474 Erzählende Literatur
Zugrunde liegen französische Chansons de geste, die ins Niederländische über-tragen wurden, 1 wobei noch niederländische Reimwörter stehenblieben.
Die älteste Nachricht von diesen Romanen besitzen wir in PüterichsEhrenbrief (1462) Str. 98. 99 (s. oben), der erwähnt, daß sich in der Bücher-sammlung der Pfalzgräfin Mechtild, Tochter des Pfalzgrafen Ludwig III.,Gemahlin des Erzherzogs Albrecht VI. von Österreich, 2 Malagis, Reinhart(d. i. Reinalt!), Margareth von Lünburg (d. i. Limburg!) befanden. In dieHeidelberger Bibliothek kamen zwei Malagis-Hss. (Bartsch, Katalog S. 75 f.u. S. 82 [diese, gezeichnet 1474, aus dem Besitz des Grafen Eberhard vonWürttemberg, des Sohnes der Mechtild]), zwei Reinalt (Bartsch S.82 [= dereben genannten Malagis-Hs.] und S. 130, geschrieben 1480) sowie eine Ogier-Hs. (geschrieben 1479, Bartsch S. 108).
Die Sage von Reinolt (Gervinus 25, 219-23), bekannter unter dem Namen„die Haimonskinder", gehört zu den Kämpfen Karls d. Gr., eigentlichKarl Martells. Karl kämpft gegen aufrührerische Vasallen, vier Söhne Hai-mons von Dordogne, deren einer, Reinolt von Montelban, das treffliche RoßBayard besitzt. Der Roman Malagis (Gervinus 2 5 , 218f.) ist inhaltlich ver-bunden mit dem Reinolt, indem Malagis ein Vetter der Haimonskinder ist,ein Zauberer wie Merlin, der mit List wunderbare Künste verrichtet. — Derniederländische Roman von Ogier (Gervinus 2 5 , 223f.) zerfällt in zwei Teile:1. Ogiers Kindheit und seine Heldentaten gegen die Sarazenen; 2. ein Aben-teuerroman: Kämpfe gegen Karl d. Gr.; Ogier kommt in den Kerker undwird befreit, weil er allein Karl gegen den sächsischen König beschützen kann.
Der in diesen niederländischen Dichtungen herrschende Ton ist roh, ja oftgemein und steht weit ab von der früheren ritterlichen Maße. Die deutschenÜbersetzungen waren, aus der des Reinalt zu schließen, ungeschickt, im Stilund in der Metrik verlottert.
Das mittelniederdeutsche Gedicht (Mitte 14. Jh.? 2645 V.) Valentin undName los 3 hat die gleiche Entwicklungsgeschichte wie die eben genanntenspätritterlichen Epen. Die Quelle ist ein verlorenes französisches Gedicht; aus
Diss. 1925, Masch.druck. Über die verschie- Valentin u. Orson, 1884, dazu Schröder.
denen Meinungen betr. den Urheber aller drei Anz. 11,116-22, J. Franck, DLz. 1884, 1914f.
deutschen Übersetzungen s. Koberstein l 6 , Sprenger, Lbl. 1885, 9-11. — Seelmann,
322Anm.4. Nd. Jahrb. 10, 1884, 160-62; Ders., Nd.
1 Die niederländ. Romane s. Jan te Winkel, Korrbl. 16, 1892, 95; E. Beta, Untersuch, zurGeschiedenis der Nederlandsche Letterkunde I, Metrik des mnd. Val. u. Nam., Leipzig. Diss.Haarlem 1887: Renout van Montalbaen of 1907; Stammler, Hansische GeschichtsblätterDe vier Hoemskinderen S. 136-39; Maleghijs 1919 S. 44; Ders., Gesch. der nd. Lit., 1920S. 139f.; Ogier S. 133f.; Valentijn en Namelos S.48; Ders., Mnd. Leseb., 1921 S. 79-82 u.S. 208-12; Roman van Heinric ende Margriete 141 (Lit.). — Stellen: Sprenger, Nd. Jahrb.vanLimborch S. 218-29. 19, 1893, 108f.; Damköhler, ebda 21, 1895,
2 Martin, Erzherzogin Mechtild, 1871; 125f. — Bobertag, Gesch. des Romans I,Strauch, Pfalzgräfin Mechtild in ihren litterar. 68 f.; Goedeke, Grundr. I 2 , 463; Wacker-Beziehungen, 1883, dazu Anz. 9, 309 f. nagel, LG. I 2 , 454; Koberstein l 6 , 321
s Grundlegend: W". Seelmann, Valentin und Anm. 1 (Lit.); Jellinghaus, mnd. LG. in
Namelos. Die nd. Dichtung. Die hd. Prosa. Pauls Grundr. II 2 , 1901, 378 (andere mnd.
Die Bruchstücke der mndld. Dichtung nebst Ritterromane s. ebda); Diepering, Stud. zu
Einleitg. Bibliographie u. Analyse des Romans Valentin u. Namenlos, Haarlem 1933.