Ulrich Füetrer. Ritterliches Epos des 15. Jahrhunderts 473
stichon Str. 10-29). Begonnen wird kurz mit dem Anfang der Templeisen,worauf ein längerer Abschnitt aus dem Trojanerkrieg und Aeneas (nachKonrad v. Würzburg) erzählt wird; die einzelnen Romane sind dann nachdem Inhalt als Gral- und Artusdichtungen aneinandergereiht: Merlin (vonAlbrecht v. Scharfenberg) als Vorgeschichte des Gral, Wolframs Titurel,Parzival, die Krone, Lohengrin und Parzivals Gralkönigtum; als zweiteGruppe: Wigalois (nach der Prosa von 1472), Seifrid de Ardemont (vonAlbr. v. Scharf.), Meleranz, Iwein, Persibein, Poytislier, Flordimar, Lan-zelot vom See. Den Lanzelot hatte Ulrich Füetrer schon vorher in Prosabearbeitet; außerdem schrieb er eine bayerische Chronik in Prosa, a. 1478-81.Als Verehrer Wolframs ahmt er dessen Stil und den des jüngeren Titurelnach; Jakob Püterich kannte und schätzte er persönlich. Die Originale, nachdenen er seine Sammelarbeit herstellte, übertrug er zum Teil genau, andrer-seits auch wieder nur in allgemeinen Umrissen; oft auch bringt er eigene Ein-schiebsel an. Im Ausdruck ist er schwerfällig; das schwierige Versmaß kanner nicht beherrschen. Durchaus unselbständig, hat er doch einen offenen Sinnfür die höfische Vergangenheit. 1 Sein historisches Interesse bezeugt auch dieHerstellung einer bayerischen Chronik, Beschreibung vom Herkommen desHauses Bayern, Prosa, die er auf Rat des Herzogs Albrecht von Bayern in denJahren 1478-81 schrieb. 2
Ritterliches Epos des 15. Jahrhunderts
Dem karolingischen Sagenkreis gehören, wie der Karlmeinet, einige spätereum die Mitte des 15. Jh.s verfaßte Rittergedichte an:Reinolt von Mont-alban (oder Die Haimonskinder), Malagis, Ogier von Dänemark. 3
1 Paul Hamburger, Untersuchungen über ZfdPh. 5, 271-93. — Jos. Hansen, Die Rei-Ulr. Füetrers Dichtg von dem Gral und der noltsage u. ihre Beziehung zu Dortmund,Tafelrunde, I. Zur Metrik und Grammatik, Forsch, zur dt. Gesch. 26, 104-21; Ders.,Stil und Darstellungsweise, Straßbg.Diss. 1882. Germ. 32, 381 f., dazu Pfaff, ebda 32, 507f.
2 v. d. Hagens Grundriß z. Gesch. der dt. Bruchstücke aus diesen Romanen sindPoesie, 1812, 170 f.; Kluckhohn, Über die schon früher gedruckt worden, s. Kobersteinbayer. Geschichtsschreiber Hans Ebran von l 6 , 322 Anm. 2, die franz. Romane s. ebdaWildenberg u. Ulr. Füetrer, Forsch, zur dt. Anm. 3; Bobertag, Gesch. d. Romans I, 80Gesch. 7. H. 1. u. Reg. II, 207; Mackensen, Die dt. Volks-
3 Veröffentlicht ist bis jetzt nur der Reinolt: bücher, 1927, 72f. u. Reg. S. 148.
Fr. Pfaff, Rein. v. Montelban oder Die Hei- Das deutsche Volksbuch von den Haimons-
monskinder, Litt. Ver. 174, 1885; Gust. kindern, 1535, stammt aus der franz. Prosa.
Schwab, Buch der schönsten Geschichten, In der neuen deutschen Literatur sind die
1836; Ders., Volksbücher des Lahrer Hinken- Haimonskinder bekannt durch Tiecks Volks-
den Boten Nr. 684-93,1888; Alb. Bachmann, märchen 1797 und durch die Dichtung von
Die Haimonskinder in dt. Übersetzung des Ludwig Bechstein 1830. — Görres 1807, 99
16. Jh.s hgb., Lit. Ver. 206, 1895; Heinz -131; Simrock; Gust. Schwab, Buch der
Kindermann, Dt. Lit. in Entwicklungsreihen, schönsten Gesch., 1836ff.; Fr. Pfaff, Das dt.
Reihe Volks-u. Schwankbücher I, dazu Schrö- Volksbuch von den Heymonskindern nach
der, Anz. 48, 210f. — Kochendörffer, Die dem Niederländ. bearbeitet von Paul v. d.
Hss. des Reinolt v. Montelban, Anz. 12, 253- Aelst, 1887; Pfaff, Der Verf. des dt. Volksb.
56.13,397-410; Bobertag, Gesch. d. Romans von den Heymonskindern, ZfvglLitGesch. 1,
I, 61 ff. u. Reg. II, 199; Pfaff, Germ. 32, 1887, 167-69; Kindermann, Dt. Dichtg in
49-65.33,31-33 (Stellen). 34-45. — Eine mit- Entwicklungsreihen, Volks- und Schwank-
telfränk. Prosa „Historie van Sent Reinolt" bücher I, 1928; Herm. Braun, Sprache u.
(wohl 15. Jh.) ist hgb. von Reifferscheid, Vers in der Heidelberg. Hs. des Ogier, Heidelb.