464 Einzelne Dichter
liehe, im Hofdienst dichtende Heinrich von Mügeln dar; die drei ersten sinddie Vertreter der nachklingenden ritterlich-höfischen Poesie, Rothe ist derDiener Gottes und Lehrer der göttlichen und menschlichen Ordnung, Mügelnder im Hofdienste stehende Lehrer weltlicher Wissenschaft und Meister-singer.Heinrich aus Mügeln bei Pirna (Meißen) schrieb am Prager Hofe für Karl
IV. „Der Meide Kranz" (schon vorher ein Lobgedicht auf König Johann vonBöhmen, gestorben 1346), war dann am Hofe Herzogs Rudolfs IV. von Öster-reich (1358-65); nach dessen Tode genoß er die Gunst des Hertnit von Petau,Adelsmarschall von Steier; wahrscheinlich hielt er sich auch eine Zeitlangin Ungarn auf (1352/53). Gestorben ist er nach 1371 (Erscheinungsjahr derPsalmenübersetzung).
A. Selbständige Schöpfungen. Der Meide Kranz 1 ist zum PreisKarls IV. und seiner Freigebigkeit verfaßt: Das buch das heißt der meidekränz, die got gebar . . . (Meid ist also hier die Jungfrau Maria). Es istein allegorisch-didaktisches Gedicht. Das erste Buch (Prolog V. 1-68),
V. 69-1356, handelt von den 12 Künsten (= Wissenschaften, ars). Die„Meide" (V. 722. 864a. 867. 896a. 897 u. ö.) treten vor den Kaiser undje eine Wissenschaft erklärt ihm in 50 Versen ihre Kunst (ars = Wis-senschaft) und deren Vorzüge (119); sie fragen ihn um sein Urteil, welchevon ihnen die Würde haben solle, in der Krone der maget (Mutter Gottes)zu stehen, der Reihe nach: Philosophie, Grammatik, Logik (Loica), Rhe-torik, Arithmetik (Arismetica), Geometrie, Musik, Astronomie, Physik (Phi-sica, Medizin), Alchimie, Metaphysik, Theologie. Die sieben freien Künstesind hier auf zwölf erweitert, zum Trivium gehören vier, indem die Dialektikgeteilt ist in Philosophie und Logik; zum Quadrivium sechs, indem nochPhysik (Medizin) und Alchimie dazukommen, die beiden letzten Wissen-schaften, Metaphysik und Theologie, fallen überhaupt außerhalb des Kreisesder weltlichen Wissenschaften; Metaphysica ist die Lehre von den Engeln undvon Gott, Theologie lehrt den christlichen Glauben, das Dogma, gemäß derOffenbarung. Der Kaiser (719) beruft zur Entscheidung über den Wettstreit dermeide seine Räte, und nach deren Verzicht befragt er den meister dises buchesvon Mögelin Heinrich (771 ff.); als auch dieser ablehnt, erteilt er selbst derTheologie den Preis zu (789). Er beschenkt die Meide reich und sendet sie in
S. 6-28 u. pass.; H. Brinkmann, Zu Wesen 1908. — Helm, Beitr. 21, 24CM7. 22, 135-51;
u. Form malterl. Dichtung, 1928, Reg. S. 191; Schwietering, Demutsformel S. 97f.; Gün-
Walther Rehm, ZfdPh. 52, 289-330 pass.; ther Müller in Walzeis Handb. S. 17;
Ulr. Kube, 4 Meistergesänge von H v. M., Wegener, Bilderhandschriften d. Heidelber-
1932, dazu Ehrismann, Anz. 51, 139 f. — ger Univers.-Bibl., 1927, S. 5.— Ant. Bene-
Bartsch, Meisterlieder d. KolmarerHs., 1862, dict, Über die Sprache in H.s v. M. „Der
180f.; Gervinus, Gesch. d. dt. Dichtg. 2 5 , meide Kranz", Progr. Smichow 1889, dazu
369-72; Goedeke, Grundr. I 2 , 270f. u. Dt. Khull, ZföG. 41, 378; Benedict, Die Metrilf
Dichtg. im MA. 2 S. 676f. — Siehe im folgen- in H.s v. M. „Der meide Kranz", Progr.
den die Lit. der einzelnen Werke. Smichow 1890, dazu Khull, ZföG. 42, 938;
1 Ausg.: Willy Jahr, H. v. Mügeln, Der Zwierzina, Festg. f. Luick, 1925, S. 132f. —
Meide Kranz hgb. u. eingeleitet, Leipz. Diss. 2 Hss., 2 Fragm., Jahr S. 80-90.