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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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462 Einzelne Dichter

des Königs Artus und einer Müllerstochter bei Mainz. Nach Christi Tod wirder von Kaiser Tiberius verbannt und ersticht sich selbst. Quelle ist die Legendaaurea sowie die Judassage und die Pilatussage, beide nach lateinischen Fas-sungen in den Volkssprachen verbreitet.

Aus Rothes geistlichem Beruf und zugleich aus seinem historischen Lokal-interesse geht hervor seine gereimte Heilige Elisabeth 1 (nach 1418 oder1421). Das Leben der Heiligen bearbeitete er umständlich und nüchtern aufGrund der lateinischen Vita des Dietrich v. Apolda und einheimischer Über-lieferung. Wahrscheinlich benutzte er auch seine eigene Thüringische Chronik in derselben begegnen viele gleichartige Stellen, so daß die Elisabeth alsoerst nach der Chronik verfaßt wäre.

DieDüringische Chronik", 2 Prosa, ist in zwei verschiedenen Fassungengeschrieben, die eine, aus dem Jahr 1421, ist der Landgräfin Anna gewidmet (s.oben das Akrostichon der Vorrede); die andere richtet sich in der Vorrede an denlandgräflichen Amtmann auf der Wartburg, Bruno von Teutleben (nach 1421),ist aber nicht sicher Johannes Rothe zuzusprechen. Die Darstellung gehtaus von der Weltgeschichte, beginnend mit der Schöpfung, den Griechen undRömern (auch die Pilatussage ist verwertet) und entfaltet von der Stammsagean ein anschauliches Geschichtsbild des Thüringer Landes. Rothe lebte mitden Geschicken seines Volkes und wußte sich in die leitenden Persönlichkeitenhineinzudenken. Das sind nicht bloß annalistische Notizen, die Erzählung istin den Thüringen betreffenden Teilen fesselnd, auch im sprachlichen Ausdruckwohlgeordnet, wobei die Personen wirklich in Lebensnähe treten.

Über die Sprache Johannes Rothes s. Alfred Heinrich, J. Rothes PassionaaO. S. 11-59; K. Klecka, Lautlehre der Reime inRitterspiegel", Progr.Znaim 1911; Zwierzina, Festschr. Ehrismann 1925 S. 56-60.

Johannes von Indersdorf

Wegen des verwandten Inhalts mit Johannes Rothes Hauptleistungen, demRitterspiegel und Von der Stete Ampten, sollen hier zwei spätere Werke folgen:

Lehren speziell für Fürsten (fürden edeln Fürsten"), Anweisungen zueinem tugendhaften Regiment, was einem jeglichen frummen kristenlichenfursten geziemt, sind Die Fürstenlehren des Johannes von Indersdorf fürHerzog Albrecht III. von Baiern-München (1436-1460) und seine GemahlinAnna. 3 Der Verfasser war Beichtvater des Herzogs und der Herzogin. Das

1 Hgb. in Menken, Script, rer. Germ. II, stein, Germ. 4, 172-82; Witzschel, Die erste2033, eine kritische Ausgabe fehlt. Abhandl.: Bearbeitung der Düringischen Chron. v. Joh.Witzschel aaO.; Petersen aaO. S. 28-30; Rothe, Germ. 17, 129-69, s. Anz. f. Kunde derPaul Riesenfeld, Heinr. v. Ofterdingen in dt. Vorz. 1874, 251-54; Helmbold, Eisen-der dt. Lit., 1912, S. 106ff.; Marie Homrich, acher Chroniken aaO.; Stammler, Von derStud. über d. handschriftl. Überlieferung des Mystik zum Barock, 1927, 249. 490; s. auchLebens der heil. Elisabeth" v. Joh. Rothe, H. Rückert, Das Leben des heil. Ludwig,Frankfurt. Diss. 1924, Masch.druck. Einleit.

2 Hgb. von v. Liliencron, Thüring. Ge- 3 Eugen Gehr, Die Fürstenlehren des Jo-schichtsquellen Bd. III, 1859, dazu Bech, hannes v. Indersdorf usw., Diss. FreiburgGerm. 5, 226-47. Petersen aaO. S. 13-18. i. Br. 1926; s. E. R. Curtius, ZfromPhil. 52,24-27; Heinrich, Passion aaO. S. 3. Bech- 1932, 149 Anm. 1 (Fürstenspiegel).