472 Erzählende Literatur
briefe: 1. Str. 1-29 Gruß (salutatio) mit Dienstentbietung in den Formeln desBriefstils; diese gehen über in die Formen höfischer Galanterie, aus denen aberder der Durchleuchtig. Hochgebornen Fürstin untertänige Diener die Tönedes Frauendienstes gewaltsam zurückdrängt, denn Ein man von Sechczig Jarensoll Amorschaft vermeiden. 2. Str. 30-144 der Hauptteil des Briefes, die Mit-teilung (narratio): a) Aufzählung der turnierfähigen bayerischen Adelsgeschlech-ter (es sind 129), woran sich wieder persönliche Berichte an die Erzherzoginreihen, sowie die Überreichung eines Paars Schuhe, die er in Rom für ihrekleinen Füße gekauft hat (31-91). b) Ein literaturgeschichtlicher Abschnitt(92-144): 164 Bücher besitzt er im ganzen, Ritterromane und Legenden;davon zählt er eine große Anzahl auf, außerdem noch 23 Bücher, die er unterden von der Herzogin leihweise ihm angebotenen Werken nicht selbst zu eigenhat. Am höchsten verehrt er Wolfram, den er auch für den Verfasser desjüngeren Titurel hält; um die Stätte von Wolframs Begräbnis zu sehen unddaselbst für dessen Seelenheil zu beten, reitet er zwanzig Meilen nach Eschen-bach, und hier nun beschreibt er das Epitaphium des Dichters, c) Der Brief-schluß (conclusio) mit Datum, Unterschrift, Adresse (Str. 145-148); Wid-mung in einem Akrostichon (Str. 5-47).
Aus Wolframs eigenartigem Stil ist durch den jüngeren Titurel hier einmanieriertes Kauderwelsch geworden. Dits gemächt (Str. 145) ist nahezu un-verständlich, aber das galt wohl gerade als ein besonderes Zeichen von Kunst.
Ulrich Füetrer
Gegen Ende des 15. Jh.s trat eine Neubelebung der Idee des Rittertumsein; Symbol dafür ist die Gestalt Kaiser Maximilians I., des „letzten Ritters".Sie kommt zur Erscheinung in äußeren Formen, wie in Regelung des Turnier-wesens; in der Literatur findet sie den monumentalsten Ausdruck in dem„Buch der Abenteuer" des Ulrich Füetrer. 1 Dieser, aus Landshutgebürtig, seines Zeichens fürstlicher Wappenmaler in München, stellte fürHerzog Albrecht IV. von Baiern um 1490 in dem genannten Werke einenZyklus von Abenteuerromanen zusammen im Anschluß an den jüngerenTiturel 2 und in der gleichen strophischen Form (Widmung in einem Akro-
gräfin Mechthild in ihren litterarischen Be- manns Iwein, Progr. Berlin 1890 S. 6-8;
Ziehungen, 1883, dazu Anz. 9,309; Schiller, Fritz Kübler, Ulr. Füetrers Yban u. Hartm.
ZfdA. 27, 278-83; Burdach, Centralblatt f. v. Aues Iwein, Tübing. Diss. 1924, Masch.-
Bibliothekswesen V, 1888, H.3 S. 122f.; Ders., druck; Alice Carlson, Ulr. Füetrer u. sein
Vorspiel 1,2,70ff.; Ältere Lit.: Roethe, ADB. „Iban", Münch. Diss. 1927, dazu Alfr. Hüb-
26,744-46; Wackernagel, LG. 2 , Reg. S.493; ner, Anz. 50, 205f.; R. Zenker, ZfrzSpr. 51,
Goedeke, Grundr. 2 S. 333 f. 484-91; Über Füetrers Lanzelot s. oben Ulr.
1 Lit.: Bartsch, ADB. 8, 217; Koberstein, v. Zatzikhoven; Emil Öhmann, Die franz.
Grundr. I 6 , 324f.; Piper, Höf. Ep. 3, 118f.; Wörter in Ulr. Füetrers „Iban", Neuphil.
Panzer, Bibliogr. zu Wolfram S. 29f.; Erich Mitteil. 32, 1931, 71-84, — 4 Hss.: Panzer,
Petzet, Catalogus cod. manu Script. Bibl. Merlin S. VII-XXIII; Singer, ZfdA. 38,
Monac. Tom. V pars I S. lf. — Abhandl. 205f.; Henrik Becker, Das Epos in der dt.
s. oben Albrecht v. Scharfenberg: Panzer, Renaissance, Beitr. 54, 201-68; R. Newald,
Stiller, Hamburger, Probst; Emil Hen- Stammlers Verfasserlex. 1, 783-89.
rici, Ulr. Füetrers Löwenritter, ZfdA. 34, 2 Inhalt: Panzer, Merlin S. XXIII-XXXIII
170-78; Ders., Die Nachahmer von Hart- Petzet aaO.