Beziehungen, Fürstenpreis, höfischesLeben, Minne, Alltag, Fabel, Rätsel, Allegorie. Die Verfasser sind die min-deren Nachfolger der Spruchdichter des 13. Jahrhunderts. 1
Der König vom Odenwald
Als seltsamste und fragwürdigste Gestalt unter diesen „Spruchdichtern"tritt uns der König vom Odenwald entgegen. 2 „König" hieß er wohl alsVorstand einer Spielmannszunft, 3 „Vom Odenwalde" entweder, weil er dortherstammte oder weil er Vorstand der Odenwälder Spielmannszunft war. SeinWesen trieb er in Ostfranken, im Erzbistum Würzburg, um 1340. Seine Ge-dichte (12 Nummern, zusammen 830 Reimpaare) sind, stark mundartlich,ostfränkisch, gefärbt. 4 In allen Gedichten (mit Ausnahme von XII) führt ersich selbst ein, teils in den Schlußversen, im Prolog, im Text, als der künig
1 Aufzählung von Hss. von Spruchgedichten; Jantzen, Gesch. d. dt. Streitgedichtes im MA.,Geuther, Stud. z. Liederb. d. Kl. Hätzlerin, 1896, 36 f. — Stelle: Möller, Germ. 23, 313.
1899, S. 30 ff.; Kleinere mhd. Erzählungen, —Hs.: Würzburger Hs. des Michael de LeoneFabeln u. Lehrgedichte, Dt. Texte d. MA.s: in München (s. ob. Renner); je ein GedichtI. Leitzmann, D. Melker Hs., Dt. Texte auch in einer zweiten Hs. (Gotha, Wolfenbüt-Bd. IV, 1904; II. Euling, D. Wolfenbüttler tel): v. Bahder, Diss. S. 2 f.; Schröder S. 4Hs. .. Dt. Texte Bd. XIV, 1908; III. D. Hei- -12; Bartsch, QuellenkundeS.263-67; Schrö-delbg.Hs.. .Rosenhagen, Dt.TexteBd. XVII, der, Vom mangelnden Hausrat, ein Gedicht1909. — Kleine Lehrdichtungen üb. d. ver- des K. v. O., ZfdA. 71, 107-114.schiedensten Gegenstände: Goedeke l 2 , 393 f. 3 König als Betitelung eines Vorstands der(15. 16. Jh.). Spielleute: Wilh. Hertz, Spielmanns-Buch,
2 Ausg.: K. v. Bahder, Germ. 23, 292-314; 1886, S. XLI-XLVI u. Anm. S. 305 f. (Zeug-Edw. Schröder, Die Gedichte des Königs nisse: in der Provence zum J. 1175 ein „rexvom Odenwalde, Arch. f. hess. Gesch. u. Alter- super histriones universos", in Frankreich dertumskunde NF. III H. 1 u. SA., Darmstadt Titel „Roy des menestreuls" 1321, in Deutsch-
1900, dazu Helm, Hess. Blätter f. Volkskde 1 land wird 1355 ein „Rex omnium histrionum"H. 1; frühere Abdrucke einzelner Gedichte: [vom Kaiser verliehener Titel] erwähnt);v. Bahder, Diss. S. 2; Schröder S. 3. — v. Bahder, Diss. S. 24; Schröder S. 23-34Abhandl.: Bartsch, ADB. 21, 146; K. v. (Hofkoch und Verfasser des Buchs von guterBahder, D. König vom Odenw., Heidelbg. Speise).
Diss. 1878 (S. 2 die ältere Lit.). — Baech- 4 v. Bahder, Diss. S. 3 ff.; Zwierzina, ZfdA.told, Gesch. d. dt. Lit. in d. Schweiz S. 193 f.; 44, 284. 290. 305.