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Erzählende Literatur
Buch der Beispiele der alten Weisen
Eine andere der Weltliteratur angehörende Sammlung von kleinen Er-zählungen, Novellen, Fabeln (bispel) ist das Buch der Beispiele deralten Weisen, 1 das Antonius von Pforr, Kirchherr zu Rottenburg amNeckar, für den Grafen Eberhard von Württemberg (1482-96) aus dem La-teinischen in gewandter schwäbischer Sprache übersetzte. Er nennt seinenGönner und dann sich selbst in einem Akrostichon der Anfangsbuchstabender ersten Absätze (Holland S. 1-31 u. 54-68 [od. 69]): Eberhard Graf zu Wir-tenberg attempto Anthonyus von PforfeJ, attempto (attento) ist der Wahl-spruch des Grafen; Anthoni von Pforr, aus einer angesehenen BreisacherPatrizierfamilie stammend, begegnet urkundlich mehrfach zwischen 1455und 1477. 2 — Das Buch der Beispiele der alten Weisen hat seinen Ursprungin Indien und ging von da über ins Persische (Fabeln des Bidpai), Arabische(Kaliiah ve [und] Dimnah), Türkische, Griechische (um 1100), Hebräische(vor 1250), Lateinische (Johannes v. Capua um 1270), von da in die abend-ländischen Volkssprachen; 3 das deutsche Buch hatte eine lateinische Vorlage,Johannes v. Capua oder eine verlorene.
Gesta Romanorum
Die verbreitetste solcher Sammlungen von Erzählungen sind die lateinischenGesta Romanorum, 4 die in 138 vollständigen, in dem Bestand oft sehr
x Ausg.: Wilh. Ludw. Holland, D. Buchder Beispiele der alten Weisen nach Hss. u.Drucken hgb., Lit. Ver. Nr. 56,1860; Das Buchder Weisheit, gedruckt durch Lienhart Hollenzu Ulm 1483, Faksimile hgb. von R. PayervonThurn, 1925. —Abhandl.: G.H.B[ode],GgA. 1843, 73-75 S. 721^2; Gervinus 2 5 ,331-34; Hans-Joach. Potratz, Das „Buchder Beispiele", eine Überlieferungsstudie, Zfd-Ph. 57, 313-32; Burdach, Vorspiel 1, 2, 84;Pfaff, ZsfvglLitGesch. NF. 1, 453; Stamm-ler, Von der Mystik zum Barock, 1927,33. 465 f. — Goedeke, Grundr. I 2 , 366. —Stil: Wenzlau, Zwei- u. Dreigliedrigkeit in d.dt.Prosa des 14. u. 15. Jh.s, 1906; Stammler,Festschr. Ehrismann, 1925, 183. — Der Titelist angegeben am Anfang des Buches (Hol-land S. 8, 22): Dis ist das buch der byspel deralten wysen.
2 Bech, Germ. 9, 226-28; Barack, Germ. 10,145-47; Holland S. 249 ff. — 4 Hss. u. 22alte Drucke seit 1483 bis an das Ende des16. Jh.s; Holland S. 192-220; Goedeke aaO.
3 Geschichte des Buches; Cholevius aaO.S. 239 ff.; Holland S. 242 ff.; John Dun-lops Gesch. d. Prosadichtungen od. Gesch.der Romane, Novellen, Märchen usw., über-setzt v. Felix Liebrecht, 1851, S. 194-96; Wa-ckernagel, LG. I 2 , 457; Koberstein, Grund-riß l 6 , 339 f. Anm. 5-11; H. Wegener, Bid-pai, Das Buch der Beispiele alter Weisen, einealtind. Fabel- u. Novellensammlung nach d.
deutschen Übersetzung einer Hs. des 15. Jh.sbearbeitet u. mit e. Teil ihrer Bilder hgb., 1926;H. Wegener, Bilderhss. der Heidelbg. Univ.-Bibl., 1927, S.91f. 95. — Alph. Hilka, E. lat.Übersetzung der griech. Version des Kaiila-Buches, Gott. Abhandl. NF. XX Nr. 3, 1928.4 Ausg. Adelbert Keller, Gesta Romano-rum l.Bd., Lit. Vei. 1842 (2. Bd. ist nichterschienen); maßgebend: Hermann Oester-ley, Gesta Romanorum, 1872, dazu FelixLiebrecht, Germ. 18, 357-66. Neuhoch-deutsche Übersetzung (ohne die Moralisatio-nen): Joh. Georg Theod. Grässe, 1842, 1.u. 2. Hälfte in 3. Ausg. 1905. — Lat. Hss.:Oesterley S. 5-241; Drucke: Grässe, 2. Hälf-te 3 S. 307-14. — Verfasser u. Zeit: OesterleyS. 253-69; Grässe, 2. Hälfte 3 S. 286-306;Dunlop-Liebrecht aaO. S. 198 ff.; Dron-cke, Mones Anz. 1836, 454; Roth, Germ. 4,271; Goedeke, Every-Man, Homulus u. He-kastus, 1865; frühere Ansichten s. Kober-stein, Grundr. 1 6 , 340 Anm. 14. — Nachwei-sungen vom Ursprung und sonstigen Vorkom-men der einzelnen Stücke: Oesterley S. 714-49; Ders., Germ. 14, 82 f. 15, 104; K. Roth,ebda 4, 271 f.; Schneller, ZfdA. 1, 408-16;Liebrecht S. 362-66; Grässe, 2. Hälfte 3S. 254-85; Bobertag, Gesch. des Romans,Register S. 198 (s. bes. S. 129 f.). Keinz,ZfdA. 38, 145-53. — Goedeke l 2 , 351 f.;Wackernagel, LG. I 2 , 456 (Leipziger Novel-lensammlung).