Hans von Bühel 467
von Bühel, das seinen Sitz in Niederbühel bei Rastatt (Baden) hatte. SeineSprache 1 ist niederalemannisch (Elsaß oder südliche Hälfte von Baden). SeineLebenszeit ergibt sich aus der Datierung seiner beiden Werke 1401 und 1412.Um 1412 stand er in Diensten des Erzbischofs von Köln, Friedrichs von Saar-werden, in Poppeisdorf bei Bonn. Seinen Namen nennt er Diocl. 9437: Hansvon Bülhel (so!) man mir giht; bloß der Büheler (-osre): Königst. 1236. 3746,Diocl. 9478.
Mit der Königstochter von Frankreich 2 hat Hans von Bühel einenweitverbreiteten, auch das deutsche höfische Epos des 13. Jahrhunderts be-schäftigenden Stoff aufgenommen, denn seinem Roman liegt die gleiche Sage 3zugrunde wie der Erzählung von Mai und Beaflor (s. oben). Der Büheler hattekeine Kenntnis von dem Gedicht des 13. Jahrhunderts, auch spielt seine Ge-schichte nicht in Rom und Griechenland, sondern in Frankreich und Eng-land, aber der Verlauf weicht nicht wesentlich ab. Vollendet im Februar 1401(s.V. 8221); 8258 Verse. 4
Das Urteil über des Bühelers Dichtweise (von „Kunst" kann man hier nichtsprechen) kann nicht eben günstig lauten. Sein Stil ist volksmäßig, ohneKunstmittel, im Aufbau ist oft die richtige Folge nicht getroffen, rührseligeSzenen gehören zur Volksmäßigkeit. Der Versbau ist ziemlich regelmäßig,auch die Reime sind rein, wobei natürlich mit mundartlichem Schwund derschwachen e zu rechnen ist. 5
Sein zweites Werk, die Bearbeitung der Sieben weisen Meister (Dio-cletianus) wird besser in dem Zusammenhang der großen Erzählungssamm-lungen zu besprechen sein (s. unten).
1 Sprache: Seelig S. 299-306; Behaghel Germ. 36, 246-57. — Seelig S. 245 ff., Les-aaO.; Zwierzina, Anz. 26 Reg. S. 346.27 Reg. arten S. 263-76.
S. 342. 6 Stil: Seelig S. 314-18; Jos. Weller, Üb.
2 Ausg. Theod. Merzdorf, Des Büheler's d. Stil u. die Stilist. Vorbilder der „Königs-Königstochter von Frankr., 1867, dazu Strobl, tochter v. Frankreich", Bonner Diss. 1921,Germ. 12,109-14; Ernst Scheunemann, Mai Masch.schrift; K. Euling, Die Jakobsbrüderu. Beaflor u. H. v. Bühels „Königstochter von von Kunz Kistener, 1899, Reg. S. 129 (Kunst,Frankreich", 1934. — Ältere Lit. s. Kober- Stil, Metrik, Nachahmer Kunz Kisteners);stein l 6 , 323 Anm. 11 ff. Euling, Stud. üb. Heinr. Kaufringer, 1900, 32
3 Sage s. Mai u. Beaflor. — Seelig S. 328 (Lesenovellen); Büschgens aaO. (Metrik). —-35. Hinrich Fitschen, Anrede, Titulierung u.
4 Überlieferung: 2 Straßburger Drucke 1500 Grußformen in d. Romanen Hans v. Bühels,u. 1508: Merzdorf, Vorwort; auch in Görres' Greifsw. Diss. 1913.
Volksbücher; Bruchst. einer Hs.: Bartsch,