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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Johannes von Indersdorf. Johann von Morsheim. Heinrich von Mügeln 463

Werk ist in der Hauptsache eine Prosaübersetzung von Roger BacosAri-stoteles Secretum secretorum" (s.oben), eines sehr verbreiteten lateinischenFürstenspiegels.

Johann von Morsheim

Ein abschreckendes Bild der Hofgesellschaft entwirft Johann von Mors-heim in seinem Spiegel des Regimen ts. 1 Die Fortsetzung dieses Titels in derÜberschrift:inn der Fürsten Höfe, da Fraw Vntrewe gewaltig ist", gibt schondas Grundmotiv dieser bitteren Satire an. Es ist eine Schilderung der an denHöfen herrschenden Übelstände, deren Ursache die Königin Frau Untreueist mit ihrem großen Hofstaat. Der Verfasser will den Fürsten über die Intrigender Hofleute die Augen öffnen. Dafür stand ihm eine reiche Erfahrung zuGebote. Er stammte aus einem vornehmen Adelsgeschlecht der linksrheini-schen Pfalz, war 1487 Vogt zu Germersheim, dann 1500 Hofmeister des Pfalz-grafen Ludwig und eine wichtige Persönlichkeit in Kurpfalz; gestorben ister 1516. Sein Buch (957 Verse) trägt das Datum 1497 (V. 50), veröffentlichtaber wurde es erst 1515 in einem Druck; es war sehr beliebt, denn bis 1617folgten noch sieben Drucke. 2

Der Dichter ist unselbständig. Am stärksten hat er Ammenhausens Schach-buch, oft wörtlich, ausgezogen, weniger Sebastian Brants Narrenschiff, auchden Renner hat er gekannt. Er zitiert klassische und kirchliche Schriftsteller,auch einmal Petrarca (V. 910). Andrerseits wurde auch sein Buch späterbenutzt, so ausgiebig in der protestantischen Glosse des Reinke de Vos.Die Sprache liegt, der Entstehungszeit entsprechend, auf der Grenze desMittelhochdeutschen und frühen Hochdeutschen. Der Versbau folgt der mit-telhochdeutschen Regel, ist aber ziemlich frei, ebenso die Reime, in denenAssonanzen und Mundartliches zugelassen sind. Der Stil erhebt sich nicht überdie natürliche Rede. 3

Heinrich von Mügeln 4

Einen dritten Typus neben dem des freien Ritters (Montfort, Wolkenstein,Sachsenheim) und dem des Geistlichen (Johannes Rothe) stellt der bürger-

1 Ausg.: Goedeke, Lit. Ver. Bd. 37, 1856. 3 Kessler S. 21-78.

Abhandl.: Goedeke, Grundr. I 2 , 392 f.; 4 Steinmeyer, ADB. 22, 454; Wilh. Mül-

Bartsch, ADB. 22, 327; Reinhold Köhler, ler, Fabeln u. Minnelieder von H. v. M., Gott.

Germ. 20, 383f. 21, 66; Sievers, Beitr. 12, Stud. 1847 u. SA. 1848; Karl Jul. Schröer,

503; Fanny Kessler, Joh. v. Morsheims Die Dichtungen H.s v. Mügeln (Mogelin) nach

Spiegel des Regiments, Germanist. Abhandl. den Hss. besprochen, Wien. SB. 55, 1867,

H. 53, 1921, dazu Götze, Lbl. 1922, 168f. 451-520; Ders., Zu Heinr. v. Mogelin, Germ.

W. Münch, Gedanken über Fürstenerziehung 13, 212-14; Martin, Anz. 3, 112f.; Ders.,

aus alter u. neuer Zeit, 1909; Hans Heim, Mitteil. d. Ver. f. Gesch. der Deutschen in

Fürstenerziehung im 16. Jh., 1919; Walther Böhmen Bd. 16; Ottokar Lorenz, Deutsch-

REHM,ZfdPh.52,317. 319.328; E. R.Curtius lands Geschichtsquellen im MA., 2. Aufl.

aaO. 8 Drucke, 1515 u. später: Goedeke, 1876,1,284ff.; Roethe, Reinmar, Reg. S.638;

Ausg. S.31-33 u. Grundr. aaO.; Kessler S. 1 K. Helm, Beitr. 21, 240-47. 22, 135-51; See-

-21. MÜLLER, Gesch. d. Stadt Wien Bd. III 1. Hälf-

2 Goedeke, Ausg. S. 31-33 u. Grundr. aaO.; te, 1907, S. 51; Heinr. Lütcke, Stud. zurKessler S. 1-21. Philosophie der Meistersänger, Pal. 107, 1911,