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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Parzifal 471

Parzifal von Claus Wisse und Philipp Colin 1

Etwa fünfzig Jahre nach der Abfassung des Lohengrin, 1331-36, machtensich zwei Straßburger Bürger daran, Wolframs Parzival zu vervollständigen.Dieserneue Parzefal" von Claus Wisse und Philipp Colin ist eineZutat von 36420 Versen zwischen dem Buch 14 und 15 von Wolfram, wozunoch kleinere Einschaltungen besonders im 14. und 15. Buche kommen. 2Über die Entstehung dieses Monstrums berichtet ausführlich ein Epilog desPhilipp Colin (V. 36420-984). Dieser, ein cluogergoltsm.it von Straßburg, hatdas Buch von Wälsch in Deutsch gereimt, Claus Wisze dichtete den Anfang(also fiel dem Colin die Hauptarbeit zu); den Gönner, Ulrich von Rappoltstein(aus mächtigem oberelsässischem Geschlechte) bettelt Philippe^ Colin dergoltsmit an, seine freigebige Hand zu öffnen, auf daß er wieder Goldschmiedwerden könne. Der Jude Samson Pine war Dolmetscher. Fünf oder mehrJahre sind ob diesem Buch verzehrt; Colin hat berechnet, daß es zweihundertPfund kosten kann. Ganz naiv gibt hier der biedere Bürger seinen Lebens-inhalt zum besten; auch ein Standpunkt, nur kein poetischer! Die ritterlicheDichtung ist nur noch bloßer Unterhaltungsstoff, die einstige Idealromantiknur mehr äußerer Behang, auch in den vielen frostigen Minnegesprächen;keine Spur mehr von gleichgestimmtem innerem Miterleben. Ein sprechendesBeispiel für den veränderten und verödeten Ungeist der Zeit!

Das französische Buch, das dem Herrn Ulrich v. Rappoltstein zukam, dieQuelle, war jene große Fortsetzung von Chrestiens Perceval, die von dreiNachahmern veranstaltet wurde. 3 Die Übersetzung schließt sich dem Ori-ginal eng an; die Verse sind nachlässig, es kommt nur darauf an, daß ge-reimt ist. 4

Für die Tochter des Pfalzgrafen Ludwig III., die Erzherzogin Mechthildvon Österreich zu Rottenburg am Neckar, Gemahlin des Erzherzogs Al-brecht VI. (von Vorderösterreich), dichtete der bayerische adelige LandrichterJakob Püterich von Reichertshausen (1400-69) im Jahr 1462 seinenEhrenbrief 5 in 148 Titurelstrophen nach der Anordnung der mhd. Privat-

1 Lit.: Piper, Wolfram 1,119; Panzer, Wolf- Weston, The Legend of Sir Perceval Bd. 1.ram-Bibliographie S. 27. Ausg.: Karl 43f.

Schorbach 1888, dazu Stosch, Anz. 19, 3 Siehe LG. II, 2, 233.

300-07; Schröder, DLz. 1888, 1039; Be- 4 K. Marquardt f, Die Verskunst des Neuen

haghel, Lbl. 1890, 136f. Abhandl.: San- Parzifal, hgb. v. Else Habering 1916, dazu

Marte, ZfdPh. 22, 287-311. 427-54; Gol- Habermann, DLz. 1918, 501-03; Götze,

ther, Gralb. S.254-57; Ders., Parz. in der dt. Lbl. 1918, 170f.

Lit. 1929, 39; K. Heller, Studies on the 6 Hgb. von Th. v. Karajan, ZfdA. 6, 31-59;

Alsatian Parzival, The Germ. rev. 5, 1930, Arthur Goette, 1899, auch Straßb. Diss.

109-26; s. LG. II, 2 Reg. S. 341*». 346 c ; Alb- (Ausgabe mit Abhandlungen: Leben, Inhalt,

Wilder Thompson, The Elucidation a pro- Verskunst, Sprache, Texterklärung), dazu

logue to the conte del graal, New York 1931; Strauch, Anz. 28, 58-60. Uhland, Schrif-

dazu Golther, Lbl. 1933,375f., 2 Hss. (davon ten 2, 250-55; Scherer, Die Anfänge des dt.

eine, Donaueschingen, wahrscheinl. das Ori- Prosaromans, QF. 21, 1877, S. 16ff.; E. Mar-

ginalmanuskript); Schorbach S. IX-XVIII. tin, Die Erzherzogin Mechthild, Zs. d. Ges.

2 In das 2. Buch Wolframs ist ein ,Prologus' z. Ford, der Geschichtskunde, Freiburg i. Br.von 500 Versen von Claus Wisse eingeschaltet, 1870, u. Ausgabe desHermann v. Sachsen-Schorbach S. LVII-LXX; s. auch Jessie L. heim" (s. daselbst) S. 11; Ph. Strauch, Pfalz-