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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Buch der Beispiele der alten Weisen. Gesta Romanorum 479

von einander abweichenden Handschriften und zahlreichen Drucken (seit1472-75) überliefert sind, wobei jedoch einzelne Stücke in größerer odergeringerer Zahl in noch vielen andern Hss. begegnen. Es sind fast dreihundertErzählungen, Novellen, Fabeln, in der Ausgabe von Oesterley 283; sie habendie Form von Parabeln, indem einer jeden eine Moral, Moralisacio, Moraliter,folgt. Der Verfasser oder Kompilator ist unbekannt; ohne Gewähr hat manals solchen den Petrus Berchorius (Pierre Bercheur), Prior eines Benediktiner-klosters in Paris, gest. 1362, angenommen, oder den Helinandus, der auchsonst als lat. Schriftsteller bekannt ist (um 1220). Entstanden sind die GestaRomanorum höchstwahrscheinlich in England am Ende des 13. oder am An-fang des 14. Jahrhunderts. Sie wurden ins Französische, Englische (Oester-ley S. 237-41; Goedeke, Grundr. I 2 , 352), Niederländische und Deutscheübersetzt (Grässe S. 314-18). Ins Deutsche wurden sie im 14. Jahrhundertübersetzt, erhalten sind 23 Hss., 1 die sehr voneinander abweichen, undzwei alte Drucke (der älteste 1489); sie sind viel kürzer als das lateinischeOriginal.

3. KLEINERE ERZÄHLUNGEN UND SCHWANKE

Der größte Teil dieserKleinepik" ist schon bei der Literatur des 13. Jahr-hunderts behandelt; der Anteil der beiden späteren Jahrhunderte ist davonnicht zu trennen, schon weil bei vielen dieser Erzeugnisse die Abfassungszeitgar nicht bekannt ist. Hier sollen gleichsam als Fortsetzung einige Stücke derSpätzeit besprochen werden.

Schondoch, Die Königin von Frankreich und der ungetreue Marschall

Der Stoff der von Hans von Bühel behandelten Königstochter vonFrankreich wurde schon vorher, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts,in eine Versnovelle gebracht von Schondoch, einem nicht weiter bekanntenAutor: Die Königin von Frankreich und der ungetreue Mar-schall. 2 Der Marschall des Königs von Frankreich verleumdete die Königinbei ihrem Gemahl, weil sie ihm nicht zu Willen war. Der König befahl einemRitter, sie in den Wald zu führen und zu töten. Der Marschall ermordete den

x Ausg. Adelbert Keller, Gesta Romano- ZfdA. 3, 434; C. Rassek,Der Littauer" u.

rum, Das ist der Roemer Tat, 1841 (nach einer dieKönigin v. Frankreich", zwei Gedichte

Münchener Hs.), Oesterley S. 230; Pet- von Schondoch, Diss. Breslau 1899; Franz

zet, Catal. S. 89 (Gesta Romanorum, deutsch Hotzy, ZföG. 63, 1912, 1057-70 (Bruchst.

von dem Esse), 14. Jh. Bartsch, Katal. d. einer Hs.); Wolfg. Liepe, Elisabeth v. Nas-

Hss. d. Univers.-Bibl. zu Heidelberg, 1886, sau-Saarbrücken S. 176 ff. 273 ff.; Günth.

S.25 Nr. 61 (Cod. pal. germ. 101). Müller in Walzeis Handbuch 1, 75. Zur

2 Hgb. GSA. I Nr. 8 S. 165-88 (678 V.) u. Sage s. LG. II, 2, 124 Anm. 1.

S. CIV-CXII; Graff, Diutiska 3, 378-97; Der Name Schondochs als des Verfassers ist

H. Heintz, Sch.s Gedichte, untersucht u. hgb., nur bekannt durch die Liste einer Wiener Hs.,

Germ. Abh. 30, 1908. Roethe, ADB. 32, s. Primisser, Peter Suchenwirts Werke, 1827,

284 f. Hoffmann, Ad. Blätter 2, 95-97; S. L. Erhalten sind 1 Dutzend Hss.: Heintz

Mones Anz. 4,44; Wackernagel, Die ad. Hss. S. 56 ff.; Rassek aaO.

der Basler Univers.-Bibl., 1835, 51. 56; Reuss, . .