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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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486 Erzählende Literatur

und gehört in die von Neidhart eröffnete Gattung der Dorfpoesie, geht aberweit über diese hinaus in der Parodie, denn nicht nur die Bauern werdenverspottet, sondern zugleich wird vielfach das höfische Ideal mitgenommen.Das Gedicht liegt ganz im Sinne derbürgerlichen" Literatur der Spätzeit.

Heinrich Wittenweiler (Hainreich Wittenweilär V . 52) war Schweizer; seineFamilie, zum niederen Ritterstand gehörig, stammte aus dem thurgauischenOrt Wittenweil, siedelte aber im 13. Jahrhundert in das St. Gallische Städt-chen Wyl über, wurde also stadtbürgerlich. Der Dichter besaß ausgebreiteteKenntnisse, ist bewandert in der höfischen und Heldenepik, der didaktischenLiteratur, der Rechtskunde. Die Sprache ist dem Gegenstand entsprechendganz volkstümlich, die pöbelhafte Ausdrucksweise nachahmend. Abfassungs-zeit: erste Hälfte des 15. Jahrhunderts, vor 1453. Da nur eine Hs. vor-handen ist (Meiningen), so dürfte das Gedicht doch nicht in weite Kreisegedrungen ein.

Die Erfindung des Stoffes ist nicht Wittenweilers Eigentum, es lag ihmschon ein ähnliches, viel kürzeres Gedicht vor, das er aber selbständig sehrerweitert hat. Von diesem gab es zwei verschiedene Fassungen:'eine kürzere,416 Verse, Von Meyer Betzen, 1 und eine längere, 672 Verse, MetzenHochzeit, 2 von denen die kürzere die ursprünglichere ist. Beide Fassungenhaben alemannischen Sprachcharakter.

Hans Heselloher

Gegen die Bauern richtet auch Hans Heselloher seine Satire. Von ihm,einem Landrichter in Oberbayern (urkundl. 1450-83), sind 7 Gedichte (einigenicht vollständig) bekannt, in denen er zumeist in Neidharts Weise und diesesVorbildes nicht unwürdig die Bauerngecken verspottet. Ein Bauerntanzmit wüster Prügelei ist Gegenstand eines verbreiteten Liedes, das Uhlandin seine Volkslieder aufgenommen hat (Nr. 249 S. 653-61, dazu S. 1026). 3

Der Bauern Kirchweih geht auf die Lehre aus: ein kluger Mannsoll seine Frau nicht der Versuchung anheimgeben (K. Pohlheim, StammlersVerfasserlex. 1,177 f.).

Ein Bayer, der sich Durst nennt, hat ein satirisches Lehrgedicht Der bawrenhofart gemacht, 180 Verse, wohl im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts(Hartl, Stammlers Verfasserlex. 1, 464 f.). Ein Spottlied auf die Bauern,

1 Abgedr. Graff, Diutiska 2, 78-91; Lieder- der Bauernhochzeit u. H. Wittenwylersbuch der Hätzlerin Nr. 67 S. 259-64; das PaarRing", ZfdA. 50, 225-79.

heißt Betz und Metz. Günth. Müller in 3 Spiller, ZfdA. 27, 283 f. 293 f. Einige

Walzeis Handbuch S. 69. Lieder sind abgedruckt bei Bolte, Der Bauer

2 Abgedr. Lassbergs Lieder Saal Bd. 3, 397 im deutschen Liede, 1890; und bei A. Hart--417; hier heißt das Paar Bärschi und Metzi. mann, Festschr.-Konr. Hofmann = Roman.K. Wehrhan, Nd. Korrbl. 37, 18 f. (Spuren Forsch. V, 1890, 449-518 u. SA., dazu Zwier-im Nd.). Über 1 u. 2: Uhland, Germ. 1, zina, Anz. 17, 213-20, Vogt, ZfdPh. 25, 125;333 ff. u. Schriften 8, 375 ff.; Brill, Die Brill, Die Schule Neidharts S. 192-97. 232 f.Schule Neitharts, 1908, 137. 200 f.; Geuther, Goedeke, Grundr. I 2 , 298; Rosenhagen,Stud. z. Liederbuch der Clara Hätzlerin, 1899, Reallex. 1, 209.

149 f.; besonders Wiessner, Das Gedicht von