Des von Wirtemberg Buch. Augustin von Hamersteten. Heinrich Kaufringer 481Heinrich Kaufringer
Fruchtbar in der Verfertigung von Reimerzählungen (etwa 30) war Hein-rich Kaufringer, 1 ein bayerischer Dichter aus Landsberg am Lech um dieWende des 14./15. Jahrhunderts. Er entsprach damit der Lebensauffassungder damaligen Gesellschaft, daß er sowohl ernste als heitere Stoffe dichterischverwertete. Als „heiter" empfand der Geschmack der Zeit derbe, anzügliche,unzüchtige Schwanke, besonders Eheschändungen und Buhlschaften, wiesie oben beigezogen sind. Daneben beabsichtigte er sittliche Wirkung beiseinen erbaulichen Erzählungen und Spruchgedichten. Hier griff er meistbekannte und weitverbreitete Themata auf, so in den legendarischen Ge-schichten „Der Einsiedler und der Engel", deren Quelle verwandt ist miteiner Erzählung der Gesta Romanorum, oder „Der bekehrte Jude", ein Stoffder gerade bei den Judenverfolgungen des 14. Jahrhunderts lebendig war.Eine Dorfgeschichte ist „Der verklagte Bauer". Lehrhafte Spruchgedichte,bei denen zuweilen die Lehre am Schluß direkt ausgesprochen ist, sind „Dieuneinigen Kaufleute" gegen die Uneinigkeit, oder „Von Schälken und Lek-kern", Klage darüber, daß diese an den Höfen zu Ehren gelangen. ReligiöseBelehrungen gibt „Von den guten Werken", wo der dreifache Nutzen solchervorgehalten wird, oder „Von sieben Krankheiten, den sieben Todsünden undden sieben Gaben des Geistes", also Siebenzahlen; „Von der Welt", wodie Welt mit dem Schachspiel verglichen wird; die bekannte Parabel vonden vier Töchtern Gottes (s. oben). Endlich hat er Stücke aus geistlichenProsawerken in Verse gesetzt: „Von den drei Nachstellungen des Teufels"nach einer Predigt Bertholds v. Regensburg, die „Fromme Müllerin", einenmystischen Traktat, „Vom Adel des zeitlichen Leidens", ein Kapitel ausSeuses Buch der Weisheit.
In seiner stilistischen Tönung ist Kaufringer stark beeinflußt von Konradv. Würzburg und vom Teichner. Er ist nicht ungewandt im sprachlichenAusdruck, anschaulich, stark volksmäßig. Seine Verse baut er meist vier-hebig mit stumpfem Ausgang. 2 — Über seine kulturelle Stellung kann mansagen, daß seine Haltung ganz unritterlich, über sein dichterisches Vermögen,daß es nur gering ist.
Die Neidharte
Die bekanntesten Schwanke des 14. 15. Jahrhunderts sind die, die an denNamen des Minnesängers Neidhart anknüpfen, die Neidharte (s. unter
1 Ausg.: Karl Euling, Heinr. Kaufringers Univ. of Chicago, Germanic Studies 3, 1897,
Gedichte, Lit. Ver. Nr. 182, 1888 (darin Lit. dazu Euling, Anz. 24, 296-99; Barth, Liebe
S. 3-5). —Abhandl.: Euling, Stud. üb. H.K., u. Ehe usw., Pal. 97, 1910 pass., bes. S. 10;
Germ. Abhandl. 18, 1900, dazu Panzer, Zfd- A. L. Stiefel, Zu den Quellen H. Kaufringers,
Ph. 36, 410 f.; Ders., Üb. Sprache u. Vers- ZfdPh. 35, 492-506; Bolte-Polivka 1, 526.
kunst H. Kaufringers, Progr. Lingen 1892; 2,136; Alfred Schröder, Heinr. Kaufringer,
Ders., D. glückl. Ehepaar, Euphorion 6, 462 ZfdA. 65, 213-17; W. Rehm, ZfdPh. 52, 315.
-65; Ders., Zu H. Kaufringers 22. Ged., Beitr. 2 Euling, Üb. Sprache u. Verskunst aaO.;
26, 575 f.; Ders., Zs. f. Volkskde. 11, 464 ff.; poetische Technik, Stil: Euling, Studien
H. Schmidt-Wartenberg, Inedita v. H. K, S. 8^17.
31 Deutsche Literaturgeschichte IV