Sammlungen. Der Ring von Heinrich Wittenweiler 485
Heinrich Wittenweiler. 1 Bei aller Fülle der äußeren Geschehnisse isthier doch die lehrhafte Absicht der treibende Bestand. Im Prolog, V. 1-54,werden der Inhalt im allgemeinen, der Zweck und der Titel des Buches an-gegeben: Es heißt „Der Ring", weil es rings um uns der Welt Lauf berichtetund auch lehrt, was man tun und lassen soll; nutz und tagalt (Zeitvertreib,Spiel, Scherz = kurzewile) soll es bringen, V. 50. In drei Teile ist es geteilt(Inhalt): der erste lehrt Turnieren, Sagen und Singen nach der Hofkunst(hofleren, hübischait und mannes zucht) ; der zweite, wie man sich an sei undleib halten schol, das ist das Beste (tugend) ; der dritte, wie man im Krieg undKampf verfahren soll (frümchait). Aber der Mensch mag nicht allweg ernsteDinge hören ohne scherzhaften Einschlag, darum ist hier unter die Lehredas bäurische Treiben gemischt.
Teil I, V. 55-2622 (Lehre der Höfischheit). Ort: das Dorf Lappenhausen.Vorstellung der Hauptpersonen: Bertschi Triefnas und seine Geliebte, diekrumme, kropfige Bauerndirne Mätzli Rüerenzumpf. Zwei Bauernturniere.Der Minnedienst Bertschis für Mätzli. Teil II, V. 2623-6457. Liebesgeschichtedes Brautpaars; Tugendlehren, religiöse und praktische Lehren (Hofzucht,Haushalt); Hochzeit und Hochzeitsfraß, Tanz, Prügelei. Daraus entwickeltsich ein Krieg zwischen den Dörfern Lappenhausen und Nissingen. Teil III,V. 6458 bis Schluß 9699. Lappenhausen wird erobert und gebrandschatzt.Bertschi wird auf einem Heuschober belagert, kann aber nicht zur Über-gabe gezwungen werden. Er zieht sich als Einsiedler in den Schwarzwaldzurück.
Auf Kontrast ist das Gedicht aufgebaut, nutz und tagalt; die eigenartigeAuffassung des Ergötzlichen gibt dem Ganzen seinen charakteristischenAusdruck; dieser aber ist einfach Unflat und Zote, es wird nur so im Kotgewühlt; der groteske Witz ist die Würze, die die Lehre schmackhaft machensoll. In der beabsichtigten Richtung ist der Ring eine Verspottung der Bauern
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