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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Ritterliches Epos des 15. Jahrhunderts 475

dem Mittelniederländischen ist es übertragen, aber diese Vorlage ist nur inBruchstücken erhalten. Das niederdeutsche Gedicht wurde ziemlich wörtlichins Mitteldeutsche übersetzt, von diesem md. Valentin ist aber nur 1 Pergament-blatt erhalten, während eine md. Prosabearbeitung (Hs. 1465) vollständig ist.Das mnd. Gedicht wurde in schwedische Prosa übertragen, 1 15. Jh. Eine be-sondere Gruppe bildet das Volksbuch Valentin und Orson, entstanden gegenEnde des 15. Jh.s in Frankreich, und von da aus übertragen ins Englische,Niederländische, Italienische, Isländische sowie ins Deutsche von WilhelmZiely aus Bern 2 1511,1521 bis 1605 fünfmal gedruckt. König Pipins SchwesterPhyla wird Gattin des Ungarnkönigs Crisostomus und wird von dessen Mutterund einem Bischof verleumderisch des Mordes ihrer Zwillinge beschuldigt. DieKnäblein werden einer Dienerin zur Tötung übergeben, diese aber setzt daseine in einem Kästchen in einen Teich aus, das andere bringt sie in den Wald.Pipins Tochter Clarina findet das Kästchen, zieht das Knäblein auf und nenntes Valentin. Phyla wird zur Verbannung verurteilt, aber von einem treuenRitter begleitet. Valentins tapfere Taten: er befreit den König von einem bös-artigen Tier, das sich als ein verwilderter Mensch herausstellt und Namelosgetauft wird. Folgen eine Reihe von abenteuerlichen Erlebnissen der beidenBrüder Valentin und Namelos bei dem König von Arabien und sonstwo. Dieabwechslungsreiche Geschichte schließt mit der Hochzeit Valentins und derWiedervereinigung des Namelos mit seiner Geliebten.

Das zuletzt zu nennende, aus dem Niederländischen bearbeitete spätritter-liche Epos, Margarete von Limburg oder Die Kinder von Limburg,gehört seinem Inhalt nach der Geschichte einer anderen Zeit an: es ist eineEpisode aus den Kreuzzügen. Der Held des Romans ist Heinrich von Lim-burg, d. i. Herzog Heinrich IV., der 1227-30 im Kreuzzug Friedrichs IL Ober-befehlshaber des christlichen Lagers war; seine Schwester ist Margarete.Geschichtliche Tatsachen werden frei vorgebracht. Der Stoff ist ein Sammel-surium aus einer Anzahl anderer Romane. Margarete wird durch Seeräuberan den Grafen von Athen verkauft; Liebe zwischen ihr und dem Sohn desGrafen; die böse Schwiegermutter; ihr Bruder Heinrich vollbringt alle mög-lichen Abenteuer; Schluß: die Heiraten Heinrichs und Margaretens (23610 V.). Der deutsche Übersetzer ist Johann von Soest, mit seinem Geschlechts-namen Johann Grumelkut. 3 Über sein Leben sind wir unterrichtet durcheine gereimte Selbstbiographie (1696 V.). Er war 1448 als Sohn eines Stein-metzen in Unna in Westfalen geboren: Herzog Johann I. von Cleve nahm ihnin seine Singschule auf, dann ging er mittellos auf die Wanderschaft, fand

1 Fritz Karg, Die altschwed. Erzählg von Heidelberger Hss. S. 22; Wegener, Bilderhss.Val. u. Nam., Festschrift Mogk 1924, 197-230. d. Heidelberg. Univ.-Bibl., 1927, 98; Wilh.

2 Baechtold, Gesch. der dt. Lit. in der Wirth, Johann von Soest, Sängermeister inSchweiz S. 440-42; Bobertag aaO. Heidelb. u. Bearbeiter des RomansDie Kin-

3 Lit. s. Koberstein l 6 , 322 Anm.4. 324 der v. Limburg", Heidelberger Diss. 1928Anm. 4. 324 Anm. 17-19. Gervinus 2 5 , (mit vollständ. Lit.). Jan te Winkel, Ge-224-26; Pfaff, Allg. conserv. Monatsschr. schiedenis d. nederl. Letterk. I, 218-29.1887. 147ff. 247ff.; Bartsch, Katalog der