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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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482 Erzählende Literatur

Neidhart von Reuental). Das Schwankbuch Neidhart Fuchs (15. Jh.) faßtden Jnhalt folgendermaßen zusammen (V. 3897): wie er (Neidhart) so mengenklugen list mit den paaren hat angefangen und kennzeichnet damit die Geschich-ten als Bauernschwänke. Vorher (V. 3887ff.) heißt es: Derpfaff vom Kallen-berg vnd er hand sellich abenteir verbracht, die sünst kein man nie hatt erdacht.

Dieser Pfarrer vom Kaienberg ist ebenfalls zum Träger einer Reihevon Schwänken geworden, die Philipp Frankfurter in Wien in Verse ge-bracht hat, 1 frühestens gegen Ende des 14. Jhs., vielleicht erst in der erstenHälfte des 15. Jahrhunderts (2180 Verse). Der Pfarrer lebte wie NeidhartFuchs zur Zeit des österreichischen Herzogs Otto des Fröhlichen (V. 20ff.).Der Verfasser nennt sich am Schluß V. 2178ff. Er erzählt (V. 32), wie derPfarrer begann sein Glück zu machen dadurch, daß er als Student dem HerzogOtto einen großen Fisch als Geschenk brachte; dabei spielte sich eine Prügeleimit dem Türhüter ab, die den Herzog so ergötzte, daß er für den Schwankdem Studenten die Pfarrei des Kaienberges anwies (215). Folgen nun seinePossen (242), die er in seinem Amt als Pfarrer mit den Bauern treibt; dann(704) spielt er dem Bischof seine Streiche, wobei die Unsittlichkeit der Geist-lichen erschreckend offenbart wird (die Buhlerei des Bischofs mit der Kell-nerin, während deren der Pfarrer unter dem Bett alles beobachtet, ist zugleichbildlich dargestellt!). Dann (940) führt er bei der Herzogin und dem Herzogseine Streiche aus. Zuletzt (1909) kommen die Bauern wieder dran (Ende2121). Zu Steiermark nahm er eine neue Pfarrei an, wo er gestorben und be-graben ist. Der Dichter selbst charakterisiert den Pfarrer von dem Kaienberg:der vil schamliche werg getriben hat Spot vnde frue und bittet, Gott möge ihmvergeben.

Mit den Schwänken des Pfaffen Amis haben die des Kalenbergers keinestoffliche Verwandtschaft; nur die allgemeine Tendenz, die Satire auf dieGeistlichkeit, ist ihnen gemeinsam. Vollends aber sind sie im sittlichen Ge-halt unterschieden. Hier tritt die ganze Roheit des Spätmittelalters gegen-über der Zucht und Maße der Blütezeit hervor. Die Zotigkeit in den Schwän-ken des Kalenberger Pfarrers ist oft widerwärtig, abscheulich. Erzählungs-weise und Metrik sind glatt.

1 Ausg.: Bobertag, Narrenbuch, Kürschners Ausgaben des Pf. v. K., Sammlung bibliothek.

Dt. Nat.-Litt. 2 [1884], 1-86; K. Schorbach, Arbeiten 6,1893,62-66; W. Koppen, Die alten

D. Gesch. des Pfaffen vom Kaienberg, Seltene Kalenbergdrucke u. Übersetzungen, Nd. Jahr-Drucke in Nachbildungen 5, 1905; in erneuter buch 20, 1895, 92-105; Priebsch, Dt. Hss. inSprache: v. d. Hagen, Narrenbuch, 1811, England II, 1901, S. 149; Jellinghaus, Mnd.269-352u. Anhangs. 515-39,dazu W. Grimm, Lit. in Pauls Grundr. II 3 , 1901, 26; Seemül-KI. Sehr. 2, 52 ff. Abhandl.: Goedeke, ler, Gesch. d. Stadt Wien III. Bd. I.Hälfte,Grundr. I 2 , 343 f.; W.Mantels, Aus e. nieder- 1907, 18 ff.; Th. Chalupa, Zur Gesch. dessächs. Pfarrherrn v. K., Nd. Jahrb. 1, 1876, Pfarrers v. Kahlenberg, ZföG. 66, 1915, 7-14;66-71; Ders., E. drittes Blatt aus d. nieder- Günth. Müller in Walzels Handbuch S. 69.sächs. Pf. v. K., ebda 2, 1877, 145-48; Edw. Goedeke l 2 ,343 f. Hss. sind keine über-Schröder, Der Parson of Kalenborow u. seine liefert, dagegen 8 Drucke, die ältesten mitnd. Quelle, ebda 13,1888,129-52; R. Priebsch Holzschnitten, vom Ende des 15. od. Anfang

E. viertes Blatt aus d. niedersächs. Pf. v. K., des 16. Jh.s bis 1620.ebda 18, 1893, 111-13; Karl Meyer, Zwei