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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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477
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Diokletians Leben 477

von Köln, Friedrichs von Saarwerden, in Poppeisdorf bedienstet war. Als einedeutsche Bearbeitung der Sieben weisen Meister, der Historia Septem Sa-pientum, betrifft es einen Stoff der Weltliteratur. 1 Eine lateinische Prosawurde in deutsche Prosa übersetzt, und diese letztere hat der Büheler in Versegebracht (V. 9443 ff.) und den Namen Diocletianus nach dem Helden derRahmenerzählung gegeben. 2 Diese Einkleidung schickt voraus: Diocletianus,der Sohn des Kaisers in Rom, wird von sieben weisen Meistern (Lehrern) er-zogen. Erwachsen kehrt er an den Hof zurück, wo er sich einem Sternenorakelfolgend stumm stellt. Die Kaiserin, seine Stiefmutter, sucht ihn zu verführen,und, da er ihr nicht zu Willen ist, beschuldigt sie ihn, er habe ihr nach der Ehregetrachtet. Er wird zum Tod verurteilt. Die sieben Meister schieben die Voll-ziehung dadurch sieben Tage hinaus, daß jeder eine Geschichte, ein bispel,erzählt, der die Kaiserin jeweils eine andere gegenüberstellt; eine fünfzehnte,die der Sohn, Diocletianus, sein Schweigen brechend vorträgt, beschließt dieganze Erzählungsreihe, wonach also der Hauptteil des Gedichtes eine Novellen-sammlung ist. Der Sohn erweist die Kaiserin als Ehebrecherin, indem er ihreLieblingskammerfrau als Mann entlarvt (durch Auskleiden), worauf beide ver-urteilt werden. 9494 Verse.

Der Grund zur tragischen Verwicklung in der Rahmenerzählung ist dergleiche wie in des Bühelers Königstochter: die Verleumdung durch eine Frau,dort durch die Schwiegermutter, hier durch die Stiefmutter. Der Dichterbittet wegen dieser kränkenden Darstellung der Frau die lieben frowen gutum Entschuldigung (Diocl. V. 9457 ff.).

Außer dem Gedicht des Bühelers gab es noch ein anderes von einem unbe-kannten Verfasser, ebenfalls aus dem Lateinischen übertragenes Werk, dasüberschrieben ist: Hie heut Sich an eyn puoch das man nennt gesta Romanorum,das sprich (t) ...der Sitte ader die getatt der Romer, und spricht auch de Septemsapientibus usw. Es ist kürzer (etwa 7300 Verse enthaltend) als das Werk desHans v. Bühel und minderwertiger. 3

Aber die Erzählung von denSieben weisen Meistern" war im Deutschenweit verbreitet durch eine Prosa, die in verschiedenen Versionen umlief. 4

Endlich sind dieSieben weisen Meister" unter die Volksbücher auf-genommen worden (Bobertag, Gesch. d. Romans I.Abteil. l.Bd., 1876,118-24; modernisierte Ausg.: R. Benz, 1912).

1 Die Heimat ist Indien, von wo aus sich die Gedicht von den sieben weisen Meistern, Bresl.Erzählung ins Persische, Arabische, Türkische, Diss. 1891. Ältere Lit. s. Koberstein,Hebräische, Griechische, Lateinische und von Grundr. 1°, 341 Anm. 24.

hier aus ins Italienische, Spanische, Französi- 4 Keller, Diocletianus Leben S. 37-42;

sehe, Englische, Skandinavische, Deutsche Goedeke, Grundr. I 2 , 348-51; Piper, Höf.

verbreitete (Keller, Ausg. S.7-42, dazu Ep. 3, 250f.; Gervinus 2 2 , 329; M. Murko,

Seelig S. 280-94; Keller, Li romans des Beiträge z. Textgeschichte der Historia sept.

sept sages, 1836; Carl Leo Cholevius, Gesch. sap., ZfvglLittGesch. NF. 5, 1892, H. 1 u. 2;

d. dt. Poesie nach ihren antiken Elementen I, Jakob Schmitz, Die ältesten Fassungen des

1854, 259 ff.). deutschen Romans von den sieben weisen

2 Also endet sich Dyocletianus leben, 9434. Meistern, Greifsw. Diss. 1904; W. K. Zülch,

3 Ausg.: Keller, Ad. Gedichte, 1846 S. 15 Hans Dirmstein, Stammlers Verfasserlex. 1,-241. Paul Paschke, Üb. d. anonyme mhd. 439 f.