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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Karlmeinet 469

Krone, kehrt nach Spanien zurück und entführt die geliebte Galia, die sichin Paris taufen läßt. Karlmeinet bedeutetder kleine Charlemagne" (-etromanische Verkleinerungssilbe). Nach dieser nur für das erste Gedicht be-rechtigten Bezeichnung hat der Herausgeber A. v. Keller den ganzen Zyklusbenannt. Dieses erste liet ist aus einem niederländischen Gedichte übertragen,das ein französisches zur Quelle hatte.

II. Morant und Galie (S. 326, 10-450, 38; Piper S. lOOf.) ist im Stilund Versbau verschieden von I. Das alte mittelfränkische Gedicht von etwa1200 s. LG. II, 2, 123-7. 1

III. Ausfüllendes Zwischenstück des Kompilators (S.450, 39-575,64, Piper S. 101-107), ist ein inhaltlich und formal dürftiges Machwerk:Karls siegreiche Kriege gegen die Sachsen, Langobarden, die Heiden im Hei-ligen Land und in Spanien. Die Hauptquelle ist Vincentius BellovacensisSpeculum historiale um 1250, dabei auch die mittelniederländische ChronikDie Brabantsche Yeesten" des Jan de Clerc oder Jan [van] Boendale (ab-geschlossen 1316/17). 2

IV. Karl und Elegast (S.575, 65-606, 49; Piper S. 107 f.). Auf Befehleines von Gott gesandten Engels zieht Karl wider seinen Willen auf Diebstahlaus. Er trifft dabei mit dem Ritter Elegast zusammen, der durch Räubereiensein Leben fristet. Beide treiben dann gemeinsam das Diebeshandwerk; diesittliche Erklärung des seltsamen göttlichen Auftrags ergibt sich am Schluß:Elegast hat bei einem solchen Raubzug Gelegenheit, einen Anschlag auf denKaiser zu entdecken und rettet ihm dadurch das Leben. Die Sage ist nieder-ländischen Ursprungs und ist auch in einem niederländischen Gedicht be-handelt. 3

V. Die Ronceval-Schlacht (S. 606, 50-821, 12; Piper S. 108-13).Quelle ist Konrads Rolandslied mit Benutzung jüngerer erweiterter Rezen-sionen des franz. Rolandsliedes; viele Abweichungen und Einschübe. 4

VI. Machwerk des Kompilators (S. 821, 13-833, 49; Piper S. 113).Karls Ende. Quelle: Vinc. Bellovacensis.

Die Person des Kompilators ist nicht bekannt, er arbeitete um 1320.

1 Dazu jetzt auch Frings, Der Eingang von u. Elegast, nach der Zeitzer Hs. hgb., 1927,Morant u. Galie, Teuthonista 3,192 f., 97-119. dazu Schröder, Anz. 46, 148-53; Schröder,

2 Bartsch S. 53 ff. 385 f. Zum Text des md. K. u. E., ZfdA. 67, 208.

3 Niederländ. s. Hoffmann v. Fallers- Elegast in der deutschen Lit. u. Volkskunde:leben, Horae Belgicae IV; Kalff, Geschie- J. Grimm, Kl. Sehr. 6, 34-40. 81; Müllen-denis der nederl. Letterk. I, 1887, 118-20; hoff, ZfdA. 13, 182-5; R. Köhler, Germ. 28,Jan te Winkel, Pauls Grundr. l.Aufl. II 187 f. 29, 58 f. u. Kl. Sehr. 2, 1900, 304-7;S. 457,2. Aufl. S. 425; Marie Ramondt, Karel Lunzer, Beitr. 51, 149-95; Bolte-Polivkaende Eleg. oorspronkelijk? Utrechtsche Bij- 3, 127. 379-406; Walth. Benary,Karl u.dragenXII, 1917, dazu Frings, Anz. 42,144f.; Eleg." in Pommern, Zs. d. Ver. f. Volkskde.R. van der Meulen, De sage van Karel en 23, 1913, 299-302.

Elegast bij de Litauers, Tijdschr. v. nederl. 4 Über die Quelle s. Wilhelm, Gesch. d. hand-

taal-en letterkde. 32, 1913. Außer dem schriftl. Uberlieferg. von Strickers Karl d. Gr.,

mittelniederl. Gedicht und dem mfrk. im Karl- 1904, S. 12-7 (gegen Bartsch S. 87-208, bes.

meinet gab es eine abweichende md. (westl. S. 91 ff.); Üb. die Quellen des Karlmeinet:

Rheinfranken) Version aus dem 14. Jh., Bech, L. A. Haas, Neophilologus 8, 1921, 259 ff.Germ. 9, 320-27; Jos. Quint, Der md. Karl