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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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III. ERZÄHLENDE LITERATUR

i. DAS RITTERLICHE EPOS

Der Abstand von der hochhöfischen Bildung des 13. Jahrhunderts zeigtsich augenfällig bei einem Vergleich der erzählenden Dichtung dieser beidenletzten Jahrhunderte mit dem Epos der Blütezeit. Die wenigen umfangreicherenEpen bestanden jetzt in Verbreiterung von solchen des 13. Jahrhundertsoder aus Sammlungen einzelner kleinerer Erzählungen, die durch einen Rah-men zu einem Ganzen zusammengefaßt wurden. Im übrigen reichte es nurzu kleineren Erzählungen und Schwänken. Das stoffliche Interesse an denKampf- und Minneabenteuern der gefeierten Helden des 13. Jahrhundertsblieb auch in den beiden ausgehenden Jahrhunderten erhalten, nachdem längstder romantische Geist erloschen war: in den Handschriften wurde jene Lite-ratur durch die Generationen hindurch weiter erhalten und hat ein großes Pu-blikum gefunden. Die Zeit der Schöpfung hatte um die Wende des 13 ./H.Jahr-hunderts aufgehört, es kam die des Sammeins. So ist eine der reichhaltigstenmittelalterlichen Bibliotheken Deutschlands, die Heidelberger Universitäts-bibliothek, aus dem Sammeleifer des pfalzgräflichen Hauses hervorgegangen. 1

Karlmeinet 2

Nahezu ein Fremdkörper in der deutschen höfischen Epik ist der Karl-meinet durch seinen Ton, der durch Derbheit, ja Roheit niedriger steht.Erzählt wird in diesem Sammelwerk die Lebensgeschichte Karls des Großenvon der Jugend bis zum Tode; das Ganze (etwa 35000 Verse) ist eine Kom-pilation, bestehend aus sechs einzelnen, untereinander lose verbundenen Ge-dichten, die in der Hauptsache auf niederländische und französische Originalezurückgehen.

K Karlmeinet (Keller S. 1-326,9; Piper aaO. S.92-99). Karls Jugend,Flucht nach Spanien und Rückkehr. Als zwölfjähriger Knabe wird Karl vonseinem sterbenden Vater Pippin zwei von diesem eingesetzten Reichsverwesernzur Pflege übergeben, diese aber zwingen ihn zu niederen Diensten und wollenihn beseitigen. Mit Hilfe eines Dieners und treuer Ritter flieht er nachSpanien, wo er im Dienste des heidnischen Königs Galafer einen andern,diesen angreifenden Heidenherrscher besiegt und das Ritterschwert erhält.Er gewinnt die Minne der Königstochter Galia. Dann zieht er nach Frankreichund erringt durch Vernichtung der ungetreuen Reichsverweser die angestammte

1 Hans Wegener, Beschreibendes Verzeich- Charlemagne, 1865 (Neudruck 1906) S. 125-30.nis der dt. Bilder-Handschriften in d. Heidel- 485-90; C. Jecklin, Verhältn. des Karl zumberger Univers.-Bibl., 1927 (Vorwort von R. Karlmeinet, Germ. 22, 147-53; Arendt, DerSillib). Riese, 1923, 17 f.; Günther Müller, Walzels

2 Ausg. von Adelbert v.Keller, Litt. Ver. Handbuch S. 18. Hss.: Keller S. 855-7;Nr. 45, 1858. Abhandl.: Bartsch, Über Piper, Spielmannsdichtg. 2, 91 f. Anm.;Karlm., 1861; Ders., Germ. 6, 28^3. Käntz- Kalff, Tijdschr. v. nederl. taal-en letterk. 4,ler, Annalen d. hist. Ver. f. d. Niederrhein, 196-250; L A. Haas, Neophil. 8, 259-70.1862; Gaston Paris, Histoire poetique de