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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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476
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476 Erzählende Literatur

Anstellung in Kassel, wurde dann Singermeister in Heidelberg, wo er von1472 bis 1495 am Hofe der kurpfälzischen Fürsten Leiter der Hofkapellewar, wurde später Arzt in verschiedenen Städten, zuletzt in Frankfurt,wo er seine gereimte Lebensbeschreibung verfaßte und 1506 starb. DieKinder von Limburg (niederländisch von Heinric van Aken, 1280 bis1317) widmete er dem Kurfürsten Philipp von der Pfalz frühestens 1476.Er verfaßte außer den Kindern von Limburg und der Lebensbeschreibungnoch: Dy gemein Bicht (einen Beichtspiegel, hgb. K. v. Bahder, Germ. 33,129-58); ein Gedicht von der unbefleckten Empfängnis;Wie man wol eineStadt regieren soll"; (Anz. f. Kunde der dt.Vorz. 1865, 468); ein Spruch-gedichtZu lob und eer der Statt Franckfortt"; ein Gedicht zur Erklärungdes Textes der Evangelien auf die meisten Sonn- und Feiertage des Jahres(die Lebensbeschreibung und das Spruchgedicht sind abgedruckt in v. Fi-chards Frankfurt. Arch. I, 1811). Die Darstellung ist realistisch, dochbesitzt der Dichter poetische Fähigkeiten; die Sprache ist hochdeutsch, dochstark mitteldeutsch gefärbt; Versbau alternierend, Verse vierhebig, weiblichwie männlich endende (23610 V.).

Zum Abschluß der epischen Dichtung des 15. Jahrhunderts möge noch ganzkurz der beiden Romane des Kaisers Maximilian L, des letzten Ritters(1459-1519), gedacht sein. Die DichtungTeuerdank" stellt die Braut-werbung des Kaisers um Maria von Burgund in allegorischer Einkleidung dar,indem die Personen Fürwitig, Unfalo und Neidelhart seine Brautfahrt hemmen.Zum Nachteil der Darstellung ließ der Kaiser das Gedicht durch MarxTreizsaurwein und später durch den Kaplan Melchior Pfinzing überarbeiten.Die ProsaerzählungDerWeißkunig" ist eine Selbstbiographie der früherenJahre Maximilians (umfassend die Zeit 1450-1513), die Treizsaurwein eben-falls durcheinander brachte. 1

2. VERDEUTSCHUNG VON NOVELLENSAMMLUNGENDER WELTLITERATUR

Diokletians Leben

Im 14.15. Jahrhundert wurden die großen, der Weltliteratur angehörendenNovellensammlungen verdeutscht, als deren erste Diocletianus Leben desHans von Bühel 2 anzuführen ist. Das Buch ist, wie der Dichter am Schluß(V. 9478 ff.) mitteilt, im Jahr 1412 abgefaßt, als er am Hofe des Erzbischofs

1 Der Teuerdank; ist gedruckt 1517. 1519. Mystik zum Barock S. 186-88. 484 (Lit.);

1537; neue Ausgabe: K. Haltaus, 1836; Castle, Merker-Stammlers Reallex. II, 587ff.Goedeke, 1878; der Weißkunig ist erst 1775 Weißkunig hgb. A. Schultz, Jahrbuch der

gedruckt.O. Bürger, Beiträge zur Kenntnis kunsthistor. Sammlungen des Kaiserhauses

des Teuerdank, 1902; Jos. Strobl, Kaiser Bd. 6, 1887.

Maximilians I. Anteil am Teuerdank, 1907; 2 Hans v. Bühel s. oben. Ausg.: Adelbert

Ders., Studien über die literarische Tätigkeit Keller, Dyocletianus Leben von H. v. B.,

Kaiser Maximilians L, 1913 (Weißkunig); 1841. 1 Hs. (Basel): Keller S. 5. 37;

Clemens Biener, Die Fassungen des Teuer- Seelig, Straßburg. Stud. 3, 1888, 243-335,

dank, ZfdA. 67, 177-96; Stammler, Von der Hs. S. 251 ff. Siehe unten Volksbücher.